Volltext : Württembergische Geschichtsquellen. Zweiter Band. (2)

Aus  dem  Codex  Laureshamensis.  1

4uf  Benützung  im  sechzehnten  Jahrhundert  weist  eine  datierte
Randbemerkung  zu  fol.  28b,  wo  dem  Spottgedicht  über  die  Hirsauer  !)
beigefügt  ist:  Nots  seisma  monasticum,  quale  fere  hodie  anabaptisticam.
  G.  B.?)  L.  1557;  darunter  steht  mit  schwärzerer  Tinte:
E.  P.  IS  (S  durch  I  geschlungen  )  ?).

Nach  der  Rückgabe  des  Codex  an  Mainz  im  siebzehnten  Jahrhundert‘)
  besah  man  sich  auch  dort  die  alten  Rechte  des  Klosters
im  Chronicon  genauer.  Davon  zeugt  ein  dem  siebzehnten  Jahrhundert
entstammender  Eintrag  fol.  24,  wo  die  Rückgabe  der  zwei  Huben
in  Bebingen  durch  den  Pfalzgrafen  Gottfried  an  die  Lorscher  Propstei
‚itenmünster  auf  Befehl  Heinrichs  V.  dem  Leser  ein  Vorbild  für
seine  Zeit  war.  Deshalb  schrieb  er  an  den  Rand:  Palatinus  duas
hubas  in  Bebingen  injuste  ablatas  restituere  debuit.

Zu  der  Erzählung  von  Abt  Samuel,  der  zugleich  Bischof  von
Worms  wer  (fol.7b),  hatte  schon  eine  Hand  des  fünfzehnten  Jahrhunderts
  beigefügt:  De  episcopo  et  abbate  Samuele,  qui  construxit
Nuhusen,  ein  Leser  des  siebzehnten  Jahrhunderts  aber  setzte  zwei
Hexameter  in  schlechtem  Latein  darunter:

Hio  Samuel  tumulo  placuit  dormire  secundo,
Dum  Laurissa  .  .  .*)  pugil  exhumat  Meineze?).

Derartige  Bemerkungen  finden  sich  Jast  durchaus  nur  im  Chronicon’),
  dagegen  spärlich  in  den  anderen  Teilen,  die  weniger  gelesen
wurden.  Ihr  Wert  ist  gering,  sie  kommen  nur  für  die  Geschichte
der  späteren  Geschicke  der  Handschrift  in  Betracht.  Der  Codex
selbst  ist,  wie  der  handschriftliche  Erfund  und  der  Inhalt  beweist,
als  ein  organisches  Ganze  mit  klar  erkennbarer  Disposition  der  einzelnen
Teile  in  der  zweiten  Hälfte  des  zwölften  Jahrhunderts  hergestellt
worden.  Auch  die  kleinen  Zusätze,  welche  die  Rechtsverhältnisse  des
Klosters  betreffen,  sind  noch  von  den  Benediktinern  im  Anfang  des
dreizehnten  Jahrhunderts  vor  dem  Übergang  des  Klosters  in  die  Hände
des  Erzbischofs  von  Mainz  und  des  Prämonstratenserordens  1232
bis  1248°)  geschrieben.  Die  späteren  Stücke  (s.  oben  S.  4  und  5)
kommen  hier  nicht  in  Betracht.

)  L  1,29  $.;  M@.  21,  40  f.  —  °)  Ein  unleserlicher  Buchstabe.  —
°)  Jesuita.  —  *)  S.  unten.  —  °)  Ein  unleserliches  Wort.  —  °)  Die  Angabe  ist
falsch,  denn  nich  von  Mains  aus  wurde  Samuels  Leiche  ausgegraben,  sondern
Bischof  Eberhard  I  von  Worms,  ein  geborener  Raugraf,  hiess  die  Gebeins
Samuels  1374  in  das  Suft  Neuhausen  bei  Worms  bringen,  Falk,  I.  e.  36.  —
”)  Perts  hat  sie  nicht  berücksichtigt.  —  °)  Über  diesen  Übergang  vgl.  Falk,
0.9.94  ff.