Contents : Ereignisse und Gestalten 1878-1918

führte  die  politischen  Unterhaltungen,  soweit  sie  geschäftlicher  Natur
waren,  nach  den  Anweisungen  seines  Vaters.

Nach  meiner  Rückkehr  aus  Stambul  1889  schilderte  ich  dem
Fürsten  auf  seinen  Wunsch  meine  Eindrücke  in  Griechenland,  wo
meine  Schwester  Sophie  mit  dem  Thronfolger  Kronprinz  Konstantin
verheiratet  war,  und  in  Stambul.  Dabei  fiel  mir  auf,  daß  der  Fürst
recht  wegwerfend  von  der  Türkei,  den  Männern  in  maßgebenden
Stellungen  und  den  dortigen  Verhältnissen  überhaupt  sprach.  Als
ich  zum  Teil  wesentlich  günstigere  Momente  hervorheben  zu  können
glaubte,  half  das  nicht  viel.  Auf  meine  Frage,  worauf  der  Fürst
sein  so  ungünstiges  Urteil  gründe,  erwiderte  er:  Graf  Herbert  habe
sehr  abfälllg  über  die  Türkei  berichtet.  Der  Fürst  und  Graf  Herbert
  sind  der  Türkei  nicht  hold  gewesen  und  haben  meiner  Türkenpolitik
  —  der  alten  Politik  Friedrichs  des  Großen  —  nicht  beigepflichtet.


Während  der  letzten  Zeit  seiner  Kanzlerschaft  bezeichnete  Bismarck
die  Erhaltung  der  guten  Beziehungen  zu  Rußland,  dessen  Zar  ihm
sein  besonderes  Vertrauen  schenke,  als  den  hauptsächlichsten  Grund
seines  Verbleibens  im  Amte.  In  diesem  Zusammenhange  machte
er  mir  die  ersten  Andeutungen  über  den  geheimen  Rückversicherungsvertrag
  mit  Rußland.  Bisher  war  ich  weder  vom  Fürsten  noch
vom  Auswärtigen  Amt  von  diesem  Vertrage  unterrichtet  worden,
obwohl  ich  mich  gerade  mit  den  russischen  Angelegenheiten  befaßt
hatte.  —

Als  ich  durch  den  frühen  Tod  meines  Vaters  zur  Regierung
kam,  folgte  damit,  wie  ich  schon  früher  hervorhob,  die  Generation
des  Enkels  auf  die  des  Großvaters.  Es  wurde  dadurch  die  ganze
Generation  Kaiser  Friedrichs  übersprungen.  Diese  war  durch  den
Verkehr  mit  dem  Kronprinzen  Friedrich  Wilhelm  mit  vielen  liberalen
  Ideen  und  Reformprojekten  gerüstet,  die  unter  ihm  als  Kaiser
Friedrich  ins  Werk  gesetzt  werden  sollten.  Durch  sein  Hinscheiden

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