484 ll. TRENDELENBURG, Die Akademie unter Frieprich WırLseLs IV.
ihm auf A. von Humboldt’s Anregung zuerst einen Aufenthalt in Italien möglich
machte, und ihn dann nach Berlin berief. Dirichlet, seinem Freunde ebenbürtig,
hat im Jahre 1852 in der Gedächtnifsrede auf Jacobi dem umfassenden, selbst im
Historischen seiner Wissenschaft heimischen Geiste ein Denkmal gesetzt!; und nur
zu früh kam der Augenblick, dafs diese akademische Pflicht eines dankbaren Andenkens
an ihm selbst von Herrn Kummer erfüllt wurde?. Kaum vier oder fünf
Monate — es war im Jahre 1852 — gehörte Eisenstein der Akademie an, ein
jugendliches Talent, deın nach seinen erfolgreichen Arbeiten Gaufs die schönste
Zukunft prophezeiet hatte. Mit Herrn Kummer, der vorzugsweise an den am
meisten theoretischen unter den mathematischen Disciplinen, der Analysis und der
Zahlentheorie, arbeitet?, und mit Herrn Borchardt, der sich vorzüglich in den
analytischen Forschungen bewegt, so weit sie in ihren letzten Gründen auf rein
algebraischen Prineipien berulien®, ist Herr Weierstrafs eng verbunden, den die
von ihm verfafste durch ihre Ergebnisse überraschende Abhandlung zur Theorie der
Abelschen Functionen von dem Gymnasium zu Braunsberg nach Berlin und 1856
in die Akademie führte.
In den Tiefen, in welchen sich die reine Mathematik bewegt, schauet unser
gewöhnliches Auge nur Nacht, aber das geschärfte mathematische unterscheidet darin
Gesetze. Aber aus diesen Tiefen stammt das Licht, das in strenger Frkenntnils
die Erscheinungen der Natur erhellt.
Es mögen uns zu ihr die Worte des Herrn Weierstrals überleiten. »Nur auf
rein speculativem Wege«, sagt er, »hatten griechische Mathematiker die Eigenschaften
der Kegelschnitte ergründet, lauge bevor irgend wer ahndete, dafs sie die Bahnen
seien, in welchen die Planeten wandeln, und allerdings ist Hoffnung da, es werde
noch mehr Functionen geben mit Eigenschaften, wie sie Jacobi an seiner ®- Function
rühmt, die lehrt, in wie viel Quadrate sich jede Zahl zerlegen läfst, wie man den
Bogen einer Ellipse am besten rectificirt, und dennoch, setzt er hinzu, im Stande
ist, und zwar sie allein, das wahre Gesetz darzustellen, nach welchem der Pendel
schwingt ®«.
Für angewandte Mathematik war um die Zeit des Jahres 1840 Crelle in
Eytelwein’s Fulstapfen getreten. Herr Hagen schlols sich im Jahre 1842 besonders
für hydrostatische und hydrodynamische Untersuchungen der Akadeniie an.
ldeler, der in seiner Chronologie der alten Völker mit Hülfe der Astronomie in
die Zeitbestimmungen der Geschichte Licht gebracht hatte, war Veteran. Herr
Encke war seit 1825 für Astronomie thätig.
Von der hiesigen Sternwarte geht nach wie vor das astronomische Jahrbuch
aus, für die Beobachtungen auf den Sternwarten und die Schiffahrt auf dein Ocean
gleich wichtig. Das Unternehmen von Sternkarten®, im Jahre 1825 von Bessel
angeregt, beschäftigte die Akademie 34 Jahre hindurch; aber ehe es noch heendigt
war, übertraf sein Erfolg die Erwartung. Herr Encke, der der bleibende Mittelpunkt
der Arbeiten war, hat berichtet, wie es nur durch Zusammenwirken von
einer Anzahl Astronomen möglich wurde. Es war der Zweck der Sternkarten,
einmal zu zeigen, welche Sterne noch zu bestimmen seien, und sodann auf dem
Grunde des in den Sternkarten dargestellten ruhenden Bildes die Möglichkeit zu
geben, dafs sich unter den festen Sternen die beweglichen — Kometen oder P!a-Denkschriften
der Akademie der Wissenschaften. Aus dem Jahre 1852. S.1.
Denkschriften. Aus dem Jahre 1860.
Vgl. Monatsbericht 1856. S.378.
Vgl. Monatsbericht 1856. 8.379. 380.
Antrittsrede. Monatsbericht 1857. S. 348 ff.
Monatsbericht 1855. S.592 fl.
an »>$ GB nn -