244 Klageantrag in Alimentenprozessen.
Recht § 315). Aus dem Umstande, daß in Art. 39 des Bayr. Ausführungsgesetzes
zun BGB. die Kosten der ärztlichen Behandlung und der Heilmittel
als nicht zum gesammten Lebensbedarfe gehörig bezeichnet sind, kann
für eine gegentheilige Auffassung nichts gefolgert werden. Im Justizgesetzgebungsausschusse
war man sich allseits darüber klar, daß der § 1610
BGB. auch Krankheitskosten mit umfasse, und wollte man eben speziell für
den Fall des Leibgedings eine einschränkende Ausnahme schaffen.
Der Aufwand für Krankheitskosten ist also bei Berechnung des Unterhalts
mit zu würdigen.
Anlangend die Art der Gewährung der Alimente, so besteht in § 1710
die Vorschrift, daß der Unterhalt stets durch Entrichtung einer
Geldrente zu gewähren ist. Nicht etwa blos der Lebensbedarf des
Kindes, sondern der gesammte Unterhalt, also neben dem Lebensbedarf
einschließlich der Krankheitskosten auch die Kosten der Erziehung und der
Vorbildung zu einem Berufe sind in Form einer Geldrente zu gewähren.
Diese Vorschrift ist zwingend. Wider den Willen des Verpflichteten kann
hievon nicht abgewichen und dieser nicht gezwungen werden, blos einem
Theile seiner Verpflichtungen — Lebensbedarf des Kindes — in Form
einer Geldrente zu erfüllen, den anderen Theil aber — Kosten der Erziehung
und Vorbildung zu einem Berufe — in anderer Form.
Ein solcher Zwang wäre aber auch nicht zweckmäßig. Die Vorschrift des
§5 1710 soll, wie die Motive sagen, dazu dienen, Streitigkeiten über die
gehörige Erfüllung der Unterhaltspflicht zu vermeiden. Diesem Zwecke
würde aber nicht gedient, wenn man die Feststellung der für Lebensbedarf
einer-, Erziehung und Ausbildung andererseits aufzuwendenden Kosten auseinanderreißt,
wenigstens soweit man es von vorneherein mit einem widerspenstigen
Schuldner zu thun hat. Denn ein unehelicher Vater, welcher
zur Anerkennung der Vaterschaft und seiner sonstigen Verpflichtungen erst
im Wege der Klage gezwungen werden muß, wird voraussichtlich, wenn
es sich später um Zahlung von Schul= und Lehrgeld handelt, deren Höhe 2c.
ebenfalls bestreiten, so daß immer wieder neue Prozesse entstünden.
Der mögliche Einwand, daß eine gleichartige Vertheilung der Kosten
für Erziehung und Ausbildung auf die 64 Einzelraten schwierig und wohl
auch unbillig sei, ist hinfällig. Nirgends ist im Gesetze gesagt, daß die
einzelnen Jahres= oder Vierteljahrsraten alle gleich groß sein müßten.
Man berechnet eben für die drei in Betracht kommenden Lebensphasen des
Kindes — Vorschulzeit, Schulzeit, Lehrzeit — die voraussichtlich zur Aufwendung
kommenden bezw. nöthigen Auslagen und setzt dementsprechend
die Rente fest, also z. B. für des 1. mit 6. Lebensjahr vierteljährlich
60 Mk., für das 7. mit 13. Lebensjahr vierteljährlich 80 Mk., für das
14. mit 16. Lebensjahr vierteljährlich 100 Mk.