Metadaten : Preußische Geschichte. Dritter Band. (3)

II.  Das  Ende  des  Fürstenbundes.  271

Große  hatte  von  einer  Einmischung  zu  gunsten  des  Gatten
seiner  Nichte  nichts  hören  wollen,  obgleich  Hertzberg  dazu  neigte.
Nur  beschwichtigend  hatte  er  eingewirkt  und  den  Patrioten
Mäßigung  empfohlen.  Der  Thronwechsel  änderte  das.  Des
neuen  Königs  Selbstbewußtsein  empfand  die  in  dem  Schwager
seiner  Schwester  zugefügte  Kränkung  lebhafter,  zumal  auch  Hertzberg
  auf  Wahrung  der  dort  engagierten  Ehre  Preußens  drang.
Auf  einen  Zusammenstoß  mit  Frankreich  freilich  wollte  er  es
nicht  ankommen  lassen,  sondern  suchte  sich  mit  ihm  über  ein
gemeinsames  beruhigendes  Einwirken  zu  verständigen.  Aber
noch  vorher  kam  in  der  Republik  der  Bürgerkrieg  zum  Ausbruch.
  Für  ihn  rechneten  die  Patrioten  im  Notfall  auf  die
Hilfe  Frankreichs,  das  es  am  Hetzen  gegen  den  Statthalter  so
wenig  fehlen  ließ  wie  England  am  Schüren  des  preußischen
Unmuts.  Da  hielten  Posten  der  Patrioten  die  Statthalterin,
als  sie  zu  einer  Besprechung  mit  ihren  Anhängern  in  den  Generalstaaten
  nach  dem  Haag  fahren  wollte,  am  28.  Juni  1787  auf
und  fast  einen  Tag  wie  eine  Gefangene.  Dann  mußte  sie  nach
Nimwegen  zurückkehren.  Das  empfand  der  König  wie  eine  persönliche
  Beleidigung.  Er  verlangte  Genugthuung.  Aber  an
eine  kriegerische  Aktion  dachte  er  nicht,  vielmehr  hoffte  er  mit
Hilfe  des  bei  den  Patrioten  starken  französischen  Einflusses  sein
Verlangen  um  so  eher  durchzusetzen,  als  die  politischen  Gegensätze
  dabei  kaum  in  Frage  kamen.  Aber  das  wüste  Lärmen  der
patriotischen  Presse,  die  von  einem  Zugeständnis  an  Preußen
nichts  wissen  wollte,  erhitzte  in  Holland  die  Gemüter,  zumal
man  sah,  daß  hinter  Preußen  das  verhaßte  England  stand,  um,
wie  so  häufig,  durch  fremde  Arbeit  für  sich  leichten  Gewinn
zu  machen.  Die  Genugthuung  nun  zu  erzwingen  schien  für
Preußen  ungefährlich.  Frankreich  brauchte  es  nicht  zu  fürchten:
trotz  aller  großen  Worte  war  es  durch  die  eben  beginnende
innere  Krisis  außer  stande,  für  seine  holländischen  Schützlinge
einzutreten.  Gefährlicher  konnte  Oesterreich  werden,  wenn  es
sich  der  Republik  annahm  oder  Preußens  Beschäftigung  benntzte,
um  auf  das  bayrische  Tauschobjekt  oder  gar  die  Wiedereroberung
Schlesiens  zurückzukommen.  Das  war  jedoch  nicht  mehr  zu  besorgen,
  als  Rußlands  neue  Uebergriffe  die  Türkei  zum  Kriege