Lummen 66
Plestag, 23. März 1513
heure ummen nötig, um den Verein in die
8 zu versetzen, seine Frr „raterländische
Aufgabe zu erfüllen. Wir richten deshalb an
alle, auch an die hiesige erbe die herzuche
Bitte, durch reichliche Spenden diese Bestrebungen
zu unterstützen.
Jweiles *— „Heehisiigeeit
Die re auier,' Vereine, Liedertafela,
Männergesangverein und Orchesterverein,
veranstalteten Samstag Abend ein Wohltätigkeitslonzert
zu Gunsten der Fürsorgetätigkeit
für die Angehörigen der Kriegsteilnehmer.
Für diesen Abend war auch ein Gast angesagt,
Herr Opernsänger A. Bullinger, der seine Kunst
in liebenswürdigster Weise zur Verfügung stellte.
Ein sorgfällig zusammengestelltes, reichhaltiges
Programm war dafür ausersehen.
Liedertafel und Männergesangverein, von
Hrn. Lehrer Sölch dirigiert, eröffneten den
Vortrag mit dem seelenvollen „Segenswunsch“
an unser deutsche: Vaterland, von M. v. Weinzierl.
Iwei gernischte Chöre von Mendelssohn
„Morgengebet= und „Andenken“ wurden unter
Hen. Hauptlehrer Huiterer seinsinnig interpretiert.
Die dritte Nummer sullte das große Chorwerk
„Sechs altniederländische Volkslieder“ für
Mämnerchor, Tenor= und 2 Baritonsolo mit Orchester
von Ed. Kremser. Dieser prächtige Zyllus
löste in all seinen Teilen eine erschütternde Wirkung
aus. Wie wahr llangen die Eingangsworte:
„Herr, sieh' die Nol! Zanllose Feinde
droh'n der Gemeinde mit Schmach und Tod.“
Aus tieffter Seele kam die Klage: „Herr, mach,
uns frei! Stell Dich als Retter ein, sieh' Du
uns bei!“ Der Retter erschien in Wülhelmus
von Nassauen, dem unverzagten, wackeren Kämpen.
Herr Wäschenfelder trug dieses herrliche
Baritonfolo“ mit martiger Stimme in den Saal.
So ermutigt und gestärkt ziehen die Krieger
hinaus zum heißen Kampfe. Trommelwirbel
und Pfeifenklang begleitet das Kriegslied der
Tapferen. Der üngli: 13 singt im vierten Liede
mit feuriger Beg geisterung seinem Liebchen zum
Abschied: „Das aterland gilt es, das teure,
zu retten, was Gott will. mein Viebchen, gescheh'!“
Hier konnten wir den herrlichen Tenor
des Hrn Opernsängers Bullinger hören. Bald
dröhnt es aus heißer, grausiger Schlacht bei
„Berg op Zoom“. Welch einen Widerhall fand
hier mũcht Wort und Ton in aller Herzen!
War einer da, der nicht des schurtigen Engländers
gedacht und war nicht in jeder Brust der
gleiche heiße Wille, den der Niederländer dem
Spanier entgegensetzte: „Schmett're zur Erd',
die entehrt unsern Herd!“ und Eleßen soll
in Strömen Spaniens falsches Blut.“ „Wir
treten zum Beten vor Gott den Gerechten“ erlag
das „Dankgebet“ in bewegter, feierlicher
Melodie. Wie wollen auch wir einst, wenn die
Schlacht wird gewonnen, sagen: „Du, VGot#,
warst ja mit uns! Der Sieg er war Dein!“
Die Leitung des gesamten Wertes, des gesanglichen,
wie des orchestralen Teiles, führte Herr
Hauptlehrer Hutterer mit scharfer Umsicht.
Und nun durften wir Hrn. Bullinger in einer
Glanzpartie für Tenor hören. Wie bereits bekannt,
ist Herr Bullinger ebenfalls ein Schüler
des großen Meisters Kammersänger Schuegraf
und hat damit schon unser reges Interesse voraus.
Aus C. M. v. Webers „Freischütz sang,
er uns die Szene und Arie „Nein, länger trog'
ich nicht die Qualen“. Herr Kapellmeister O Os
tar Weyer stelilte mit seinem Stabe die Beglel.
tung hiefür. Ci: lieiner, glänzender Wettitreit
entspann sich zwise zn Sänger und Ccchester.
D ader doch schmiegsame
Der llangpvolle, starte.
Tenor Hrn. Bullinger erno#n sich in mächtigen
Wellen, die breit und wuc, i#n in den Saal
fluteten. Wir dürfen wohl saxen, daß dem
jugendlichen Künstler bei seinen reichen Talenten
u. deren weisen Ausnützung eine glänzende Zu-*
harrt. Stürmischer Beifall lohnte seine
prächtige Leistung. Des Weiteren sang Zerr
Bullinger noch drei Lieder; Herr Hutterer jr.
begleitete ihn dabei in dezenter Weise auf dem
Flügel. Auch biefür ward ihm reicher Dank,
den er durch ein weiteres Lied zurückerstattete.
Schöne Blumengaben wurden ihm überreicht.
Die Stadt selbst lieg den beiden Solisten, wie
Hrn. Kapellmeister Meyer große Lorbeerkränze
mit patriotischen Schleifen überreichen.
Herr Bullinger war vom reichsten Beifall
förmlich umjubelt.
Die letzte und größte, sehr genußreiche Num-—
war die 2. Symohonie von Haydn. Der
Orchesterverein war so glücklich, als Ersat für
seine im Felde stehenden Mitwirkenden fünf
Secrren des Münchner Konzertbereins zu gewinnen.
So lonnte das schöne Werk in seinem
vollen Umfange und in prächtigem Kolorit aufgeführt
werden. Haydn, der große Baumeister
der Symphonie, hat mit dieser neuen Form des
musikalischen Ausdrucks Einzigartiges geschafsen.
Uns erscheint sie wohl schon als etwas
Vertrautes, doch dürsen wir nicht vergessen, daß
sie eine unerhörte Neuschöpfung n. ein kühner
Gedanle, wie jener, welcher d ie gotischen
Dome und das Shalespearesche Drama in die
Welt setzte. Es mußte eine Form ges,affen
werden „die Raum gab für alles Leid und al
Jubel, t jedes Gebet und jede Weltfreuok,
b## Tod und Aukrrltehung. Dies errrichts
Haydn durch seine unermüdliche Schaffensfreude.
Er zeigt uns das Ringen und Kämpfen der
Seele, ihren Aufschwung in höhere Welten,
wo Ruhe und Frieden herrscht, ein leichtes Aufatmen,
anmutige, tänzelnde Bewegung. Seine
2. Somphonie versetzt uns in diese Welten; die
Geizen klagten und das Holz gab in Iuter,
vallen die Bekräftigung, Cello usd Baß gab
dem Ausdruck seine Fülle und Berechtigung.
Ueberraschend wirkte bei all dieser Veweglichkeit
und ihrer Umkleidung das momentane Ein
treten des Originalthemas. Man sah, mit
welcher Liebe das Orchester sich dieser schwierigen
Aufgabe widmete; sie war scharf ersaßt
und mit großem Verständnis ward in oie feinsten
Wendungen der Motive eingegangen. Wem
das größere Lob gebührt, dem durchbildeten
und kunstfreudigen Dirigenten oder den, seinen
leisesten Winken freudig folgenden Künstlern, ist
schwer zu sagen. Trotz der späten Stunde war
man von Neuem gefesselt durch die glänzende
Wiedergabe dieses Werkes, namentlich im Me
nuett.
Es war nach aller Meinung ein schöner Abend.
Der ganze Saal des „Deutschen Kaiser“ war
sehr gut besetzt. Wie uns bereils mitgeteilt
wird, können 751.50 Mk. dem wohttahigen
Zwecke übergeben werden. Th. R.
Riechliche Nachrichlen.
Die Feier der ersten hl. Kommunion
fand am Sonnitag in der Anstaltskapelle
der flädtischen höheren Töchterschule statt. Unter
vv. Geiftl. Rat Stadtpfarrer Gehl nahm die
Feier einen hehren, eindrucksvollen Verlauf.
Insgesamt gingen 21 Schülerinnen erstmals
zum Tische des Herrn.
In der Kapuzinerkirche wird am Mittwos
um halb 7 Uhr für den verstorbenen Protektord
es Ordens, Sr. Eminenz Kardinal Antonio
Agliardi ein feierlicher Seelengottesdienst
algehalten.
Marttberichte.
Landshut, 19. März. Der heutige Viltnualienmarkt
war mäßig bestellt. 12 bis
13 Stück Eier erhielt man um 1 Mk., daos
Pfund Rindschmalz klostete im Grohertausk. 1.15,
im Rleinverkauf 1.20 Mk., pro Pfund Land
butter 1.30 Mk., Molkereibutter 160 Mik.,
Schweinefett 90 bis 1.10 Mark. — Viehpreise:
Kälber 1. Qual. lebend 48 bis 62
Pig., Schweine bis zu 50 Pfd. lebend 55 bis
61 Pfg., Schweine bis zu 50 Pfund tot 80,
bis 82 Pfg., Spanserkel per Paar 15 bis
32 Mark.
Mie die Eugländer in Kamerun
hausen.
(Schluß.)
Auf einen Protest beim politischen englischen
Offizier in Duala (Herr Paulj wurde ich mit
drei andern Schweizern von den deutschen
Kriegsgefangenen getrennt, so daß wir zum erstenmal
interniert bei einfachster Verpflegung
leben durften. (Der engl. polit. Offizier unter
sieht dem General Dobell.) Ich bat das englische
politische Bureau, mich nach Maka zurücgehen
zu lassen, da dort nach den ersten
Tagen im Oltober alles wie im Frieden geord-.
net war. Maka war um diese Zeit schon längst
etwa 21/10 Kilometer vom Feind entfernt und
an ein Zurücklehren der deutschen Truppe war
bei der zehnfach en englischen Uebermacht nicht
zu denten. Der englische politische Offizier sagte
mir in Anwesenheit von vier weißen Zeugen,
daß der General ein Zurückgehen nach Malanicht
gestatten könne, denn es wäre ihnen unerwünscht
und unbequem, Weiße in Kamerun
zurückzulassen, die nicht Engländer wären; es
würden sämtliche Weiße nach England abgeführt
werden. Im übrigen würden sie den Neutralen
keinen SZautz bieten, denn sie hätten die
Soldaten für wichligere Zwecke zu gebrauchen
und mit der Zufuhr von Nahrungsmitteln für
Neutrale wurven sie sich nicht abgeben.
sagte, daß ich trotzdem nach Maka gehen wollte.
wenn ich nur das, was ich dort worückgelassen
hätte, wieder vorfinden würde. Auch unter diesen
Umständen wurde mir nicht gestattet, nach
Maka zu ziehen. Wie ich in der weiteren Unterhaltung
Völkerrecht und Genser Konvention erwähnte,
antwortete er mir mit der Pfeife im
Mund, die Beine auf dem Tisch: Krieg ist
Krieg. Derselbe Offizier sagte vor uns Schweizern,
daß er uns sofort frei geben würde, wenn
wir gegen die Deutschen kämpfen wollten; in
diesem Falle wäre die Neutralität für uns
günstig.
Am 21. Dezember 1914 schrieb ich folgenden
Brief an das englische politische Dureau
(auch im Namen dreier izer): nala,
21. Dezember 1914. An das englische politi che
Bureau, Duala. Nachdem Sie einmal beschlossen
haben, uns aus Kamerun zu weisen. * däten
wir, uns mdglichst bald Gegenen zu ger
um nach Hause fahren zu pornen Mir Unterzeichneten
inöchten alle —i“ mas fahren,
um von dort aus einen Vompyfer zu beder
uns anf dem Fkürzelten Weg nach
xr
der Schweiz bringt. Wir bitten Sie daher,
uns genügend Bargeld mitzugeben. Als Neutrale
müssen wir auf diese Forderung dringen.
gez. W. Haeberlin. Carl Wittwer, Missionar.
J Stadlin, Missionar. Sieber, Handelsmann.“
Der politische Offizier teilte uns
mürdlich mit, daß Bargeld nicht verabfolgt
ue meiner Gefangenschaft in Duala
lam einer meiner treuen Wächter von Maka,
den ich am 1. Oltober daselbst zurückgelassen
hatte, zu mir nach Duala und sagte folgendes
aus, was ich sofort Etokolsierte und von vier
Weißen (3 Schweizer und 1 Deutscher) unterzeichnen
ließ: „16. Dezember 1914. Mein Koch
Latoy Atollo- (Wächler) gibt an, am 2. Oktober
1914 solgendes mit eigenen Augen gesehen zu
haben: Die Engländer haben am 2. Oktober
das Wohnhaus und das Hospital des Dr. A.
Haeberlin besetzt, bevor irgendein Dualamann
plündern konnte. Sie nahmen die Rote-Kreuzhne
und die Schweizerfahne herunter und
trugen Reis, Stocksisch, Medizin und viele andere
Sachen aus seinen Häusern weg, Bhachdem
sie die Türen aufgeschlagen hatten. Nachher
gingen die Engländer weg und ließen alles ohne
Shuh offen. Als Zeugen obiger Aussagen:
3. Jos. Stadlin, Missionar (Schweizer). C.
Wirber Missionar (Schweizer). J. Sieber,
Handelsmann (Schweizey O. Schlöliger, Missionar
(Deutscher).“
Ferner bestätigte der Wächter, daß ganz
Maka von den Engländern besetzt wurde, bevor
ein Eingeborener eltwas stehlen konnte. Auch
die auf dem Bahnbof besindlichen Kofjer, Kiiten
usw. sind nur in die Hände der Engländer geraten.
Dasselbe bestätigten mir andere Augenzeugen.
Maka war, wie ich mich am 13. Dezember
selbst überzeugte, volliommen ohne miilitärischen
S u# zurückgelassen worden und auf
dem Bahnhof in Bonabori erkannte ich vieles,
was vom Bahnbof in Mala abgeführt worden
war. In Maka haben die englischen Truppen,
wie überall an Orten r*rä2 gilirarid. Bedeutung,
nach ihrem Wegzug alles der Plünderung
oreisgegeben, ohne Rücksicht auf Privateigentum.
Die Truppe hätte die wirtichaftliche Schädigung
der Kolonie, wi? ein Hauptmann der
englischen Truppe selbst sagte, in erster Linie
im Auge.
Am 4. Januar 1915 wurde ich in Anwesenheit
von vier weißen Zeugen vom politischen
Offizier gezwungen, am 5. Januar mit dem
armierten Schiff „Laurentic“ nach Liverpool
zu sahren (ich sah auf demselben 8 Stück
15--Zentimeter-Kanonen). Ich machte den Offizier
nochmals auf Völlerrecht und Genfer Konvention
aufmerksam und sagte, daß somit der
Schaden, den England zu tragen hätte, dadurch
für mich sehr groß würde.
Auf dem Kriegsschiff „Laurentic“ wurde ich
vollkommen wie ein deutscher Kriegsgefangener
behandelt. Von Frau und Kind getrennt, wurde
ich mit deutschen Kriegsgefangenen (Zivilisten)
in eine Kabine J.. Klasse bei schlechtem Essen
untergebracht. Auf die Frage, weshalb ich auch
auf dem Schiff wie ein Kriegsgesangener behandelt
würde, gab mir der Kapitän zur Antwort
(Leutn. Col. Smilh), daß man mich nicht
als Kriegsgefangenen ansehen würde. Da die
„Laurentic“ jedoch ein Kriegsschiff sei, so wäre
06 ihnen leider nicht möglich, mic eine bessere
Behandlung zuteil werden zu lassen, im Gegenteil,
als Neutraler und Arzt wäre es für mich
eher eine Ehre, mitfahren zu dürfen, denn Private
dürften sonst auf einem Kriegsschiff nichbefördert
werden. Ich antwortete, daß ich ia
gezwungen worden wäre, mit der ;eauremticnach
England zu fahren. In diesem Fall,
widerte er, habe ich den Befehl des Enrnerals
Dobell in Duala auszuführen. Die Offiziere
des Schiffes ließen durchblicken, duß man mit
der Anordnungen des Generals durchaus nicht
einverstanden war und aus seinen Handlungen
nicht klug würde.
In allen englischen Kolonien an der Westküste
Aftilas blieben die Schweizer auf ihren Posten,
während die Deutschen dort alle nach England
geschafft wurden. Während des Krieges lamen
sogar Schweizer von Europa auf die Goldküste
(englisch), um die deutschen Kaufleute zum Teil
zu ersetzen. Warum führte man denn mich ab?
Hätte ich doch während dem ganzen Krieg nicht
das geringste gegen England unternommen.
Man hat mir doch die Flucht aus Maka nichr
übel genommen. Sie war volllommen gerechtserligt.
Auch die Einwohner in England flohen
aus den Küstenstädten, wie diese von den Deutschen
beschossen wurden. Ich habe also nichts
anderes getan wie diese, ich wollte meine Familie
vor dem Tode retten.
Es scheint also, daß ich der Willkür des Generals
ausgeliefert war. Für die kalte Zone bekamen
die beutschen Kriegsgefangenen auft der
entic!“ warme Mäntel, währenddem
Unschlag des Goapitäne Schweizer keine hlemt
durften, da sie als Passagiere und nicht als
Gefangene ulen wurden.
Am 30 Januar 1915 in Lonupcal gekommen,
wurde ich mit Leierend un Mu.
tellos in der Nacht auf a86 traße gesetzt
* mich also sofort frei, d. dn de 2
eglerung vertrat den Standpunkt ich irt
tümlicherweise nach England *— worden sei
— —
Der Brief des Grenadiers.
(Aus der Liller Kriegszeitung.)
Mich traf die Kugel, Mutter — s nicht
mmm.
Sie haben Bomben aus dem Fort geschmissen.
Wir stürmten los — mich hat vielleicht der
Grimm
Zu unvorsichtig an *r*v- Feind gerissen.
ie andern lagen 4JIch stand und lief.
Granaten platzten. — der Hauptmam rief.
Drang an mein Ohr nicht mehr *9 ah.
ku
rz
Das Feld mich trennte noch von den Verhaun,
Sah rote Hosen und den Frack, den blauen,
Und stürmte mit „Hurrah“.. Ein Ruck, ein
Sturz
Du mußt nicht glauben, daß es wehelut.
Man greift zur Stirn und hat die Hand
voll Blut,
Taumelt und krampft die Finger ins Gewehr,
Knickt in die Knie und wankt und weiß boes
mehr.
Hier hab' ich's gut, ich lieg' im Lazarett
So sauber wie bei Dir zu Haus, mein Bett.
Und eine Schwester 8 mich all die Tage,
Ein weißes Häubchen auf dem goldenen Haar;
Mutter, so blond, wie unsere Gretel war.
Sie ist, freilich, sie will nicht, daß ich's sage
Ist eine Gräfin. — Schlicht und ohne Lohn,
Umsorgt sie treu und“ pflegt sie Deinen Sohn
Und weiß doch, daß er ärmlich und gering,
Im Lenz noch säend hinterm Pfluge ging.
Sie rückt behutsam Kissen mir zurecht,
Erneut der Binden kühlendes Geflecht
Und fehlt mir nie, wie leis' ich sie auch ries.
Und kühlt des Fiebers heiße Flackerbrände
Und hat so schöne, schlanke, weiße Hände
Und sie besorgt auch diesen letzten Brief.
Den letzten, Mutter — wiss’ es und sei stark!
Jetzt schau' ich unter Kiefern in der Mark
Im sandigen Boden unser lleines Haus,
Der Abend kringelt um die Sonnenblumen,
Ueber die Straße schau'n die alten Muhmen
Aengstlich nach den verflogenen Hühnern aus.
Die sche'ge Kuh brüllt wohlig aus dem Stalle,
Der Nero kläfft auf einer Räderspur.
War's Peter's Stute, die vorüberfuhr.
Grüh“ mir das Vieh und auch die Blumen de.
Der Arzt sagt freilich — Gott, sie trösten Jeden.
Auch mich vorhin, als ich um Wahrheit frug,
Dann hört’ ich leise sie lateinisch reden.
Ich den'“, es war Latein — und wußt genug.
Ich hab' gelämpft auch mit dem Tode wacker,
Wie's ein Soldat und deutscher Bauer soll.
Heut, Nacht, der Himmel war von Stiernen voll.
Heul“ Nachi *r ich 5*W nun den Gottesacker.
Ich sah de: . oruz in Kirchhossgarten.
Der leinen ie gigai dicht dabei,
Ganz voller Primeln noch, als wär's im Mai.
Und hab's gefühlt: Vater u. Schwester warten!
Grüß' ihre Gräber, Mutter, sag“, der Weg
War mir zu weit. Und weine nicht! Ich leg
Mein Haupt hier friedlich an des Reiches Grenze,
Wie's mir die Schlacht, der Sieg in Ehren gab,
Und weiß es gut: In einem ien Lenze
Schmückt wandernd mir ein Landemann woll
das Grab
Und singt, den Ranzen wieder aufgeloden,
Im Weitergeh'n: „Ich hatte einen Kameraden!“
Sieh', Mutter, all das große Vaterland
Liegt bald in Frieden. Was in Sturz u. Brand
Verloren ging, wird wieder auferstehen,
Und Tau'end, Tausend werden's nicht mehr sehen,
Auch ich nicht, Mutier. Doch ich fühl's und weiß:
Ein Bauer nur, hab'’ ich mit Blut und Schweiß.
Eh' mich die Kugel fern von Euch gebettet,
Mein lleines Teil der Heimat auch geretlet.
Und sieh“, ich denk, mein Teil liegt in der Mark:
Gewiß nicht Stadt, noch Schloß, nicht Wald noch
Park,
Von Deutschlands herrlich großer Gottesgabe,
Ein winzig Stück, das ich gerettet habe.
Zwei Häuschen nur — das deine, das verschom
Vom rauhen Krieg, und jenes strohbedeckte,
In dessen Fenster ich oft Nelken sieckte,
Das Schieferhäuschen, drin die Gretel wohnt.
Die Gretel, Mutler . Unser Kinderspiel
Liegt weit, jetzt tolle andre durch die Gassen.
Gch' zu ihr, Mutter, sag'’ ihr bloh: „Er siel“
Und wenn sie weint: „Er hat dich grũhen
lassen“.
Und eins noch, Mutter, wenn's das Herz Du
drü
Ich kenn' Dich doch — daß, wenn die
Kämpfe dauern,
Der Nachbar Klaus und von dem Mühlenbauer
Jeder sein Scherstein für die Kämpfer schick.
Hochaufgep iaä Wagen an die Front —
Du bist arenn r*□ Du i nicht so gekonm.
Furcht lautes Scheltwort nicht, noch leisen Hohn.
Und fragt der Herr einst, der die Himmel
spannte:
„Weib, was gabst du dem heil'gen Vaterlande?
Sprichst Du: „Mein Bestes, Herr, den zin
ohn.“
Rudol, Przbek.
Wetterberscht für Dienstag, den 23. Mä##
Norwiegend heiter, untertags mild.