378 Mittheilungen des OG#L. München.
„Zahntechniker“ den Titel „Docktor“ anreihte, die
Beilegung einer Bezeichnung erblickte, welche nach
ihrem Inhalte einen der Bezeichnung „urzt“ ähnlichen
Titel darstelle.
Im vorliegenden Falle hat nun die Strafkammer
in der von ihr festgestellten Thatsoche, daß
der Angeklagte, welcher zwar die Approbation als
Bader, nicht aber auch als Zahnarzt erlangt hatte,
sich öffentlich als Zahntechniker mit dem Beifügen
angekündigt hat, von Berlin zurückgekehrt habe er
seine Praxis eröffnet, er besorge Einsetzen künstlicher
Zähne und Gebisse, ebenso Plombiren, Zähnereinigen
und schmerzloses Zahnziehen mit Lachgas, eine Zuwiderhandlung
nach §S. 147 Abs. 1 Nr. 3 der Reichsgewerbeordnung
um deswillen nicht erblickt, weil der
Titel „Zahntechniker“, welchen sich der Angeklagte
beigelegt habe, an sich kein der Bezeichnung „Zahnarzt“
ähnlicher Titel sei, und deshalb eine Strafbarkeit
auch nicht dadurch begründet werde, daß er
zugleich angekündigt habe, welche Operationen er
vornehmen und in welcher Weise dies geschehen
werde. Allein diese Ansicht ist eine irrige. Denn
es handelt sich nicht darum, daß der Angeklagte die
Vornahme von Operationen, zu denen er als approbirter
Bader nicht befugt ist, angekündigt hat, sondern
um die Frage, ob in dieser Ankündigung in Verbindung
mit der Bezeichnung „Zahntechniker“ nicht
die Beilegung eines den Titel „Zahnarzt“ gleichkommenden
Titel liegt, durch welchen der Glaube
erweckt wird, der Angeklagte sel eine geprüfte Medicinalperson.
Von diesem Gesichtspunkte aus hätte
die Strafkammer die von ihr festgestellte Ankündigung
des Angeklagten prüfen sollen. Dies ist aber nicht
geschehen. Urtheil vom 28. Juli 1883.
g. 33 mit Art. 9 des boyerischen Gewerbegesetzes
vom 30. Januar 1868. ·
Lagerkeller, auf denen den Bräuern der