Sturz des Ministerium's Ollivier. 53
des Kaisers das Schwert entgleiten mußte, um sich sofort der Waffe
zu bemächtigen und ihre Spitze gegen den Imperator zu kehren.
Von außen die gewaltigen, alles niederwerfenden Schläge der
deutschen Heere, in Paris das leisere, aber nicht weniger erfolgreiche
Wühlen der Demokraten — diese beiden Faktoren führten den Sturz
des Kaiserreiches herbei, noch einige gewaltsame, experimentirende
Zuckungen, dann brach das prunkende Gebäude des Empire, welches
aufgeführt war durch Lüge und Verbrechen jeder Art, in sich zusammen.
Die Kaiserin-Regentin war von St. Cloud nach Paris gekom—
men, sie hatte am 7. August eine Proklamazion erlassen, worin sie
prahlerisch versprach, Frankreich's Fahne hoch zu halten undbei jeder Gefahr
die erste zu sein. Nachdem sie diese große That vollbracht, nahm sie
ihren Sitz in dem Palaste der Tuilerien. Am Nachmittag desselben
Tages folgten zwei Dekrete, das erste berief den gesetzgebenden Körper
und den Senat auf den 11. August, das zweite erklärte das Seinedepartement
in Belagerungszustand. Diese beiden Maßnahmen waren
natürlich nicht gegen die weit entfernten deutschen Heere, sondern
gegen die Republikaner gerichtet.
Doch unter den Augen der Regentin treten die Anhänger der
feindlichen Partei kühn hervor, sie fordern durch die Zeitungen die
unverzügliche Bewaffnung aller Bürger von Paris, sie fordern Einsetzung
eines Pariser Bewaffnungskomites. Diese beiden Vorschläge
würden in ihrer Ausführung den zahlreichen Republikanern in Paris
die Gewalt in die Hände gegeben und den Anfang zur Bildung
einer provisorischen Regierung gemacht haben.
Diesen kühnen Schritten des inneren Feindes, der drohenden
Heeresmacht des äußern Feindes gegenüber geräth das Kabinet
Grammont-Ollivier, das den furchtbaren Krieg so frech heraufbeschworen,
ins Schwanken. Freilich erlassen die Minister eine Proklamazion
in hochtrabenden Redensarten und rufen alle kräftigen Bürger von
30—40 Jahren zu den Waffen, doch im gesetzgebenden Körper erklärt
Ollivier, das Kabinet sei bereit, zurückzutreten, wenn die Versammlung
glaube, daß andere Leute der drohenden Situazion besser
gewachsen seien.
In der That mußten diese energielosen Schwätzer augenblicklich