J. Der erste Versuch in der europäischen Politit. 141
nationalen polnischen Eifers brannte schnell nieder, und auch
für Preußen war nichts zu fürchten, obgleich der Hader mit
den Ständen fortdauerte. Nach des Kurfürsten Rückkehr wurden
die Verhandlungen mit Vanbrun in Berlin weitergeführt, vielfach
verzögert nicht bloß durch des Kurfürsten häufige Jagdausflüge
und die längere Abwesenheit Schwerins, der mit von
Zena dafür deputiert war, sondern anch durch höfische Intrignen.
Es machte sich nämlich in des Kurfürsten Umgebung eine starke
Strömung gegen die französische Allianz geltend, neben dem
Fürsten von Anhalt vertreten namentlich durch Gerhard Bernhard
von Pöllnitz, den Oberstallmeister, Oberst der Leibgarde und
Gouverneur von Berlin, dessen Einfluß seine Ehe mit der
Gräfin Eleonore von Nassau, einer Verwandten der Kurfürstin
Lnise, stärkte. Damals entstanden am Hof die Parteiungen,
die, immer mehr verbittert, schließlich selbst den Frieden des
kurfürstlichen Hauses untergraben, dem alternden Kurfürsten
das Leben verleiden und die Verfolgung einer konsequenten
Politik erschweren und auf die Geschicke seines Staates wiederholt
verderblich einwirken sollten. Von seinen Räten waren
von Schwerin und Meinders Anhänger der französischen Allianz;,
in der nach ihrer Ueberzeugung Brandenburg allein Sicherheit
finden konnte, so daß es bei ihnen der Verheißung von „effektiven
Beweisen der königlichen Zufriedenheit“ nicht bedurft
hätte, durch die Vanbrun sie zu gewinnen suchte, indem er
ihnen für den Abschluß des Vertrages nicht bloß Gratifikationen
von etlichen tausend Thalern, sondern auch reichliche Pensionen
für die auf zehn Jahre berechnete Dauer desselben verhieß —
ein Verfahren, das dem Brauche der Zeit entsprach und offen
geübt wurde, ohne daß man besonderes Aergernis daran nahm.
Nun steigerte aber auch die Tripelallianz ihr Angebot, indem
sie dem Kurfürsten Befriedigung seiner Ansprüche an die
Niederlande und Hilfogelder und Schutz gegen jeden Angriff
verhieß. Namentlich der kaiserliche Gesandte de Goes zeigte
sich äußerst beflissen, warb um eine persönliche Begegnung
Friedrich Wilhelms mit dem Kaiser, stellte dem Kurprinzen die
Hand der Schwester Leopolds in Auosicht und bot als Entschädigung
für Jägerndorf die Ballei Nersdorf im Cleveschen. So