Full text : Preußische Geschichte. Erster Band. (1)

1.  Der  Staat  des  Deutschen  Ordens  in  Preußen.  109

bleiben  können,  sondern  mit  Gewalt  und  Tyrannei  davon  ge—
drungen  und  abgehalten  werden.“

Den  großen  Männern  wird  man  Albrecht  nicht  zuzählen:
doch  hat  er  Großes  ermöglicht.  Kommen  doch  in  weltgeschichtlichen
  Krisen  zuweilen  gerade  solche  Naturen  zu  segensreichstem
Wirken:  ohne  selbständige,  in  eigener  schöpferischer  Kraft  be—
ruhende  Bedentung  bringen  sie,  mehr  passiv  als  aktiv,  aus—
gleichend,  mildernd  und  vermittelnd,  oft  freilich  unter  Verzicht
auf  das  von  härteren  Naturen  verfochtene  Prinzip,  doch  das
zur  Zeit  Erreichbare  in  Sicherheit  und  legen  so  inmitten  stür—
mischer  Kämpfe  den  Grund  für  die  allmählich  fortschreitende
und  gesundende  Entwickelung  späterer  Zeiten.

Ein  müder  Mann  hat  Herzog  Albrecht  achtundsiebzigjährig
1568  sein  Leben  beschlossen.  Trüb  und  sorgenvoll  blickte  er  in  die
Zukunft  seines  Hauses  und  Landes.  Sein  einziger  Sohn  und
Erbe,  Albrecht  Friedrich,  ein  unreifer  fünszehnjähriger  Züngling,
  war  körperlich  hinfällig  und  geistig  schwach  und  beschränkt.
So  schien  den  Ständen  die  Zeit  gekommen,  um  den  Sieg,  den
sie  1566  mit  Polens  Hilfe  über  den  Vater  gewonnen,  dem
Sohne  gegenüber  auszunutzen  und  zu  vollenden.  Die  mittelmäßigen
  Gaben  des  jungen  „blöden  Herrn"  verkümmerten  unter
der  Tyrannei  der  die  Vormundschaft  führenden  adligen  Regimentsräte.
  Sein  Gemüt  verdüsterte  unter  dem  Druck  eines
elenden  Lebens  in  steter  Angst  vor  Gift  und  der  ihn  innerlich
verzehrenden  Wut  über  den  frechen  Uebermut  seiner  Aufseher
und  Peiniger.  Das  schwache  Licht  seines  Geistes  erlosch  schließlich
  in  dem  aufreibenden  Widerstreit  zwischen  seinem  fürstlichen
Necht  und  diesem  unfürstlichen  Dasein.  Ein  unglücklicher  Fall
machte  ihn  vollende  elend.  Dennoch  hatte  man  ihn,  um  die
Selbständigkeit  des  Herzogtume  zu  erhalten,  verheiratet:  aber
kein  Sohn,  nur  Töchter  entsprangen  der  Ehe  mit  Marie  Eleonore,
der  ältesten  Tochter  des  Herzogs  Wilhelm  von  Cleve.  Durch
die  Vermählung  mit  zweien  von  ihnen  bereiteten  die  brandenburgischen
  Hohenzollern  die  wirksame  Geltendmachung  des  Rechts
vor,  das  ihnen  nach  dem  Tode  Albrecht  Friedrichs  auf  das
Herzogtum  zustand.