Metadata : Geschichte des Preußischen Verwaltungsrechts. 2. Band. (2)

22  Kämmerer.  Okonomieinspektor.  Bauinspektor.

Während  so  das  Finanzrecht  der  Städte  die  durchgreifendsten  Umgestaltungen
  erfuhr,  blieb  das  Beamtenpersonal  für  die  Finanzverwaltung  ziemlich
unverändert.  Städtischer  Kassenbeamter  war  der  Kämmerer  oder,  wie  er  in
den  westlichen  Provinzen  genannt  wurde,  der  Rentmeister.  Derselbe  bezog
ein  bares  Gehalt  von  150—400  Thlr.  und  hatte  eine  Kaution  je  nach  der
Höhe  der  städtischen  Einnahmen  zu  leisten.  Nach  den  für  Kassenbeamte  unter
  Friedrich  Wilhelm  I.  allgemein  geltenden  Grundsätzen  war  er  von  der
Zahlung  der  Chargensteuer  befreit.  Die  Wahl  des  Kämmerers  erfolgte  durch
den  Rat,  wogegen  diejenigen,  die  ihn  gewählt  hatten,  subsidiär  für  ihn  hafteten.!)
  In  den  größeren  Städten  stand  neben  dem  Kämmerer  noch  ein
zweiter  Kämmerer  oder  Kämmereikontrolleur,  der  alle  Einnahmen  und  Ausgaben
nachzurechnen  hatte  und  zu  der  nach  alter  Sitte  mit  zwei  Schlössern  versehenen
Kämmereikasse  den  einen  Schlüssel  führte.

Mit  der  Beaufsichtigung  der  städtischen  Domänen  und  Forsten  war  ein  Magistratsmitglied
  ständig  beauftragt,  das  den  Titel  Okonomieinspektor  führte,  und
dessen  Funktionen  ungefähr  denen  des  früheren  Amtsrats  in  der  staatlichen
Verwaltung  entsprechen.  Mit  der  Einnahme  von  Geldern  war  er  nicht  befaßt.

Wie  bei  der  Polizeiverwaltung,  so  wurde  auch  innerhalb  der  städtischen
Finanzverwaltung  noch  ein  besonderes  dem  Rate  untergeordnetes  staatliches
Organ  geschaffen  in  den  Bauinspektoren.  Das  städtische  Bauwesen  hatte  bisher
  besonders  im  Argen  gelegen,  gerade  hier  war  die  meiste  Gelegenheit  gegeben,
  durch  Aufführung  unnützer  und  kostspieliger  Bauten  gute  Freunde  aus
den  Zünften  in  Nahrung  zu  setzen,  und  sie  über  Gebühr  zu  bezahlen.  Die
rathäuslichen  Reglements  hatten  sich,  um  dies  zu  verhüten,  mit  der  Anordnung
  begnügt,  daß,  wenn  ein  Bau  auf  Kosten  der  Stadt  erforderlich
scheine,  Abgeordnete  des  Magistrats  eine  Besichtigung  an  Ort  und  Stelle,
nötigenfalls  unter  Zuziehung  von  Sachverständigen  vornehmen  und  dem  Magistrate
  Bericht  erstatten  sollten.  Der  Bau  sollte  dann  nur  auf  Beschluß  des
Magistrats  unternommen  werden,  und  die  Auszahlung  an  die  Arbeiter  erst
dann  erfolgen,  wenn  er  sich  die  Überzeugung  verschafft,  daß  die  zu  bezahlende
Arbeit  auch  wirklich  geleistet  sei.  Außerdem  war  durch  ein  kgl.  Patent  vom
27.  7.  17152)  allgemein  angeordnet  worden,  daß  kein  Bau  aus  Kämmereimitteln
  ohne  Vorwissen  des  Steuerrats  erfolgen  solle,  der  bei  Bauten,  welche
über  zehn  Thaler  kosteten,  an  das  Kommissariat  zu  berichten  hatte.

Aber  diese  Maßregeln  waren  zumal  bei  der  kurzen  Anwesenheit  des
Steuerrats  in  jeder  Stadt  nicht  ausreichend.  Der  König  bestellte  daher  1720

1)  Ouickmann,  S.  184  v.  22.  6.  1728.
2)  Die  Instruktion  vom  26.  9.  1720  s.  bei  Quickmann  S.  125.