Contents : Deutschland als Kolonialmacht.

                                                                                                                                                       175

der  hohe  Verdienst  aus  dem  Gummiverkauf,  der  den  Eingeborenen  die  Heranziehung
  zu  Regierungsarbeiten  (Wege-,  Stationsbau  u.  a.  m.)  verleidet.

      Trotz  des  Brüsseler  Abkommens  vom  22.  Juni  1908  hatte  an  der  deutschspanischen
  Grenze  der  Schmuggel  mit  Feuerwaffen  und  Pulver  nicht  aufgehört.
Eine  gänzliche  Unterdrückung  dieses  Schmuggels  schien  zunächst  unmöglich.  Die
Zahl  der  noch  in  den  Händen  der  Eingeborenen  befindlichen  Feuerwaffen  verminderte
  sich  dadurch,  daß  gelegentlich  einer  Expedition  eine  große  Anzahl  Gewehre  erbeutet
  wurde,  der  Häuptling  der  Bali  aus  freien  Stücken  eine  Anzahl  der  ihm
früher  übergebenen  Hinterlader  auslieferte.

      Im  Bezirk  Dschang  war  eine  Expedition  notwendig,  um  das  Gebiet  zwischen
Nkam=  und  Nkunsluß  zu  beruhigen,  was  auch  in  kurzer  Zeit  gelang.

      Im  Nordosten  Adamanas  traten  wider  den  „heiligen  Krieg“  predigende
Malams  (islamitische  Lehrer)  auf  und  versuchten,  Unruhen  zu  stiften.  Auch
diesmal  gelang  es  rasch,  die  Rädelsführer  festzunehmen  und  unschädlich  zu
machen.  Sechs  von  ihnen  wurden  zum  Tode,  der  Rest  zu  Kettenhaft  verurteilt.

    Der  Resident  von  Garna,  Hauptmann  Strümpell,  mußte  ferner  eine  Expedition
  in  das  noch  sehr  unruhige  Musgumgebiet  unternehmen,  weil  der  Stamm
der  Gumais  zwei  Soldaten  ermordet  hatte.  Auch  diese  Unternehmung  ging  über
den  Rahmen  einer  polizeilichen  Maßregel  nicht  hinaus.  Die  in  Adamana  und
den  Tschadseeländern  stationierten  Kompagnien  der  Kaiserlichen  Schutztruppe,
die  3.  und  7.,  wurden  zur  Erhöhung  ihres  Gefechtswertes  und  ihrer  Beweglichkeit
  mit  je  einer  berittenen  Abteilung  nebst  den  erforderlichen  Fahrzeugen,  fahrbarem
  Maschinengewehr  usw.  ausgerüstet.  Zwecks  Ergänzung  des  Pferdematerials
wurde  in  Garna  ein  Pferdedepot  eingerichtet.

     Um  den  wachsenden  Ergänzungsschwierigkeiten  —  eine  Folge  des  stetigen
quantitativen  und  qualitativen  Rückganges  des  Ausländerersatzes  —  zu  begegnen,
  entschloß  sich  die  Truppe  zu  einem  Versuch  mit  Einstellung  von  Wuteleuten.
  Dieser  auf  dem  rechten  Ufer  des  mittleren  Sanaga  ansässige  Stamm
zeichnet  sich  nicht  nur  durch  kräftigen  Körperbau  aus,  fondern  kann  auch  infolge
  seiner  Eigenart  den  übrigen  Bezirken  des  Schutzgebietes  gegenüber  gewissermaßen
  als  „landfremd“  gelten.

     Die  Wichtigkeit  der  Ersatzfrage  wurde  durch  eine  Meuterei  bei  der  4.  Kompanie
  in  Banjo  in  den  Vordergrund  gerückt.  57  Soldaten  dieser  Kompanie
marschierten  am  Morgen  des  14.  Juli  1909  mit  ihren  Gewehren  eigenmächtig
ab,  um  dem  Kommandeur  der  Schutztruppe  in  Soppo  eine  Anzahl  Beschwerden
persönlich  vorzutragen.  Sie  bezogen  etwa  eine  Wegstunde  von  Banjo  entfernt
eine  Stellung,  verweigerten  einem  ihnen  nachgesandten  Offizier  den  Gehorsam,
ließen  sich  aber  schließlich  zur  Rückkehr  bewegen,  als  die  übrige  Besatzung  aus
Banjo  nachrückte  und  drohte,  vom  Maschinengewehr  Gebrauch  zu  machen.  Bei
der  Entwaffunng  der  Meuterer  fehlten  neun  von  den  57.  Die  Meuterer  wurden
  zur  Küste  transportiert  und  auf  Lebenszeit  nach  Südwestafrika  verbaunt.

     Der  Grund  der  Meuterei  war  eine  über  disziplinare  und  wirtschaftliche  Einrichtungen
  der  Kompanie  aufgekommene  Unzufriedenheit,  die  im  wesentlichen
darin  ihren  Ursprung  hatte,  daß  sich  die  Truppe  nach  ihrer  langen  Expeditionstätigkeit
  nicht  in  das  Garnisonleben  und  die  durch  die  teureren  Lebensverhältnisse
am  Garnisonort  gebotene  Einschränkung  zu  finden  wußte.

      Das  Bezirksamt  Ossidinge  wurde  aus  sanitären  wie  wirtschaftlichen  Gründen
nach  der  Einmündungsstelle  des  Baliflusses  in  den  Croßfluß  verlegt.  Für  den
neugegründeten  Ort  wurde  aber  die  Bezeichnung  Ossidinge  beibehalten,  dem  alten
Stationssitz  wurde  der  Name  der  betreffenden  Landschaft  Abokum  als  Ortsbezeichnung
  gegeben.

      Besonderes  Interesse  wendete  die  Verwaltung  der  Unterdrückung  des  hauptsächlich
  in  Adamana  und  dem  Dumebezirk  noch  betriebenen  Sklavenhandels  zu.