174 Zweites Buch. Die Zeit der Anläufe, Enttäuschungen und Irrungen.
nur für den Fall, daß ein bestimmtes, von dem Geber ge—
wolltes Resultat erreicht werde, oder derartige Zuwendungen
gar erfolgen, noch während das Geschäft im Gange ist, mit
der Absicht und zu dem Zwecke, jenes Resultat trotz der ent—
gegenstehenden Hindernisse zu erreichen: da liegt Bestechung
und Käuflichkeit vor, mag der so Gewonnene durch die ge—
währten Vorteile gegen seine Ueberzeugung zu handeln oder
diese nur noch energischer zu vertreten bestimmt werden. Daß
man an diesem Brauche nur ausnahmsweise etwas Anstößiges
fand, bewies die naive Offenheit, mit der er geübt wurde: auch
nahm wohl mancher Beamte das fremde Geld, ohne die ge—
wünschten Dienste zu leisten, also ohne sich seiner Pflicht ab—
wendig machen zu lassen. Schwartzenberg hatte einst vom kaiser—
lichen Hof ganz öffentlich 20 000 Thaler angenommen, ohne für
bestochen zu gelten, und noch hundert Jahre später hat von Grumb—
kow, der einflußreichste von den Beratern Friedrich Wilhelms J.,
mit Wissen seines Königs vom Wiener Hof eine reich bemessene
Pension bezogen. Da wird man es den Ministern des Großen
Kurfürsten nicht allzuschwer anrechuen dürfen, wenn sie nicht
über der Beamtensitte ihrer Zeit standen, sondern die ihnen
von fremden Fürsten gebotenen Vorteile ohne Skrupeln benutzten.
Nur des einen Schwerin unbeirrbare Rechtlichkeit
verwirklichte, der Zeit voraneilend, schon damals das Ideal
unbestechlicher Beamtentreue (S. 166). Andererseits aber hat
auch nicht Ludwig XIV. allein durch Beamtenbestechung und
selbst Fürstenkauf das Geld zu einer politischen Macht erhoben:
so weit ihre Mittel reichten, haben auch andere Höfe ihre Znteressen
so zu fördern gesucht, und bei diesem Wettstreit der
Parteien empfing mancher Staatsmann gleichzeitig von entgegengesetzten
Seiten Geld und wußte wohl gar nicht bloß
zwei, sondern drei Herren zu dienen.
Auch von den Mitarbeitern des Großen Kurfürsten haben
gerade einige der bedentendsten und verdientesten darin ihrer
Zeit ihren Tribut entrichtet. So menig man das tragisch
nehmen soll, so entschieden ist doch mit der legendaren Vorstellung
zu brechen, auch auf diesem Gebiete sei das zu so
großen Dingen berufene Preußentum von Anfang an höher