Full text : Europäischer Geschichtskalender. Neue Folge. Dreiunddreißigster Jahrgang. 1917. Zweiter Teil. (58b)

542  Römische  Kurie.  (Oktober  27.)

mano“  hervorhebt:  namentlich  der  Hinweis  auf  die  Reichstagsresolution  sprichdafür.
  Größere  Deutlichkeit  kann  man  von  einem  diplomatischen  Schriststück
  nicht  verlangen,  in  dem  niemals  gesagt  zu  werden  pflegt,  bis  zu  welchem
Punkt  man  zu  Konzessionen  geneigt  ist.  Bezüglich  der  anderen  territorialen
Fragen  kann  man  nicht  sagen,  daß  die  Antworten  jede  diesbezügliche  Vahandlung
  ablehnten,  die  österreichische  spricht  sogar  von  der  Zuversicht,  zu
befriedigender  Lösung  zu  kommen,  die  deutsche  hofft,  daß  die  Feinde  in
den  Ideen  und  Bünschen  des  Papstes,  denen  sie  sich  anzuschlicßen  erkün,
eine  Basis  zu  Verhandlungen  im  Geiste  der  Billigkeit  finden  würden.  Die
Noten  ließen  also  die  Tür  zu  weiterem  Ideenaustausch  offen,  was  allein
der  Zmeck  des  Appells  Benedikts  XV.  gewesen  sei.  »

VonderEutentcpresse(s.S.446)wirddieBchauptungvctbrenet,
die  deutsche  Regierung  habe  gleichzeitig  mit  der  Antwortnote  dem  Heiligen
Stuhl  durch  Vermittlung  des  päpstl.  Nuntius  in  München  eine  Verbalnote
  betr.  deutsche  Zugeständnisse  an  Belgien  zugehen  lassen.  Dicse
Meldung  wird  jedoch  von  deutscher  (s.  S.  446)  Seite  wie  vom  „Osservatort
Romano“  als  falsch  bezeichnet.

Von  den  Ententemächten  wird  das  Schreiben  nicht  beantwortet.
Am.  25.  Sept.  wird  darüber  aus  Amsterdam  gemeldet:  England  und
Frankreich  hatten  eine  Antwort  auf  die  Papstnote  bereits  fertiggestelt,
die  mit  Wilson  ziemlich  übereinstimmte,  aber  noch  Forderungen  enthiel,
die  in  Frankreich  stark  bekämpft  werden.  Nach  dem  Falle  Ribots  war  mu
England  keine  Einigkeit  über  die  Antwortnote  mehr  zu  erzielen,  weil
Painlevé  eine  Umarbeitung  fordert,  so  daß  schließlich  beide  Länder  vorläufig
  keine  Antwort  geben  wollen.

Am  29.  Sept.  übermittelt  die  Kurie  ohne  weitere  Mitteilungen  dem  engl.
Gesandten  die  Antworten  der  Mittelmächte.  Meldungen  von  Ententebläurern.
wonach  der  Papst  gleichzeitig  der  Entente  seine  Vermittlung  angeboten  haden
soll,  werden  von  ital.  klerikalen  Blättern  als  unbegründet  bezeichnet.

Am  5.  Dez.  richtet  der  Papst  ein  Schreiben  an  den  bayer.  Episkorat,
worin  er  u.  a.  sagt:  Zur  inneren  Angst  und  Unruhe,  mit  der  die  lange
Dauer  des  jammervollen  Krieges  Unser  Herz  erfüllt,  gesellt  sich  noch  die
Erfahrung,  daß  Unsere  Mahnung  zur  Wiederherstellung  des  Friedens,  die
doch  der  Ausfluß  lauteren  Strebens  für  die  allgemeine  Wohlfahrt  war,
schließlich  einen  Ausgang  genommen  hat,  wie  Wir  ihn  am  wenigsten  erwarteten,
  ja  daß  diese  Mahnung  von  ruchlosen  Menschen  sogar  benüßt
worden  ist,  um  den  Volkshaß  gegen  Uns  aufzuregen,  während  Wir  doch
einen  Erweis  Unserer  Liebe  geben  wollten.

Zur  Note  des  Papstes  s.  ferner  Belgien  25.  Aug.  und  24.  Dez.,  Juß
land  27.  Aug.  und  28.  Sept.,  Schweiz  22.  Aug.  und  28.  Sept.,  Serbien
12.  Sept.,  Spanien  25.  Sept.,  Großbr.  S.  336,  340.

27.  Okt.  Zur  Kammerrede  Sonninos  (s.  S.  522  ff.)  veröffentlicht
der  „Ofservatore  Nomano“  einen  offiziellen  Kommentar,  in  dem  esheißt:

Sonnino  hat  die  Note  des  Papstes  hinsichtlich  der  Abrüstungen  und
des  Schiedsgerichts  falsch  ausgelegt.  Eine  Abrüstung  wird  von  allen  gewünscht,
  aber  der  Heilige  Stuhl  hat  in  seinem  Aufruf  aus  Ehrfurcht  vor
den  Leitern  der  Kriegführenden  das  Mittel  nicht  genannt,  das  nicht  zu
schwer  durchzuführen  ist.  Das  wäre  ein  Abkommen  zwischen  den  zioilisierten
  Nationen,  gleichzeitig  und  allseitig  die  obligatorische  Dienstpsiicht
abzuschaffen.  Hinsichtlich  der  Freiheit  der  Meere,  die  auch  England  zu
erörtern  versprochen  hat,  hat  der  Papst  es  den  Mächten  überlassen  müssen,
die  Grundlinien  und  notwendigen  Bürgschaften  aufzustellen.  Was  endlich
die  Kriegsschäden  anbelangt,  so  sagt  die  Note  in  bezug  auf  Belgien,  es  ser