Volltext : Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Dreiunddreißigster Jahrgang. 1917. Zweiter Teil. (58b)

242  Spauien.  (Juli  5.—21.)

38  Abg.)  unter  dem  Vorsitz  des  rechtsstehenden  Senators  Abadal  zusammen.
  Sie  fassen  folgende  Beschlüsse:  1.  Die  Regierung  um  die  sofortige
Einberufung  der  Cortes  zu  ersuchen,  damit  diese  in  ihrer  Eigenschaft  als
verfassunggebende  Körperschaften  über  die  Organisation  des  Staatswesens
und  die  Autonomie  der  Munizipien  beraten  und  beschließen  und  die  Militärfrage
  sowie  alle  andern  Probleme,  die  durch  die  gegenwärtige  Lage  für
das  wirtschaftliche  Leben  Spaniens  geschaffen  worden  sind  und  die  nicht
aufgeschoben  werden  dürfen,  sofort  lösen  können;  2.  diesen  Beschluß  der
Regierung  mitzuteilen  und  im  Falle,  daß  diese  die  Cortes  nicht  sogleich
einberufe,  alle  span.  Senatoren  und  Abg.  zu  einer  außerordentlichen  Versammlung
  einzuladen,  in  der  über  die  im  vorstehenden  Beschluß  dargelegten
Punkte  beraten  werden  und  deren  erste  Sitzung  gegebenenfalls  in  Barcelona
am  19.  d.  Mts.  stattfinden  soll.  Die  Regierung  erklärt  (am  8.)  in  ihrer
Antwort  auf  diese  Beschlüsse,  daß  sie  die  Kammern  einberufen  werde.
wenn  es  äußere  oder  innere  Umstände  erheischen  würden.  Sie  weise
die  Unterstützung  der  verschiedenen  parlamentarischen  Fraktionen  nicht  zurück,
  könne  aber  auf  keine  Weise  zulassen,  daß  sich  Personen  ohne  einen
verfassungsmäßigen  Auftrag  an  Stelle  der  Regierung  sexzten  bei  Ausübung
der  Obliegenheiten,  die  sich  diese  für  den  ihr  geeignet  erscheinenden  Augenblick
  vollkommen  vorbehalte.  Die  Zusammenberufung  des  Parlaments  nach
Barcelona  am  19.  Juli  verstoße  gegen  die  verfassungsmäßige  Gewalt  des
Königs,  die  Kammern  einzuberufen.  Die  Regierung  vertraue  daher,  daß
die  Anreger  der  Einberufung  einen  derartigen  Versuch  nicht  erneuern  werden.
Sollte  sich  diese  Hoffnung  nicht  verwirklichen,  so  würde  die  Regierung  ihre
Pflicht  mit  Festigkeit  erfüllen.  Die  katal.  Abg.  richten  daraufhin  an  den
Ministerpräsidenten  Dato  eine  Botschaft,  in  der  sie  gegen  die  amtliche  Anwortnote
  auf  die  von  den  katal.  Parlamentariern  aufgestellten  Forderungen
Stellung  nehmen  Sie  wenden  sich  darin  an  die  öffentliche  Meinung  Spaniens
und  verlangen  die  Aufrechterhaltung  der  verfassungsmäßigen  Bürgschaften.

Ministerpräsident  Dato  antwortet,  es  sei  unmöglich  gewesen,  die  Zusammenkunft
  der  Katalanen  zu  bewilligen.  Die  Ordnung  müsse  gewahrt
werden.  Er  wende  sich  an  das  vaterländische  Gefühl  der  Katalanen,  um  sie
von  ihren  gegenwärtigen  unerfüllbaren  Plänen  abzubringen.

Trotzdem  tritt  am  19.  in  Barcelona  die  geplante  Versammlung,  zu
der  alle  Senatoren  und  Abg.  Spaniens  geladen  waren,  zusammen.  DToch
erweist  sich  diese  Veranstaltung  als  ein  Fehlschlag,  da  sich  nur  13  Senatoren
und  55  Abg.,  kaum  ein  Sechstel  der  Mitglieder  der  Cortes,  einfinden.
Außer  den  Regionalisten  sind  lediglich  die  radikalen  Gruppen  vertreten.
Die  Kons.  und  Lib.  halten  sich  fern.  Die  Versammlung  selbst  wird  durch
die  Polizei  aufgelöst.  In  der  Stadt  kommt  es  zu  verschiedenen  Ruhestörungen,
doch  wird  die  öffentliche  Ordnung  rasch  wiederhergestellt.  (S.  auch  30.  Okt.)7

5.  Juli.  Umbildung  des  Militärkabinetts.

Der  König  unterzeichnet  ein  Dekret,  das  seinem  Militärkabinett
eine  neue  Grundlage  gibt.  Die  zwölf  Offiziere,  die  das  Militärkabinett
bilden  und  bisher  ihren  Posten  unbegrenzte  Zeit  innehatten,  sollen  künftig
alle  vier  Jahre  wechseln.  An  Stelle  des  Generals  Azaar  wird  Gencral
Huertas  zum  Chef  des  Militärkabinctts  ernannt.

20.  Juli.  Der  Ministerrat  genehmigt  einen  Kredit  von  442500  Pes.
um  die  Kosten  der  diplomat.  Vertretung  der  Interessen  der  Kriegführenden
  zu  decken.

Al.  Juli.  Versenkung  von  Schiffen  in  span.  Gewässern.