Contents : Die Jesuiten und das Deutsche Reich.

alle  staatlichen  Ordnungen  und  Gemeinwesen  allerort  überhaupt,  als
für  ihn  nicht  maßgebend  oder  gar  bindend,  hinwegsetzt,  als  bestünden
diese  für  ihn  nicht,  ist  selbstverständlich.  Derselbe  wird  infolgedessen
z.  B.  den  staatlichen  Gerichtsstand  als  „legitim“  einfach  nicht  anerkennen
  und  schon  aus  diesem  Grunde  demselben  nicht  ernstlich  Rede
und  Antwort  stehen.  Denn,  demonstriert  abermals  Liguori,  einem
nicht  „legitimen“  Richter  ist  man  keine  Rechenschaft  schuldig.  Ihre
Ordensgemeinschaft  ist  eben  für  sie  alles.

Ignatius  selbst  hatte  zwar,  wie  dereinst  Franziskus  und  Dominikus,
  damit  begonnen,  seinem  ganzen  Besitz  zu  entsagen,  um  fortab
von  Almosen  zu  leben,  die  es  ihm  allerdings  ermöglicht  haben,  bis
nach  Jerusalem  zu  pilgern  und  schließlich  an  der  Universität  zu  Paris
sein  theologisches  Studium  zu  absolvieren.  Sobald  er  seinen  Orden
gestiftet  hatte,  hat  auch  er  und  er  erst  recht  darauf  Bedacht  genommen,
demselben  möglichst  große  Reichtümer  zu  sichern.  Daß  diejenigen,
welche  dem  Orden  beitraten,  ihr  Vermögen  demselben  zur  Verfügung
stellen  mußten,  versteht  sich  von  selbst.  Ignatius  ist  indes  frühzeitig
darauf  aus  gewesen,  noch  ganz  andere  Goldquellen  zu  erschließen.
Hierbei  scheint  ihm  sein  Faktotum,  der  bekehrte  Jude  Polanko,  den
er  bis  zu  seinem  Tode  ständig  bei  sich  behalten  hat,  besonders  behilflich
  gewesen  zu  sein.  Schreibt  er  doch  unterm  19.  Mai  1554  an
Lainez:  „Mir  sagte  unser  Vater  (Ignatius),  ich  möchte  Euer  Hochwürden
  schreiben,  es  sei  nicht  ohne,  der  Herzogin  von  Florenz  zu
insinuieren,  nach  dem  Beispiele  der  Königin  von  Portugal  vor  ihrer
Entbindung  ein  Testament  zu  machen,  und  darin  die  Gesellschaft  Jesu
mit  ein  paar  Legaten,  jedes  jährlich  mit  fünfhundert  Kronen  zu  bedenken.
  Dies  Beispiel  nachzuahmen  wäre  nicht  so  übel.“

Ist  je  eine  „praktischere“  Anleitung  zur  systematischen  Erbschleicherei
  gegeben  worden?  Nicht  lange  und  der  Jesuitenorden  wird
auch  als  Geldmacht  seinesgleichen  suchen.

In  seinem  Kampfes=  und  Bekehrungseifer  ist  Ignatius  natürlich
vor  keinem  Mittel  zurückgeschreckt,  am  allerwenigsten  vor  Bekämpfung
und  Ausrottung  der  Ketzer.  Wenn  die  heutigen  Jesuiten  glauben
machen  möchten,  daß  ihr  Orden  der  Inquisition  fern  geblieben  sei
und  die  Hexenprozesse  sogar  von  vornherein  bekämpft  habe,  so  gehört
diese  Prahlerei  zu  den  ungezählten  Geschichtslügen,  mit  denen  sie  so
unverfroren  zu  hantieren  gewohnt  sind.  Ignatius  hat  zur  strengeren
Handhabung  der  römischen  Inquisition  in  Rom  selbst  angespornt  und
sogar  dem  Könige  von  Portugal  zu  einer  in  „königlicher“  Form,  nach
spanischem  Muster,  direkt  persönlich  verholfen.  Dieser  hat  dafür  den
damaligen  Nepoten  des  Papstes  mit  Pfründen  so  reichlich  bedacht,