Full text : Spittler’s sämmtliche Werke. Fünfter Band. (5)

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Wo  aber  des  Wallersteiners  Soldaten  hinkamen,  fraßen
sie  alles  auf  wie  die  Heuschrecken.  Jeden  Monat  kostete
dies  räuberische  Volk  hundert  und  zwanzigtausend  Gulden  7),
und  die  Summe,  stieg.  endlich  auf  hundert  und  sechzigtausend,
da  immer  neue  Compagnien  ankamen,  und  Albrecht  von
Waldstein  seiner  Leibgarde,  die  auch  hier  im  Qüartier  lag,
gut  gepflegt  wissen  wollte.:  Die  Landstände  hatten  voch  vor
kurzem  ofrso  kümmerlichgerthan,  wenn  sie:  dem  Herzog:ein
hunderttausend  Gulden  vorwilligen  sollten)  nun  war  dem  armen
  erschöpften.  Lande  eine  Last  aufgebürdet,  die  jährlich
auf  zwei  Millionen  stich,  deren  gedultige  Uebernehmung  einen
  langsamen  Tod  nach  sich  zog,  und  die  Folgen  einer
entschlossenen  Widersetzlichkeit  konnte  man  im  Vorbild  der
Meckleuburgischen  Geschichte  sehen.  Religionsfreiheit
und  politische  Freiheit  schien  verloren.  Was  ist  noch  sicher,
und  was  ist  noch  heilig;  wenn  in  cinem  Strich  Landes,
der  bisher  eine  halbe  Million  guter  friedliebender  Menschen
nährte,  sechs  bis  achttausend  Mann  privilegirter  Räuber  sich
ausbreiten,  welche  längst  an  alle  Ausschweifungen  gewöhnt
oft  mit  recht  viehischer  Brunsi  Weiber  und.  Mädchen  entehrten,
  und  das  Brod  des  verfluchten  Ketzers=  nur  desio  begieriger
  fraßen,  weil  es  Ketzerbrod  war.

Es  eist  unglaublich,  was  ein  solches  kleines  Land  ausstehen
  kann.  Noch  eh'  dieser  Schwarm  von  Räubern  eingebrochen,
  war  Hunger  und  Theurung  im  Lande  gewesen,  und
fast  noch  mehr  als  diese  hatte  die  Münzverwirrung  geschader,
  die  nicht  ganz  ohne  eigene  Schuld  des  Herzogs  entsianden
  war.  Der  Reichsthaler  gut  Geld  war  im  Cours  bis
auf  sieben  Gulden  gestiegen,  und  bei  der  ausspähenden  Ge-*)

  Forstners  Briefe  in  Lebrets  Magazin,  III.  Th.  S.  623.  vergl.
it  attler  VII.  Th.  S.  23.