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zu gewöhnen, und deshalb auch gegenseitig kein Vertrauen zu einander fassen
konnten, weshalb es an aller Einheit fehlte. Auch die Ausrüstung war zum
Theil mangelhaft, die Kriegskasse meistens leer; kurz es war eine dornenvolle
Aufgabe, unter solchen Umständen den Oberbefehl über das Heer gegen einen
Kriegsfürsten wie Soliman, dem unerschöpfliche Hülfsquellen offen standen und
unbedingter Gehorsam von seinen Untergebenen erwiesen wurde, zu übernehmen.
Von Wien aus setzte sich der Zug unter unmittelbarer Führung des Kurfürsten
in Bewegung. Zum Schup seiner Person hatte er eine Schaar schwer
bewaffneter Reiter mit schwarzen Rüstungen um sich, weshalb ihm der Name
des schwarzen Feldherrn ertheilt wurde. Da man lieber einen Angriff auf Pesth
als auf Ofen machen wollte, weil letzteres ungemein stark befestigt und gut
vertheidigt war, so beschloß man dem Schlosse Waizen gegenüber auf das linke
Donauufer zu gehen. Diese Bewegung ward glücklich ausgeführt, allein die
Belagerung hatte nur langsamen Fortgang. Drei Wochen währte es, ehe eine
Bresche geschossen war, die den glücklichen Ausgang eines Sturmes versprach.
Der Sturm wurde muthig unternommen, allein man stieß unerwartet auf eine
neue mit einem tiefen Graben umzogene Brustwehr. Schon waren mehr als
tausend Mann kampfunfähig geworden, da gab der Oberfeldherr den Befehl
zum Rückzug, um das Heer keinem zu schweren Verlust auszusetzen. Joachim II.
hielt seinen Instruktionen gemäß einen Kriegsrath, in welchem man die Aufhebung
der Belagerung beschloß. Schon in der folgenden Nacht wurde das schwere Geschütz
und das Gepäck abgeführt und das Heer ging über die Donau zurück.
Dieser Abzug war nicht ohne Gefahr, doch geschah er mit Ordnung und
ohne Verlust, obgleich die Türken das Reichsheer nach Kräften beunruhigten.
Im Heere herrschte nach dieser ungünstigen Wendung des Kampfes große Uneinigkeit.
Ungarn, Deutsche und Italiener schrieben sich wechselseitig die Schuld
des schlechten Ausgangs der Unternehmung zu; natürlich schonte man auch den
Feldherrn nicht; ja Einige gingen so weit, ihn zu beschuldigen, er habe sich
fern vom Kampfesschauplatz unter dem Schutze seiner Leibwache jeder Gefahr
entzogen. Die ehrenvolle Anerkennung seiner Dienste, welche er vom König
Ferdinand erhielt, scheint diese Beschuldigung zurückzuweisen; ja nach einer freilich
nicht ganz verbürgten Erzählung ist Joachim II. während dieses Zuges
persönlich sogar in große Bedrängniß gerathen, indem ihm das Pferd unter
dem Leibe erschossen, er selbst auf allen Seiten von feindlichen Reitern so heftig
angegriffen worden sei, daß ihn nur die Aufopferung eines seiner Diener, der
sich über ihn geworfen und alle Streiche aufgefangen, vor dem Tode oder
schmähliger Gefangenschaft gerettet habe.
König und Reichstag gaben dem Kurfürsten durchaus nicht die Schuld
des mißlungenen Feldzuges. Viele Stände hatten, wie es sich bei der Prüfung
der Kriegsereignisse erwies, entweder gar keine oder wenigstens nicht die bedungene
Anzahl von Mannschaft gestellt, das nöthige Geschütz und Heergeräth herbeigeschafft,
noch für die richtige Abführung der Geldbeiträge zur Bezahlung