des weiblichen Geschlechts. 295
wenn überhaupt die Laufbahn für Frauen eröffnet ist. Der Religionsunterricht
des Geistlichen, die zeitweise Untersuchung des Zustandes der Schule
durch den Oberaufseher findet statt, wie bei einer Knabenschule. Ebenso
können die allgemeinen Bestimmungen über die Ernennungsart, über die
Ansprüche auf die besseren Stellen oder auf Zulagen, auf Ruhegehalte und
dergleichen bei Frauen vollkommen ihre Anwendung finden. Eine einzige
Vorsicht scheint nothwendig zu sein. Es ist nämlich einleuchtend, dass
eine jüngere verlieiratbete Frau eine Schulstelle nicht bekleiden kann.
Nicht nur könnte und würde durch Schwangerschaften und Wochenbetten
leicht eine Reihe von schädlichen Störungen veranlasst werden; sondern
die nächste und wohl auch ihre nächstliegende Aufgabe wäre doch die, für
Mann und Kinder und für die Haushaltung zu sorgen. Unter der Erfüllung
dieser Pflichten und unter der Richtung der Gedanken auf sie würde nun
aber höchst wahrscheinlich die Schule leiden. Hierzu kommt noch, dass
der wichtige Grund, für familienlose Frauen eine Nahrungsquelle zu eröffnen,
bier nicht Platz greift, da es sich ja eben von einer verheiratheten Frau
handelt. Es muss also der Satz aufgestellt werden, dass grundsätzlich nur
unrerheirathete Frauen (Mädchen oder Wittwen) eine Schulstelle bekleiden
können ?).
Bei den Mittelschulen in den Städten, an welchen jedenfalls mehrere
Personen thätig sind und sein müssen, kann die Sache zweckmässig in anderer
Weise geordnet werden. In solchen mag nämlich eine gemischte Verwendung
von Männern und Frauen stattfinden. Was den Unterricht in den
wesentlichen Schulfächern betrifft, so wird derselbe bei dem hier schon erforderlichen
höheren Wissensgrade unzweifelbaft von Männern zu ertheilen
sein. Damit lässt sich aber eine Betheiligung von Frauen schr wohl verbinden.
Nicht nur kann und muss einer Frau die äussere Leitung und
Aufrechterhaltung der Ordnung des Hauses, die Beaufsichtigung der Schülerinen
in den Erholungszeiten, überhaupt die ganze Ueberwachung ihres Benehmens
übertragen sein; sondern es bleibt auch ein bedeutender Theil des Unterrichts
für Frauen offen. Der gesammte Unterricht der kleineren Kinder fällt
ihnen mit entschiedenem Nutzen zu. Ausserdem mag, auch ausser den
weiblichen Arbeiten, eine Reihe von nebensächlichen Lehrgegenständen
Lebrerinen ohne Anstand übergeben werden, so z. B. die Musik, das
Zeichnen, etwa die Memorirübungen und dergleichen. Da nun aber nothwendig
Einheit in einer jeden Schule sein muss, so hat man sich frei-1)
Wenn es sich nur von dem Unterrichte in weiblichen Arbeiten handelt, welcher an
einer sonstwie richtig organisirten Schule ertbeilt werden soll, so verlieren die Möglichkeiten
von vorübergehenden Störungen einen grossen Theil ihrer Bedeutung, da eine Unterbrechung
In diesen Nebenunterrichte nicht von weosentlichem Schaden sein kann. Ein solcher
Unterricht mag also s. B. ganz wohl der Frau eines Schullehrers übertragen worden.