II. Strafgesetzbuch 8 181. 93
wegen Kuppelei mit Gefängniß bestraft; auch kann auf Verlust
der bürgerlichen Ehrenrechte, sowie auf Zulässigkeit von Polizei-Aufsicht
erkannt werden.
§ 181. (Landg.) Die Kuppelei ist, selbst wenn sie weder
gewohnheitsmäßig noch aus Eigennutz betrieben wird, mit
Zuchthaus bis zu fünf Jahren zu bestrafen, wenn
übung der Unzucht: 17 Okt. 84 E. 11. 149; R. 6. 629; Verbringen aus
einem Bordell in ein anderes: 19. April 86 R. 8. 300; dagegen nicht das
nicht angenommene Anbieten der Vermiethung: 9. Juni 87 N. 9. 371; die
erfolglose Aufforderung zum Eintritt in ein Bordell und das bloße Anbieten
einer Gelegenheit zur Unzucht: 15. Mai 80 E. 2. 164; R. 1. 782; die Herrichtung
des Bettes, das Herbeischaffen von Wasser und die Verabreichung
von Wein durch eine dienende Person: 19. Okt. 96 E. 29. 108. Ob auch
die Vereimahmung des Geldes durch die Stellvertreterin vgl.: E. 29. 108.
Wegen Beherbergung von Dirnen gegen Zahlung des außerhalb gemachten
Erwerbes vgl.: 10. Okt. 88 R. 10. 133. Polizeiliche Duldung unerheblich:
29. Jan. 80 E. 1. 88; R. 1. 291. Die wirkliche Ausübung der Unzucht
gehört nicht zum Wesen der Kuppelei: 25. März 87 E. 15. 361. In subjekt.
Beziehung muß das Bewußtsein von der Förd-rung der Unzucht vorliegen:
19. Okt. 96 E. 29. 108.
3) Vorschubleisten auch durch pflichtwidriges Unterlassen, z. B.
Nichtaufkündigung der gemietheten Wohnung: 6. Okt. 85 R. 7. 552, vgl.
jedoch 15. Febr. 94 E. 25. 142. Nichtverhinderung des geschlechtl. Verkehrs
in der eigenen Wohnung: 16. Jan. 85 R. 7. 35. Nichtabhalten der Frau
durch ihren Ehemann: 9. Febr. 92 E. 22. 332. Einwilligung zum Eintritt
der Tochter in ein Bordell: 15. Jan. 85 R. 7. 33. Mitthäterschaft
des Ehemanns durch Billigung der Miethverträge und Verwendung des
Miethgeldes: 6. Nov. 80 R. 2. 458. Intelektuelle Einwirkung: 23. April
83 E. 8. 236; R. 5. 274. Nothwendigkeit des Bewußtseins der Vorschubleistung
z. B. bei einer nur aufwartenden Person: 19. Okt. 96 E. 29. 108.
4) Eigennutz ist nicht auf Vermögensvortheile beschränkt: 27. Okt.
83 E. 9. 129; R. 5. 648. Jeder materielle Vortheil genügt, z. B. Befriedigung
der Genußsucht: 13. Nov. 82 R. 4. 810; Geschlechtsgenuß: 3. Mai
87 E. 16. 56; R. 9. 298; Erwerb aus der Vermiethung an Prostituirte:
28. Mai 80 R. 1. 828, sofern gerade wegen des Miethertrages die Vermiethung
an die Letzteren erfolgt: 15. Febr. 94 E. 25. 142. Außergewöhnlicher
Vortheil nicht erforderlich: 10. Juli 94 E. 26. 40. Kein Eigennutz
im Verkauf eines Bordells: 8. Mai 93 E. 24. 165.
5) Gewohnheitsmäßige Kuppelei ist Kollektivvergehen: 1. März 82
E. 6. 132; R. 4. 220. Die Verurtheilung ergreift daher alle vorausgehenden,
wenn auch an einem andern Ort verübten Einzelfälle: 14. Juli 93
E. 24. 243. Realk. der eigennützigen Kuppeleifälle auch beim Vorhandensein
der Gewohnheitsmäßigkeit: 10. Nov. 82 E. 7. 229. 21. Dez. 83
5. 799.