Einskuß der Strafgerichtsurthelle auf den Clvilprozeß. 133
für civ. Praxis (Bd. 37 S. 35) empfiehlt, und die
darin besteht, dem Strafurtheile zwar keine Beweiskraft,
wohl aber ein gewichtiges Ansehen, den Werth
eines Adminiculum beizulegen. Es ist klar, daß dieselbe
mit derjenigen zusammenfällt, welche die Replicatio
rei judiealae gegen die versuchte Abläugnung
im Civilprozesse nicht gelten läßt. Dieser Punkt
tritt besonders im bayerischen Prozesse hervor, welcher
einen vollen Beweis durch Vermuthungen nicht, wenigstens
in der Regel nicht, zu Stande bringen läßt.
Setzen wir folgenden Fall: Ein Räuber von höherem
Schlage und nicht unbedeutendem Vermögen
hat einen Fang gemacht, der zuletzt unglücklich ausfiel;
auf der Flucht wirft er die geraubte Geldkatze
von einer Brücke herab in die Donau, wird aber
eingeholt, vor Gericht gestellt und wegen Raubes,
obwohl läugnend, aus Indizien zum Zuchthause auf
unbestimmte Zeit verurtheilt. Der Beraubte kann
nun in dem nachfolgenden Entschädigungsprozesse
den Erfüllungseid nicht schwören, entweder weil er
inzwischen gestorben, oder den vermummten Näuber
mit geschwärztem Gesichte nicht erkannte. Was ist
nun zu erkennen, wenn die Sache zum Urtheile
kommt? Auf den Reinigungseid, den der Verurtheilte
über die Wahrheit, seine Erben über Nichtwissen
und Nichtglauben ablelisten. Dieser Eid fiele
aber in all' seinen Wirkungen ganz mit dem Haupteide
zusammen, den der Kläger einer jeden Person
zuschieben durfte, gegen die auch nicht die entfernteste
Anzeige einer Theilnahme am Verbrechen vorhanden
wäre. Es läßt sich daher nach allen Regeln
einer arithmetischen Gleichung beweisen, daß die Verläugnung
der Beweiskraft des Strafurtheils für
den Civilprozeß alles Gewicht desselben, wenn selb
die Anzeigungen das Vollmaaß des Art. 328 Th.
d. St G B. noch überträfen, zur vollständigen Nullität
verurtheilt. Wollte man in Fällen dieser Art