8 I. Die Gründung des Norddeutschen Bundes u. des Deutschen Reiches.
Entwurf der Verfassung mit 230 Stimmen gegen 53 Stimmen
an, nachdem vorher schon mit den Regierungen ein Einverständnis
über die Änderungen des Verfassungsentwurfes erzielt
worden war. An demselben Tage erklärten die Gesandten
sämtlicher Staaten im Namen ihrer Regierungen den Verfassungsentwurf,
wie er aus der Schlußberatung des Reichstags
hervorgegangen sei, anzunehmen.
4. So hatten die Staatsregierungen sich mit dem Reichstag
über eine Verfassung des zu gründenden Norddeutschen
Bundes vereinbart. Durch die Erklärung vom 16. April hatten
sie sich verpflichtet, den Bund mit der vereinbarten Verfassung
zu errichten. Ehe dies jedoch geschehen konnte, bedurften die
Regierungen der Zustimmung der Landtage, soweit diese nicht
im voraus erteilt worden war. Zu diesem Zwecke mußte der
Verfassungsentwurf den Landtagen von 18 Staaten und den
Bürgerschaften von Bremen und Hamburg vorgelegt werden.
Aber kein Landtag wagte es und hätte es wagen können, seine
Zustimmung zu verweigern. Die Voraussage des großen
Staatsmannes, der die Geschicke Deutschlands leitete, daß kein
Landtag der großen nationalen Bewegung, die das deutsche
Volk ergriffen habe, sich entgegenstemmen könne, hatte sich bewahrheitet.
Alle Landtage sowie die Bürgerschaften der beiden
Hansestädte erteilten ihre Zustimmung. Daraufhin wurde in
jedem Staate die Bundesverfassung publiziert mit der Bestimmung,
daß sie am 1. Juli 1867 in Kraft trete. In
diesen Publikationspatenten gab jeder Staat die verfassungsmäßige
Erklärung, daß das im Bündnisvertrage vom 18. August
1866 vorgesehene Bundesverhältnis begründet sei und am
1. Juli in Wirksamkeit trete. Damit war der Augustvertrag
erfüllt und demgemäß erloschen.
Der 1. Juli 1867 ist der Geburtstag des Norddeutschen
Bundes, an diesem Tage trat er in das Leben, indem die
Normen der Bundesverfassung im ganzen Bundesgebiet rechtliche
Wirksamkeit erhielten und indem der König von Preußen
der Verfassung gemäß das Bundespräsidium übernahm.
Bei oberflächlicher Betrachtung konnte der Schein entstehen,
als sei durch die Gründung des Norddeutschen Bundes nicht
die Einheit, sondern die Zersplitterung Deutschlands besiegelt
worden. Und oft genug ist damals nicht nur im Auslande,
sondern auch in Süddeutschland diese Ansicht ausgesprochen