Metadata : Die Frau als Hausärztin.

Lummen  66

Plestag,  23.  März  1513

 

heure  ummen  nötig,  um  den  Verein  in  die
8  zu  versetzen,  seine  Frr  „raterländische

Aufgabe  zu  erfüllen.  Wir  richten  deshalb  an
alle,  auch  an  die  hiesige  erbe  die  herzuche
  Bitte,  durch  reichliche  Spenden  diese  Bestrebungen
  zu  unterstützen.

Jweiles  *—  „Heehisiigeeit

Die  re  auier,'  Vereine,  Liedertafela,
  Männergesangverein  und  Orchesterverein,
  veranstalteten  Samstag  Abend  ein  Wohltätigkeitslonzert
  zu  Gunsten  der  Fürsorgetätigkeit
  für  die  Angehörigen  der  Kriegsteilnehmer.
Für  diesen  Abend  war  auch  ein  Gast  angesagt,
Herr  Opernsänger  A.  Bullinger,  der  seine  Kunst
in  liebenswürdigster  Weise  zur  Verfügung  stellte.
Ein  sorgfällig  zusammengestelltes,  reichhaltiges
Programm  war  dafür  ausersehen.

Liedertafel  und  Männergesangverein,  von
Hrn.  Lehrer  Sölch  dirigiert,  eröffneten  den
Vortrag  mit  dem  seelenvollen  „Segenswunsch“
an  unser  deutsche:  Vaterland,  von  M.  v.  Weinzierl.
  Iwei  gernischte  Chöre  von  Mendelssohn
„Morgengebet=  und  „Andenken“  wurden  unter
Hen.  Hauptlehrer  Huiterer  seinsinnig  interpretiert.
  Die  dritte  Nummer  sullte  das  große  Chorwerk
  „Sechs  altniederländische  Volkslieder“  für
Mämnerchor,  Tenor=  und  2  Baritonsolo  mit  Orchester
  von  Ed.  Kremser.  Dieser  prächtige  Zyllus
löste  in  all  seinen  Teilen  eine  erschütternde  Wirkung
  aus.  Wie  wahr  llangen  die  Eingangsworte:
  „Herr,  sieh'  die  Nol!  Zanllose  Feinde
droh'n  der  Gemeinde  mit  Schmach  und  Tod.“
Aus  tieffter  Seele  kam  die  Klage:  „Herr,  mach,
uns  frei!  Stell  Dich  als  Retter  ein,  sieh'  Du
uns  bei!“  Der  Retter  erschien  in  Wülhelmus
von  Nassauen,  dem  unverzagten,  wackeren  Kämpen.
  Herr  Wäschenfelder  trug  dieses  herrliche
Baritonfolo“  mit  martiger  Stimme  in  den  Saal.
So  ermutigt  und  gestärkt  ziehen  die  Krieger
hinaus  zum  heißen  Kampfe.  Trommelwirbel
und  Pfeifenklang  begleitet  das  Kriegslied  der
Tapferen.  Der  üngli:  13  singt  im  vierten  Liede
mit  feuriger  Beg  geisterung  seinem  Liebchen  zum
Abschied:  „Das  aterland  gilt  es,  das  teure,
zu  retten,  was  Gott  will.  mein  Viebchen,  gescheh'!“
  Hier  konnten  wir  den  herrlichen  Tenor
des  Hrn  Opernsängers  Bullinger  hören.  Bald
dröhnt  es  aus  heißer,  grausiger  Schlacht  bei
„Berg  op  Zoom“.  Welch  einen  Widerhall  fand
hier  mũcht  Wort  und  Ton  in  aller  Herzen!
War  einer  da,  der  nicht  des  schurtigen  Engländers
  gedacht  und  war  nicht  in  jeder  Brust  der
gleiche  heiße  Wille,  den  der  Niederländer  dem
Spanier  entgegensetzte:  „Schmett're  zur  Erd',
die  entehrt  unsern  Herd!“  und  Eleßen  soll
in  Strömen  Spaniens  falsches  Blut.“  „Wir
treten  zum  Beten  vor  Gott  den  Gerechten“  erlag
  das  „Dankgebet“  in  bewegter,  feierlicher
Melodie.  Wie  wollen  auch  wir  einst,  wenn  die
Schlacht  wird  gewonnen,  sagen:  „Du,  VGot#,
warst  ja  mit  uns!  Der  Sieg  er  war  Dein!“

Die  Leitung  des  gesamten  Wertes,  des  gesanglichen,
  wie  des  orchestralen  Teiles,  führte  Herr
Hauptlehrer  Hutterer  mit  scharfer  Umsicht.

Und  nun  durften  wir  Hrn.  Bullinger  in  einer
Glanzpartie  für  Tenor  hören.  Wie  bereits  bekannt,
  ist  Herr  Bullinger  ebenfalls  ein  Schüler
des  großen  Meisters  Kammersänger  Schuegraf
und  hat  damit  schon  unser  reges  Interesse  voraus.
  Aus  C.  M.  v.  Webers  „Freischütz  sang,
er  uns  die  Szene  und  Arie  „Nein,  länger  trog'
ich  nicht  die  Qualen“.  Herr  Kapellmeister  O  Os
tar  Weyer  stelilte  mit  seinem  Stabe  die  Beglel.
tung  hiefür.  Ci:  lieiner,  glänzender  Wettitreit
entspann  sich  zwise  zn  Sänger  und  Ccchester.
D  ader  doch  schmiegsame

 

Der  llangpvolle,  starte.
Tenor  Hrn.  Bullinger  erno#n  sich  in  mächtigen
Wellen,  die  breit  und  wuc,  i#n  in  den  Saal
fluteten.  Wir  dürfen  wohl  saxen,  daß  dem
jugendlichen  Künstler  bei  seinen  reichen  Talenten

u.  deren  weisen  Ausnützung  eine  glänzende  Zu-*
  harrt.  Stürmischer  Beifall  lohnte  seine
prächtige  Leistung.  Des  Weiteren  sang  Zerr
Bullinger  noch  drei  Lieder;  Herr  Hutterer  jr.
begleitete  ihn  dabei  in  dezenter  Weise  auf  dem
Flügel.  Auch  biefür  ward  ihm  reicher  Dank,
den  er  durch  ein  weiteres  Lied  zurückerstattete.
Schöne  Blumengaben  wurden  ihm  überreicht.
Die  Stadt  selbst  lieg  den  beiden  Solisten,  wie
Hrn.  Kapellmeister  Meyer  große  Lorbeerkränze
mit  patriotischen  Schleifen  überreichen.

Herr  Bullinger  war  vom  reichsten  Beifall
förmlich  umjubelt.

Die  letzte  und  größte,  sehr  genußreiche  Num-—
  war  die  2.  Symohonie  von  Haydn.  Der

Orchesterverein  war  so  glücklich,  als  Ersat  für
seine  im  Felde  stehenden  Mitwirkenden  fünf
Secrren  des  Münchner  Konzertbereins  zu  gewinnen.
  So  lonnte  das  schöne  Werk  in  seinem
vollen  Umfange  und  in  prächtigem  Kolorit  aufgeführt
  werden.  Haydn,  der  große  Baumeister
der  Symphonie,  hat  mit  dieser  neuen  Form  des
musikalischen  Ausdrucks  Einzigartiges  geschafsen.
  Uns  erscheint  sie  wohl  schon  als  etwas
Vertrautes,  doch  dürsen  wir  nicht  vergessen,  daß
sie  eine  unerhörte  Neuschöpfung  n.  ein  kühner
  Gedanle,  wie  jener,  welcher  d  ie  gotischen
Dome  und  das  Shalespearesche  Drama  in  die
Welt  setzte.  Es  mußte  eine  Form  ges,affen
werden  „die  Raum  gab  für  alles  Leid  und  al
Jubel,  t  jedes  Gebet  und  jede  Weltfreuok,
b##  Tod  und  Aukrrltehung.  Dies  errrichts

 

Haydn  durch  seine  unermüdliche  Schaffensfreude.
Er  zeigt  uns  das  Ringen  und  Kämpfen  der
Seele,  ihren  Aufschwung  in  höhere  Welten,
wo  Ruhe  und  Frieden  herrscht,  ein  leichtes  Aufatmen,
  anmutige,  tänzelnde  Bewegung.  Seine
2.  Somphonie  versetzt  uns  in  diese  Welten;  die
Geizen  klagten  und  das  Holz  gab  in  Iuter,
vallen  die  Bekräftigung,  Cello  usd  Baß  gab

dem  Ausdruck  seine  Fülle  und  Berechtigung.
Ueberraschend  wirkte  bei  all  dieser  Veweglichkeit
  und  ihrer  Umkleidung  das  momentane  Ein
treten  des  Originalthemas.  Man  sah,  mit
welcher  Liebe  das  Orchester  sich  dieser  schwierigen
  Aufgabe  widmete;  sie  war  scharf  ersaßt
und  mit  großem  Verständnis  ward  in  oie  feinsten
  Wendungen  der  Motive  eingegangen.  Wem
das  größere  Lob  gebührt,  dem  durchbildeten
und  kunstfreudigen  Dirigenten  oder  den,  seinen
leisesten  Winken  freudig  folgenden  Künstlern,  ist
schwer  zu  sagen.  Trotz  der  späten  Stunde  war
man  von  Neuem  gefesselt  durch  die  glänzende
Wiedergabe  dieses  Werkes,  namentlich  im  Me

nuett.

Es  war  nach  aller  Meinung  ein  schöner  Abend.
Der  ganze  Saal  des  „Deutschen  Kaiser“  war
sehr  gut  besetzt.  Wie  uns  bereils  mitgeteilt
wird,  können  751.50  Mk.  dem  wohttahigen
Zwecke  übergeben  werden.  Th.  R.

Riechliche  Nachrichlen.

Die  Feier  der  ersten  hl.  Kommunion
  fand  am  Sonnitag  in  der  Anstaltskapelle
der  flädtischen  höheren  Töchterschule  statt.  Unter
vv.  Geiftl.  Rat  Stadtpfarrer  Gehl  nahm  die
Feier  einen  hehren,  eindrucksvollen  Verlauf.

Insgesamt  gingen  21  Schülerinnen  erstmals
zum  Tische  des  Herrn.

In  der  Kapuzinerkirche  wird  am  Mittwos
  um  halb  7  Uhr  für  den  verstorbenen  Protektord
  es  Ordens,  Sr.  Eminenz  Kardinal  Antonio
  Agliardi  ein  feierlicher  Seelengottesdienst
algehalten.

 

 

Marttberichte.

Landshut,  19.  März.  Der  heutige  Viltnualienmarkt
  war  mäßig  bestellt.  12  bis
13  Stück  Eier  erhielt  man  um  1  Mk.,  daos
Pfund  Rindschmalz  klostete  im  Grohertausk.  1.15,
im  Rleinverkauf  1.20  Mk.,  pro  Pfund  Land
butter  1.30  Mk.,  Molkereibutter  160  Mik.,
Schweinefett  90  bis  1.10  Mark.  —  Viehpreise:
  Kälber  1.  Qual.  lebend  48  bis  62
Pig.,  Schweine  bis  zu  50  Pfd.  lebend  55  bis
61  Pfg.,  Schweine  bis  zu  50  Pfund  tot  80,
bis  82  Pfg.,  Spanserkel  per  Paar  15  bis
32  Mark.

 

Mie  die  Eugländer  in  Kamerun
hausen.
(Schluß.)

Auf  einen  Protest  beim  politischen  englischen
Offizier  in  Duala  (Herr  Paulj  wurde  ich  mit
drei  andern  Schweizern  von  den  deutschen
Kriegsgefangenen  getrennt,  so  daß  wir  zum  erstenmal
  interniert  bei  einfachster  Verpflegung
leben  durften.  (Der  engl.  polit.  Offizier  unter
sieht  dem  General  Dobell.)  Ich  bat  das  englische
  politische  Bureau,  mich  nach  Maka  zurücgehen
  zu  lassen,  da  dort  nach  den  ersten
Tagen  im  Oltober  alles  wie  im  Frieden  geord-.
net  war.  Maka  war  um  diese  Zeit  schon  längst
etwa  21/10  Kilometer  vom  Feind  entfernt  und
an  ein  Zurücklehren  der  deutschen  Truppe  war
bei  der  zehnfach  en  englischen  Uebermacht  nicht
zu  denten.  Der  englische  politische  Offizier  sagte
mir  in  Anwesenheit  von  vier  weißen  Zeugen,
daß  der  General  ein  Zurückgehen  nach  Malanicht
  gestatten  könne,  denn  es  wäre  ihnen  unerwünscht
  und  unbequem,  Weiße  in  Kamerun
zurückzulassen,  die  nicht  Engländer  wären;  es
würden  sämtliche  Weiße  nach  England  abgeführt
  werden.  Im  übrigen  würden  sie  den  Neutralen
  keinen  SZautz  bieten,  denn  sie  hätten  die
Soldaten  für  wichligere  Zwecke  zu  gebrauchen
und  mit  der  Zufuhr  von  Nahrungsmitteln  für
Neutrale  wurven  sie  sich  nicht  abgeben.
sagte,  daß  ich  trotzdem  nach  Maka  gehen  wollte.
wenn  ich  nur  das,  was  ich  dort  worückgelassen
hätte,  wieder  vorfinden  würde.  Auch  unter  diesen
  Umständen  wurde  mir  nicht  gestattet,  nach
Maka  zu  ziehen.  Wie  ich  in  der  weiteren  Unterhaltung
  Völkerrecht  und  Genser  Konvention  erwähnte,
  antwortete  er  mir  mit  der  Pfeife  im
Mund,  die  Beine  auf  dem  Tisch:  Krieg  ist
Krieg.  Derselbe  Offizier  sagte  vor  uns  Schweizern,
  daß  er  uns  sofort  frei  geben  würde,  wenn
wir  gegen  die  Deutschen  kämpfen  wollten;  in
diesem  Falle  wäre  die  Neutralität  für  uns
günstig.

Am  21.  Dezember  1914  schrieb  ich  folgenden
  Brief  an  das  englische  politische  Dureau
(auch  im  Namen  dreier  izer):  nala,
21.  Dezember  1914.  An  das  englische  politi  che
Bureau,  Duala.  Nachdem  Sie  einmal  beschlossen
haben,  uns  aus  Kamerun  zu  weisen.  *  däten
wir,  uns  mdglichst  bald  Gegenen  zu  ger
um  nach  Hause  fahren  zu  pornen  Mir  Unterzeichneten
  inöchten  alle  —i“  mas  fahren,
  um  von  dort  aus  einen  Vompyfer  zu  beder

  uns  anf  dem  Fkürzelten  Weg  nach

xr

 

der  Schweiz  bringt.  Wir  bitten  Sie  daher,
uns  genügend  Bargeld  mitzugeben.  Als  Neutrale
  müssen  wir  auf  diese  Forderung  dringen.
gez.  W.  Haeberlin.  Carl  Wittwer,  Missionar.
  J  Stadlin,  Missionar.  Sieber,  Handelsmann.“
  Der  politische  Offizier  teilte  uns
mürdlich  mit,  daß  Bargeld  nicht  verabfolgt

ue  meiner  Gefangenschaft  in  Duala
lam  einer  meiner  treuen  Wächter  von  Maka,
den  ich  am  1.  Oltober  daselbst  zurückgelassen
hatte,  zu  mir  nach  Duala  und  sagte  folgendes
aus,  was  ich  sofort  Etokolsierte  und  von  vier
Weißen  (3  Schweizer  und  1  Deutscher)  unterzeichnen
  ließ:  „16.  Dezember  1914.  Mein  Koch
Latoy  Atollo-  (Wächler)  gibt  an,  am  2.  Oktober
1914  solgendes  mit  eigenen  Augen  gesehen  zu
haben:  Die  Engländer  haben  am  2.  Oktober
das  Wohnhaus  und  das  Hospital  des  Dr.  A.
Haeberlin  besetzt,  bevor  irgendein  Dualamann
plündern  konnte.  Sie  nahmen  die  Rote-Kreuzhne
  und  die  Schweizerfahne  herunter  und
trugen  Reis,  Stocksisch,  Medizin  und  viele  andere
  Sachen  aus  seinen  Häusern  weg,  Bhachdem
sie  die  Türen  aufgeschlagen  hatten.  Nachher
gingen  die  Engländer  weg  und  ließen  alles  ohne
Shuh  offen.  Als  Zeugen  obiger  Aussagen:
3.  Jos.  Stadlin,  Missionar  (Schweizer).  C.
Wirber  Missionar  (Schweizer).  J.  Sieber,
Handelsmann  (Schweizey  O.  Schlöliger,  Missionar
  (Deutscher).“

Ferner  bestätigte  der  Wächter,  daß  ganz
Maka  von  den  Engländern  besetzt  wurde,  bevor
ein  Eingeborener  eltwas  stehlen  konnte.  Auch
die  auf  dem  Bahnbof  besindlichen  Kofjer,  Kiiten
usw.  sind  nur  in  die  Hände  der  Engländer  geraten.
  Dasselbe  bestätigten  mir  andere  Augenzeugen.
  Maka  war,  wie  ich  mich  am  13.  Dezember
  selbst  überzeugte,  volliommen  ohne  miilitärischen
  S  u#  zurückgelassen  worden  und  auf
dem  Bahnhof  in  Bonabori  erkannte  ich  vieles,
was  vom  Bahnbof  in  Mala  abgeführt  worden
war.  In  Maka  haben  die  englischen  Truppen,
wie  überall  an  Orten  r*rä2  gilirarid.  Bedeutung,
  nach  ihrem  Wegzug  alles  der  Plünderung
oreisgegeben,  ohne  Rücksicht  auf  Privateigentum.
  Die  Truppe  hätte  die  wirtichaftliche  Schädigung
  der  Kolonie,  wi?  ein  Hauptmann  der
englischen  Truppe  selbst  sagte,  in  erster  Linie
im  Auge.

Am  4.  Januar  1915  wurde  ich  in  Anwesenheit
  von  vier  weißen  Zeugen  vom  politischen
Offizier  gezwungen,  am  5.  Januar  mit  dem
armierten  Schiff  „Laurentic“  nach  Liverpool
zu  sahren  (ich  sah  auf  demselben  8  Stück
15--Zentimeter-Kanonen).  Ich  machte  den  Offizier
  nochmals  auf  Völlerrecht  und  Genfer  Konvention
  aufmerksam  und  sagte,  daß  somit  der
Schaden,  den  England  zu  tragen  hätte,  dadurch
für  mich  sehr  groß  würde.

Auf  dem  Kriegsschiff  „Laurentic“  wurde  ich
vollkommen  wie  ein  deutscher  Kriegsgefangener
behandelt.  Von  Frau  und  Kind  getrennt,  wurde
ich  mit  deutschen  Kriegsgefangenen  (Zivilisten)
in  eine  Kabine  J..  Klasse  bei  schlechtem  Essen
untergebracht.  Auf  die  Frage,  weshalb  ich  auch
auf  dem  Schiff  wie  ein  Kriegsgesangener  behandelt
  würde,  gab  mir  der  Kapitän  zur  Antwort
  (Leutn.  Col.  Smilh),  daß  man  mich  nicht
als  Kriegsgefangenen  ansehen  würde.  Da  die

„Laurentic“  jedoch  ein  Kriegsschiff  sei,  so  wäre
06  ihnen  leider  nicht  möglich,  mic  eine  bessere
Behandlung  zuteil  werden  zu  lassen,  im  Gegenteil,
  als  Neutraler  und  Arzt  wäre  es  für  mich
eher  eine  Ehre,  mitfahren  zu  dürfen,  denn  Private
  dürften  sonst  auf  einem  Kriegsschiff  nichbefördert
  werden.  Ich  antwortete,  daß  ich  ia
gezwungen  worden  wäre,  mit  der  ;eauremticnach
  England  zu  fahren.  In  diesem  Fall,
widerte  er,  habe  ich  den  Befehl  des  Enrnerals
Dobell  in  Duala  auszuführen.  Die  Offiziere
des  Schiffes  ließen  durchblicken,  duß  man  mit
der  Anordnungen  des  Generals  durchaus  nicht
einverstanden  war  und  aus  seinen  Handlungen
nicht  klug  würde.

In  allen  englischen  Kolonien  an  der  Westküste
Aftilas  blieben  die  Schweizer  auf  ihren  Posten,
während  die  Deutschen  dort  alle  nach  England
geschafft  wurden.  Während  des  Krieges  lamen
sogar  Schweizer  von  Europa  auf  die  Goldküste
(englisch),  um  die  deutschen  Kaufleute  zum  Teil
zu  ersetzen.  Warum  führte  man  denn  mich  ab?
Hätte  ich  doch  während  dem  ganzen  Krieg  nicht
das  geringste  gegen  England  unternommen.
Man  hat  mir  doch  die  Flucht  aus  Maka  nichr
übel  genommen.  Sie  war  volllommen  gerechtserligt.
  Auch  die  Einwohner  in  England  flohen
aus  den  Küstenstädten,  wie  diese  von  den  Deutschen
  beschossen  wurden.  Ich  habe  also  nichts
anderes  getan  wie  diese,  ich  wollte  meine  Familie
  vor  dem  Tode  retten.

Es  scheint  also,  daß  ich  der  Willkür  des  Generals
  ausgeliefert  war.  Für  die  kalte  Zone  bekamen
  die  beutschen  Kriegsgefangenen  auft  der

entic!“  warme  Mäntel,  währenddem
Unschlag  des  Goapitäne  Schweizer  keine  hlemt
durften,  da  sie  als  Passagiere  und  nicht  als
Gefangene  ulen  wurden.

Am  30  Januar  1915  in  Lonupcal  gekommen,
  wurde  ich  mit  Leierend  un  Mu.
tellos  in  der  Nacht  auf  a86  traße  gesetzt
*  mich  also  sofort  frei,  d.  dn  de  2

eglerung  vertrat  den  Standpunkt  ich  irt
tümlicherweise  nach  England  *—  worden  sei

—  —

 

Der  Brief  des  Grenadiers.

(Aus  der  Liller  Kriegszeitung.)

Mich  traf  die  Kugel,  Mutter  —  s  nicht

mmm.

Sie  haben  Bomben  aus  dem  Fort  geschmissen.
Wir  stürmten  los  —  mich  hat  vielleicht  der

Grimm

Zu  unvorsichtig  an  *r*v-  Feind  gerissen.
ie  andern  lagen  4JIch  stand  und  lief.
Granaten  platzten.  —  der  Hauptmam  rief.
Drang  an  mein  Ohr  nicht  mehr  *9  ah.
ku

rz
Das  Feld  mich  trennte  noch  von  den  Verhaun,
Sah  rote  Hosen  und  den  Frack,  den  blauen,
Und  stürmte  mit  „Hurrah“..  Ein  Ruck,  ein
Sturz
Du  mußt  nicht  glauben,  daß  es  wehelut.
Man  greift  zur  Stirn  und  hat  die  Hand
voll  Blut,
Taumelt  und  krampft  die  Finger  ins  Gewehr,
Knickt  in  die  Knie  und  wankt  und  weiß  boes
mehr.

Hier  hab'  ich's  gut,  ich  lieg'  im  Lazarett
So  sauber  wie  bei  Dir  zu  Haus,  mein  Bett.
Und  eine  Schwester  8  mich  all  die  Tage,
Ein  weißes  Häubchen  auf  dem  goldenen  Haar;
Mutter,  so  blond,  wie  unsere  Gretel  war.
Sie  ist,  freilich,  sie  will  nicht,  daß  ich's  sage
Ist  eine  Gräfin.  —  Schlicht  und  ohne  Lohn,
Umsorgt  sie  treu  und“  pflegt  sie  Deinen  Sohn
Und  weiß  doch,  daß  er  ärmlich  und  gering,
Im  Lenz  noch  säend  hinterm  Pfluge  ging.
Sie  rückt  behutsam  Kissen  mir  zurecht,

Erneut  der  Binden  kühlendes  Geflecht

Und  fehlt  mir  nie,  wie  leis'  ich  sie  auch  ries.
Und  kühlt  des  Fiebers  heiße  Flackerbrände
Und  hat  so  schöne,  schlanke,  weiße  Hände
Und  sie  besorgt  auch  diesen  letzten  Brief.

Den  letzten,  Mutter  —  wiss’  es  und  sei  stark!
Jetzt  schau'  ich  unter  Kiefern  in  der  Mark

Im  sandigen  Boden  unser  lleines  Haus,
Der  Abend  kringelt  um  die  Sonnenblumen,
Ueber  die  Straße  schau'n  die  alten  Muhmen
Aengstlich  nach  den  verflogenen  Hühnern  aus.
Die  sche'ge  Kuh  brüllt  wohlig  aus  dem  Stalle,
Der  Nero  kläfft  auf  einer  Räderspur.

War's  Peter's  Stute,  die  vorüberfuhr.

Grüh“  mir  das  Vieh  und  auch  die  Blumen  de.

Der  Arzt  sagt  freilich  —  Gott,  sie  trösten  Jeden.
Auch  mich  vorhin,  als  ich  um  Wahrheit  frug,
Dann  hört’  ich  leise  sie  lateinisch  reden.
Ich  den'“,  es  war  Latein  —  und  wußt  genug.
Ich  hab'  gelämpft  auch  mit  dem  Tode  wacker,
Wie's  ein  Soldat  und  deutscher  Bauer  soll.
Heut,  Nacht,  der  Himmel  war  von  Stiernen  voll.
Heul“  Nachi  *r  ich  5*W  nun  den  Gottesacker.
Ich  sah  de:  .  oruz  in  Kirchhossgarten.
Der  leinen  ie  gigai  dicht  dabei,
Ganz  voller  Primeln  noch,  als  wär's  im  Mai.
Und  hab's  gefühlt:  Vater  u.  Schwester  warten!
Grüß'  ihre  Gräber,  Mutter,  sag“,  der  Weg
War  mir  zu  weit.  Und  weine  nicht!  Ich  leg
Mein  Haupt  hier  friedlich  an  des  Reiches  Grenze,
Wie's  mir  die  Schlacht,  der  Sieg  in  Ehren  gab,
Und  weiß  es  gut:  In  einem  ien  Lenze
Schmückt  wandernd  mir  ein  Landemann  woll
das  Grab
Und  singt,  den  Ranzen  wieder  aufgeloden,
Im  Weitergeh'n:  „Ich  hatte  einen  Kameraden!“

Sieh',  Mutter,  all  das  große  Vaterland
Liegt  bald  in  Frieden.  Was  in  Sturz  u.  Brand
Verloren  ging,  wird  wieder  auferstehen,

Und  Tau'end,  Tausend  werden's  nicht  mehr  sehen,
Auch  ich  nicht,  Mutier.  Doch  ich  fühl's  und  weiß:
Ein  Bauer  nur,  hab'’  ich  mit  Blut  und  Schweiß.
Eh'  mich  die  Kugel  fern  von  Euch  gebettet,
Mein  lleines  Teil  der  Heimat  auch  geretlet.
Und  sieh“,  ich  denk,  mein  Teil  liegt  in  der  Mark:
Gewiß  nicht  Stadt,  noch  Schloß,  nicht  Wald  noch

Park,
Von  Deutschlands  herrlich  großer  Gottesgabe,
Ein  winzig  Stück,  das  ich  gerettet  habe.
Zwei  Häuschen  nur  —  das  deine,  das  verschom
Vom  rauhen  Krieg,  und  jenes  strohbedeckte,
In  dessen  Fenster  ich  oft  Nelken  sieckte,
Das  Schieferhäuschen,  drin  die  Gretel  wohnt.

Die  Gretel,  Mutler  .  Unser  Kinderspiel
Liegt  weit,  jetzt  tolle  andre  durch  die  Gassen.
Gch'  zu  ihr,  Mutter,  sag'’  ihr  bloh:  „Er  siel“
Und  wenn  sie  weint:  „Er  hat  dich  grũhen
lassen“.
Und  eins  noch,  Mutter,  wenn's  das  Herz  Du

drü
Ich  kenn'  Dich  doch  —  daß,  wenn  die
Kämpfe  dauern,
Der  Nachbar  Klaus  und  von  dem  Mühlenbauer
Jeder  sein  Scherstein  für  die  Kämpfer  schick.
Hochaufgep  iaä  Wagen  an  die  Front  —
Du  bist  arenn  r*□  Du  i  nicht  so  gekonm.
Furcht  lautes  Scheltwort  nicht,  noch  leisen  Hohn.
Und  fragt  der  Herr  einst,  der  die  Himmel
spannte:
„Weib,  was  gabst  du  dem  heil'gen  Vaterlande?
Sprichst  Du:  „Mein  Bestes,  Herr,  den  zin
ohn.“

Rudol,  Przbek.

 

Wetterberscht  für  Dienstag,  den  23.  Mä##
Norwiegend  heiter,  untertags  mild.