Full text : Kronprinz Wilhelm. Meine Erinnerungen aus Deutschlands Heldenkampf.

lorenen  Posten  geworden  waren.  Sicherlich,  wir  standen  tapferen,  opferwilligen
  Feinden  gegenüber.  —

Durch  all  diese  Kämpfe  um  die  in  schwerem  Lehmboden  vom  Regenwetter
  stark  beschädigten  Stellungen  wurden  die  RKräfte  der  eingesetzten
Dioistonen  erheblich  in  Anspruch  genommen.  Auch  auf  dem  Westufer
traten  daher  neue  Ablösungssorgen  auf.  Die  192.  Infanterie-Brigade  und
II.  baper.  J.  D.  sollten  zuerst,  dann  auch  die  II.  und  I2.  R.  D.  nachelnander
  herauegezogen  werden.  Auch  die  wegen  Offiziermangels  in  ihrer
Widerstandekraft  geschwächte  22.  R.  D.  bedurfte  dringend  der  Auffrischung.
vorderhand  waren  wir  indessen  gar  nicht  in  der  age,  Ablösungen  vorzunehmen.


Inzwischen  versuchte  das  VI.  R.  R.  mit  der  43.  R.  D.  unter  General
v.  Runckel  am  22.  April  nach  dreistündigem  Wirkungsschießen  einen  anfangs
  gut  vorwärtsgebenden  Angriff.  Aber  das  Sturmreifmachen  war
mangels  genügender  Beobachtungemöglichkeiten  nur  teilweise  geglückt.
Außerdem  machte  der  aufgeweichte  Lehmboden  der  Infanterte  das  Vorwärtskommen
  und  dann  das  Winrichten  genommener  Stellungsteile  fast
unmöglich.  Noch  planvollere  Vorbereitungen  unter  Berücksichtigung  der
Wetterlage  und  Bodenverhältnisse  waren  also  dringend  geboten.  General
v.  Gallwitz  stellte  die  antraneportierte  4.  J.  D.  dem  XXII.  R.  R.  zur  Ver—
fügung  und  übertrug  diesem  Generalkommando  am  24.  April  die  Vorberettung
  des  Angriffs  gegen  den  nordöstlichen  Ropf  der  Söhe  304.  Die
Unternehmung  sollte  so  von  Vorden  nach  Süden  durchgeführt  werden,
daß  die  flankierende  Einwirkung  der  feindlichen  Artillerie  aus  südwestlicher
  und  südöstlicher  Richtung  möglichst  ausgeschaltet  wurde.  Zur  einheitlichen
  Befehlsführung  wurde  auch  der  Abschnitt  der  I2.  R.  D.  vom
XXII.  R.  R.  mit  übernommen.  Diese  Division  wurde  ebenso  wie  die
II.  R.  D.  allmählich  herausgelöst  und  in  die  Gegend  von  Diedenhofen  in
Ruhe  gebracht.  Ehe  wir  dann  aber  zu  eigenem  Vorstoß  kamen,  setzte  der
Feind  seinerseits  am  29.  April  abends  gegen  die  Stellungen  des  II.  R.  R.
vom  „Toten  Mann“  bie  nördlich  „Hes  Caurettes“  starke  Infanterte  zum
Angriff  an,  der  anfangs  am  Osthang  des  „Toten  Mann“  einigen  Wrfolg
hatte  und  den  rechten  Regimentsabschnitt  der  44.  R.  D.  zurückwarf.  Die
wichtige  Stellung  mußte  unbedingt  in  unserer  Zand  bleiben  und  wurde
dann  auch  am  nächsten  Morgen  von  Teilen  der  Regimenter  207  und  208
wiedergewonnen.

196