Contents : Das öffentliche Recht der Gegenwart. Band 2. Das Staatsrecht des Königreichs Württemberg. (2)

Die  Rechte  des  Königs  als  Staatsoberhaupt.  87

 

mächtigung  durch  das  Staatsoberhaupt  zurückzuführen  ist.  Bezüglich  der  Verordnungen,
welche  der  König  selbst  erläßt,  gilt,  was  die  Anhörung  des  Staatsministeriums,  Sanktion
  und  Verkündigung  betrifft,  ganz  dasselbe,  wie  bei  den  Gesetzen,  nur  fehlt
im  Eingang  die  Bezugnahme  auf  die  erfolgte  Zustimmung  der  Stände  1).

III.  Das  Recht  der  obersten  Leitung  und  Aufsicht  über  die  gesamte  Staatsverwaltung.
  Hierunter  ist  begriffen:

a)  Das  Recht  der  Organisation  der  Aemter;  s.  9  53  Nr.  3.

b)  Das  Recht  der  Uebertragung  der  Staatsämter.  Diese  erfolgt
durch  Entschließung  des  Königs,  mit  Ausnahme  einzelner  niederen  Dienststellen,
deren  Besetzung  den  vorgesetzten  Behörden  überlassen  ist.  Der  König  ist  jedoch  hierbei
an  die  Bestimmungen  der  §  43  und  44  V.  U.  gebunden.  Nach  F  44  setzt  nämlich
jede  Anstellung  die  erfolgreiche  Erstehung  der  gesetzmäßigen  Prüfung
seitens  des  Bewerbers  voraus;  nach  §  43  aber  erfolgt  die  Ernennung  —  die  Kollegialvorstände
  ausgenommen  —  auf  Vorschläge  der  vorgesetzten  Kollegien,
  wobei  jedesmal  alle  Bewerber  aufzuzählen  sind.  Der  König  ist  übrigens  an
die  Vorschläge  nicht  gebunden.  Mit  Rücksicht  auf  diese  Vorschrift  werden  alle  Stellen
von  der  vierten  Rangstufe  abwärts  öffentlich  zur  Bewerbung  ausgeschrieben  2).  Die
Vorschläge  werden  von  dem  verantwortlichen  Ressortminister  mit  seinem  Antrag  an
den  König  gebracht  3).  Auf  die  Mitglieder  des  Geheimen  Rats,  also  auch  auf  die
Minister,  finden  die  88  43  und  44  V.  U.  keine  Anwendung;  diese  werden  vielmehr
ganz  nach  eigener  freier  Entschließung  des  Königs  berufen  (V.  U.  §  57)  ).
Bezüglich  der  von  der  Ständekammer  gewählten  Beamten  steht  dem  Könige  das
Recht  der  Bestätigung  zu  5).

c)  Das  Recht  der  formellen  Oberaufsicht  über  alle  Behörden,  auch
über  die  mit  der  Ausübung  des  Richteramts  betrauten.  Die  Aufsicht  wird  ausgeübt
durch  periodische  Berichte  und  Geschäftsübersichten  sowie  durch  Einforderung  von
Berichten  in  einzelnen  Fällen.  Dieselbe  gewährt  zugleich  das  Recht,  über  die  formelle
Geschäftsbehandlung  der  Behörden,  soweit  solche  nicht  —  wie  z.  B.  durch  die  Prozeßordnungen
  für  die  Gerichte  —  gesetzlich  geregelt  ist,  Reglements,  Instruktionen  usw.
selbst  zu  erlassen,  oder  die  Erlassung  derselben  dem  Ressortminister  zu  übertragen.

d)  Das  Recht  der  obersten  Leitung  der  gesamten  Staatsverwaltung,,
  jedoch  mit  den  bezüglich  der  Tätigkeit  der  Gerichte  bestehenden  Aus-——...

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1)  S.  im  übrigen  §&  55.  J

2)  S.  auch  Mohl  II  S.  96,  Sarwey  II  65;  vorgeschrieben  ist  allerdings  ein  solches  Ausschreiben
  nicht,  da  eine  Bewerbung  bei  der  vorgesetzten  Behörde  auch  ohne  Ausschreiben  denkbar
ist;  vgl.  Bericht  der  staatsrechtl.  Kommission  der  K.  d.  Abg.  vom  Novbr.  1904  ((Beil.  362).  Anerkannt
  ist,  daß  nicht  nur  bei  den  Stellen  der  Kollegialvorstände,  sondern  auch  bei  allen  einem  Kollegium
  nicht  unterstellten  Stellen,  insbesondere  bei  den  an  einer  Hochschule  oder  in  einem  Ministerium
  erledigten  Stellen  ein  öffentliches  Ausschreiben  unterlassen  werden  kann;  bei  allen  anderen
etatsmäßigen  Stellen  bildet  das  öffentliche  Ausschreiben  eine  regelmäßig  zur  Anwendung  kommende
Verwaltungsmaxime,  die  Kammer  der  Abgeordneten  ist  in  ihrer  Sitzung  vom  3.  Mai  1905  davon
ausgegangen,  daß  die  Regierung  zur  Einhaltung  dieser  Maxime  verpflichtet  sei  (Prot.  S.  1791  ff).

3)  Eine  gesetzliche  Vorschrift,  daß  der  Besetzung  der  höheren  Stellen,  insbesondere  der  vier
oberen  Rangklassen,  eine  Beratung  durch  das  Staatsministerium  voranzugehen  habe,  besteht  nicht.
Verantwortlich  für  die  Anstellungen  in  seinem  Departement  ist  nur  der  Ressortminister.

4)  Mohl  II  S.  97.

5)  Ueber  die  Ernennung  der  Mitglieder  des  Staatsgerichtshofes  s.  4  35.  Die  Ernennung
des  Höchstkommandierenden  des  württ.  Armeekorps  erfolgt  nach  vorgängiger  Zustimmung  des
Kaisers  (Mil.  Konv.  vom  21./25.  Nov.  1870  Art.  5).

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