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wohlwollend menschenfreundlich, zu allem Guten geneigt, dabei bescheiden und mit
aufrichtiger Frömmigkeit ergeben in Gott. Nie wies er die Armen zuruͤck, noch
weigerte er sich ihre Klagen zu beachten, sondern lieh Allen willig Gehör. Er
pflegte den Spruch des Paulus im Munde zu führen: Der Fürst ist verpflichtet,
jeglicher Bitte sein Ohr zu leihen und nach Kräften aller seiner Unterthanen Ruhe
und Heil zu fördern, denn er ist der Diener des Herrn, und muß daher die
Guten belohnen so wie auch den Bösen ihre Thaten mit gerechter Strafe vergelten.
Da der Kurfürst dieser Pflicht mit allem Ernste oblag, so gestattete er,
wie es einem starken Charakter gebührt und ein heilsames Regiment verlangt,
auch keinem Andern, in dieses ihm gebührende Recht einzugreifen; denn jede
Selbsthülfe erschien ihm als unvereinbar mit der staatlichen Ordnung. Dies erfuhr
die reiche Stadt Frankfurt schon in den ersten Jahren seiner Regierung,
im Jahre 1504. Kaufleute dieser Stadt waren nach Beeskow auf den Jahrmarkt
gezogen, und dabei auf dem Wege von einigen adligen Herren überfallen,
gemißhandelt und beraubt worden. Kaum hatte der Rath der Stadt davon
Kenntniß bekommen, so wurden Gewaffnete ausgesendet, denen es auch wirklich
gelang, die Thäter einzufangen. Sie wurden vor Gericht gestellt und mußten
mit dem Tode büßen. Da sich die Frankfurter bei dieser Gelegenheit mancher
Rechtsverletzungen hatten zu Schulden kommen lassen, indem sie, ohne Appellation
an den Schöppenstuhl zu Brandenburg zu gestatten, dessen Urtheil in
peinlichen Sachen eingeholt werden sollte, und noch dazu während des heiligen
Pfingstfestes die Hinrichtung vollzogen hatten: so mißbilligte der Kurfürst zwar
im Allgemeinen das Geschehene nicht, bestrafte jedoch die Frankfurter wegen
ihres raschen und unbesonnenen Eingriffs in den Gang des gewöhnlichen Rechtsverfahrens
mit dem Verluste des Halsgerichtes, welches sie erst unter seinem
Nachfolger wieder zurückkauften.
Strenge Uebung der Gerechtigkeit erschien nach allen Seiten hin nothwendig,
denn die Sitten der Märker waren roh, und Ausschweifungen aller
Art kamen sehr häufig vor. Der schon erwähnte Abt Tritheim entwirft folgende
Schilderung von ihnen. „Die Einwohner dieses Landes sind gut, aber zu roh
und ungelehrt; sie lieben Schmausereien und den Trunk mehr als die Wissenschaften.
Selten findet man einen Mann, der die Bücher liebt. Aus Mangel
an Erziehung und Lebensart ziehen sie den Müssiggang und die Becher vor.
Indessen gefällt mir ihre Frömmigkeit und Religion, in der sie eifrig und andächtig
sind. Sie gehen fleißig in die Kirche, feiern die Feste der Heiligen mit
Ehrfurcht; sie halten die Fasten strenge, und find in der Religion um so viel
eifriger, da bekannt ist, daß sie unter allen deutschen Völkern die letzten gewesen
find, die den christlichen Glauben angenommen haben. Die Ausschweifung im
Trinken wird von ihnen nicht als ein Laster gehalten, doch giebt es auch Viele,
die sich dessen enthalten, und die Einzüglinge aus Franken und aus Schwaben
find, wie ich oft bemerke, dem Trunke weit mehr ergeben als die Landes-Bewohner.
— Das Land ist gut und fruchtbar (7), es fehlt aber an fleißigen