Full text: Deutsches Wörterbuch. Dritter Band R-Z. (3)

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der Tiere: eine so wespenhafte taille Gaudy Erz. 71; 
das Liesze ins wespennest stechen Wildenbruch 
Generalseldob. 2, 6. 
West, m. Himmelsgegend nach Sonnenuntergang, 
Wind daher; wie ost, sud, nord ursprünglich gemein= 
germanisches, goth. nicht bezeugtes Richtungsadverb 
dunkler Herkunft, altnord. vestr, ahd. mhd. west; ad- 
verbial, vgl. unter ost; die Himmelsgegend: immer nuch 
west Schiller Columbus; dort gelegener Land= oder 
Meerteil: wo er ost und west durchfährt Günther 
140; Wind aus diefer Richtung: sanft entführt der 
west den dust Körner Nosam. 3, 10; Plur.: still 
liegen die weste Schiller Spaz. 17. — Zufammen- 
setzungen (außerhalb der Ländernamen): Westgrenze, ' 
westliche Grenze. — Westluft, von Westen wehende 
Luft. — Westmacht, 1# mächtiger Staat im Westen: die 
westmüchte England und Frunkreich. — Westseitc, s 
westliche Seite. — westwärks, nach Westen gerichtet. — 
Westwind, m. Wind von Westen 2. Mos. 10, 19. 
Weste, f. ärmelloses Rumpfkleid; in Frankreich um 
1680 aufgekommen, dort veste (nach lat. vestis Kleid) 
genannt und mit diesem Namen nach Deutschland über- 
tragen: eine reiche weste Cronegk 2, 25; auch Träger 
einer solchen: ich habe vor den groszen perücken, vor 
den sammtröcken, vor den reichen westen, nie weiter, 
als bis an die thure des vorssals, kommen können, ob 
ich gleich auch eine weste mit franzen anhatte Gel- 
ktert 4, 147. 
Westen, m. Himmelsgegend nach Sonnenuntergang, 
wie west ursprünglich bloßes Adv. der Richtung, alt- 
fächs. westana, ahd. westana, westan, von Westen her, 
mhd. westen, von, in, nach Westen; schon ahd. Subst. 
geworden, in älterer Spr. als Masc. und Neutr. Him- 
melsgegend und Wind daher (westan zepfprur Grafss) 
bezeichnend, neuer nur als Masc., die Himmelsgegend: 
der westen des himmels ist gerölet; von westen her, 
im westen; stern schön funkelst du in westen Goethe 
Werth. Leid. II. wolken zichen nach dem westen, nsch 
westen; dort getegenes Land: ein fanatischer eiser sprengt 
den verschloszncn westen wieder auf Schiller 9, 224. 
— westlich, nach Westen hin, im Westen, mhd. westee- 
liche (nur als Adverb); westliche länder, reiche; die 
feinde ziehen sich mehr westlieh Körner Toni 3, 9; 
westlicher wind, von Westen her kommend. 
Wett, abgezahlt, quitt, ledig; mhd. wette, erst spät 
hervorgegangen aus dem Subst. wette (s. d.) in ge- 
wiffen sesten Formeln: ctwas wird, ist wett; waz man 
den Juden schuldig waz, dsz wart alles wette D. Städtechr. 
8, 130; was sie für mich bezablt, ist dann wobl wett 
durch manchen dienst Grillparzer 7, 55; etwas wott 
machen, uhd. wette tuon: du bast mich niebt gelicbt, 
je, ich lich auch nicht! das macht uns wett 5, 117; 
(inen besuch (Hebel 2, 103), grösze mit grösze (Schil- 
ler Fiesko 5, I) wett machen; wett spielen: wenn dir 
ciner wieder wett spiclte, was du zu Parisz begangen 
Simpl. 1, 410; ungewöhnlich, vom Wetteifer: so lieben 
wir. . uns hand iu band durchs leben wett Herder 
Stimme d. Völker 5, 32. — Wette, I. Vertrag auf un- 
gewissen Ausgang bin, mit gegenseitiger Pfandsetzung; 
gemeingermanisches Wort, goth. vadi, altnord. veo, alt- 
engl. wedid. abb. weti. wetti, mhd. wete, wette mit den 
weiteren Bed. des Unterpfandes, der rechtlichen Ver- 
pflichtung, des Pfandvertrages, zu leistenden Schaden- 
ersatzes, auch der Geldbuße, urverwandt zu tat. vas 
Bürge, vadimonium Bürgschaft, litt. vadöti Pfand lösen; 
in alter Spr. nur Neutr., erst in mitteldeutschen Quellen 
erscheint dajür das Fem. (zu strittichir wette Jero- 
schin 771), das sich im Nhd. mit der Verengung des 
Sinnes festsetzt; wette als Wagespiel: eine welte bieten 
(Goethe Faust 1), cingchen (Schiller Fiesko 4, 14, 
verlieren, gewinnen, es gilt eine wette, u. a.; auch 
Wettpreis: dic wette war ein distelkopf Gleim3, 768; 
West — Wette. 
Wettbewerb — wetterleuchten. 1376 
als Wettstreit, in festen Formeln jreien Sinnes: die 
wette laufen Frölich Stob. 500; die schifte licfen 
fort die wette mit den winden Zesen Nos. 10; das 
er umb die wette erbeite mit den goldschmiden Weish. 
Sal. 15, 9; in die wette schrelben Caniz 66; mit 
uns in die wette leben Lefsing Nath. 5, 8; zur wette 
spornt er einst den feurigen Polacken Voß 6, 177.— 
Zusammensetzungen: Wettbewerb, m. neue Verdent- 
schung des fremden Concurrenz: den wettbewerd nichn, 
aushalten Ansland 1887, Nr. 5. — Wetteifer, m. Eiser 
in die Wette, Bestreben es dem Andern zuvor zu thun; 
wetteifern, solches Bestreben zeigen. — Wettkampf, 
Jauf, m. Kampf, Lauf in die Wette. — wettlaufen, in 
die Wette laufen. — wettrennen, in die Wette rennen; 
das wettrennen aus Rennplätzen. — Wettstreik, m. Streit 
in die Wette. — wettstreiten, Wettstreit unternehmen. 
Wetten, Wette eingehen (mhd. wetten auch in der 
weiteren Bed. des Subst.): wetien, ein gwet ihön, 2e 
Pfand setzen, opponere, deponere aliquich, certare 
nignore, mit eim wetten, pignore aliquo contendere 
Maaler; etwas, um etwas. hoch, viel, zehn gegen 
eins wetten; (sie) wetteten noch extra, der eine auf 
den mohr, der sndere auf den Guskonier, einen schil- 
ling, sechs sebilling Hebel 2, 275; dasz man immer 
mehr chaneen hat, wenn man auf den frieden wettet. 
als auf den krieg Moltke 1, 297; mit solgendem 
Satze: und wetten alt drey. velicher het das nuczest 
weib HSachs Fab. 2, 481; dennoch wett ich viel, 
ihr habt nichts vorzubringen Gellert Sylvia 2; so 
wollte ich wetten, dasz er nicht der verfusser ist 
Schiller Paraf. 5,6; als Redensart: so baben wir 
nicht gewettet Issland Herbsttag 1,1; — aufs Spiel 
fetzen: der mann . musz wetten und wagen Schiller 
Glocke 113. 
Wetter, n. Blitz und Donner; Beschaffenheit der 
Luft; gemeingermanisches, nur goth. unbezeugtes Wort, 
altnord. vedr, altengl. weder, altfächs. wedar, ahd. wetar, 
mhd. weter, urfprünglich den Blitzstrahl bezeichnend, zu 
fanskr. vedh schlagen, rädhatram tödliche Waffe ge- 
hörig, dann auf Sturm, Unwetter, endlich auf jede 
Art von Witterung bezogen; Bedeutungen, die von 
den ältesten deutschen Zeiten her bis beute geblieben 
sind; — Blitzstrahl: sing das weiter in sant Lorentzen 
kirch D. Städtechr. 3, 301; im Fluche: dich soll dus 
wetter schlagen Schiller Kab. 2, 4; donner und wetter! 
5, 5; — Gewitter, Unwetter: der berr, des wege in 
wetter und sturm sind Nah. 1, 3; hurg, nieder bis auf 
den grund von den wettern gerissen Hölderlin 63; 
ein wetter kommt, steigt auf, verzicht sich; allitte- 
rierende Verbindung: wind und wetter; in Vergleichen. 
und Bildern (vgl. auch donnerwetter): flink wie das 
wetter: wenn . . ewer unfal als ein wetter (kommt) 
Sfpr. Sal. 1, 27; (der Friedfertige) liesz solehe wotter 
(Zanl) voruber rauschen Kirchhof Wendunm. 225½; 
alles wetter kommt uber den geiger Schiller Kab. 
1, 1;— Witterung überhaupt: nasses, kaltes, schlechtes, 
trübes, schönes, helles. freundliches wetter u. a.; an- 
genehmes fruhlings- herbstwetter; übertragen: gut 
wetter sur kuppler Kab. 4,9. Im Bergwesen wetter 
die Lust in der Grube überhaupt; im Plur.: frische 
wetter in die grube bringen, frische äußere Luft, die 
wetter ziehen, faule wetter, saule Dünste Adelung. 
— Zusammensetzungen: Wetterdach, u. Schutzdach vor 
dem Wetter, namentlich über einer Thür. — Wetter- 
fahne, k. Windsahne. — wetterfest, sest gegen Unwetter: 
wettersester bauersmann (Treitschke 1, 253), wetter- 
feste offiziere (549), u. a. — Wetterglas, n. Baromcter. 
— Wetterhahn, m. Windsahne mit dem Bilde eines 
Hahns, um die Richtung der Luft zu erkennen. — 
wetterleuchten, blitzen ohne zu donnern: es wetler- 
leuchtete Keller Werke 1, 414; übertragen: wetter- 
leuchtender glanz von hundert bloszen wehren Wic-