Full text : Blätter für Rechtsanwendung. III. Ergänzungsband. (47a)

Reichsgerichtliche  Entscheidungen.  301.

aber  der  Angeklagte  die  Mobilien  gleichwohl  fortschaffte.
  Das  gesetzliche  Pfandrecht  des  Vermiethers
in  der  Kirchenstraße  hörte  auf,  als  Angeklagter  mit
dessen  Bewilligung  auszog;  dasselbe  entstand  beim
Einzuge  in  der  Sternstraße  von  Neuem  für  die  Ansprüche
  aus  diesem  Miethverhältnisse.  Das  in  der
Kirchenstraße  bestandene  gesetzliche  Pfandrecht  konnte
nicht  durch  Vereinbarung  auf  daß  Haus  in  der  Sternstraße
  übertragen  werden;  zur  Sicherung  der  aus
ienem  Miethsverhältnisse  noch  bestehenden  Restschuld
war  eine  vertragsmäßige  Pfandbestellung  mit  Uebergabe
  nöthig;  die  Pfandbestellung  allein  genügte  nicht;
auch  ein,  übrigens  nicht  festgestelltes,  constitatum
possessorium  würde  wirkungßlos  sein;  selbst  wenn
man  solches  überhaupt  für  zulässig  (ogl.  Stobbe,
deutsches  Privatrecht  B.  2  S.  632;  Roth,  Bayer,
Civilrecht  B.  2  S.  492)  erachtete.  Nur  das  gesetzliche
  Pfandrecht  des  Vermiethers  und  das  Faustpfand
  stehen  einander  (§.  41  der  Konk.-Ordn.  vom
10.  Februar  1877)  gleich.  Der  Angeklagte  gab
Sopha,  Stühle  und  Kasten  nicht  zum  Faustpfande
für  die  frühere  Miethschuld,  und  für  diese  stand  dem
Vermiether  ouch  kein  gesetzliches  Zurückbchaltungerecht
  in  der  neuen  Miethwohnung  mehr  zu.  S.  III
122/81.  Urth.  v.  26.  Febr.  1881.  (St  GB.  S.  289.)

Das  Strafgesetzbuch  bedroht  die  Bestechung
eines  Beamten,  um  ihn  zu  einer  Handlung,  die  eine
Verletzung  einer  Amts=  oder  Dienstpflicht
enthält,  zu  bestimmen,  mit  Strafe,  enthält  aber
keine  derartige  Strafbestimmung  gegen  den,  welcher
einem  Beamten  für  eine  in  sein  Amt  einschlagende,  an
sich  nicht  pflichtwldrige,  Handlung  ein  Geschenk
gibt  in  welchem  letzteren  Falle  nur  der  dieses  Geschenk
annehmende  Beamte  straffällig  erscheint.  Daraus  ergibt
  sich,  daß  das  Geben  eines  Geschenkes  für  eine  an  sich
nicht  pflichtwidrige  Amtshandlung,  wenn  es  überhaupt
nicht  strafbar  sein  soll,  auch  nicht  als  strafbare  Theil-