mittleren Stellen von selbst, und in den untern nistet sich mit der gesteigerten
Aussichtslosigkeit und der Begünstigung Einzelner ein überwältigender
Mißmuth ein.
Wenn somit die Vortheile, welche das sogenannte Avancement „außer
der Tour“ der Armee bringen soll, nicht einmal vorhanden sind, so droht
es andererseits auf die Dauer einen höchst nachtheiligen Einfluß auf den
Geist im Offizier-Corps auszuüben, und zuletzt mehr als jedes andere
den „Rocher de Bronze“ anzufressen und in eine bröcklige Kalkmasse zu
verwandeln. — Denn, da es in die Hände der Commandeure gegeben
ist, die Betreffenden in den Conduitenlisten oder Qualificationsattesten als
zur Beförderung „außer der Tour“ geeignet zu notiren, so ist das Streben
bei den Einzelnen natürlich, sich zu diesem Zweck bei Jenen überall
in das nöthige rechte Licht zu stellen. Da nun aber der Schematismus
des Friedensdienstes wenig oder keine Gelegenheit zur Auszeichnung
bietet, so werden dabei oft auch andere Mittel und Mittelchen nicht verachtet.
So entsteht denn jene mit Ostentation zur Schau gelegte, oft
nur geheuchelte übermäßig loyale und fromme Gesinnung, jener Schein
von übergroßer Thätigkeit, wo es nur irgend vom Vorgesetzten bemerkt
werden kann; jenes Kokettiren mit oft nur erborgtem Wissen und Können;
jene Augendienerei und Kriecherei; jenes Verdächtigen und so bereitwillige
Zulächeln und Zunicken, wenn auch der Vorgesetzte mit seinem Urtheil
auf ganz falschem Wege ist; genug, jenes ganze widerwärtige Spiel der
Leidenschaften und Intriguen, wie es sich auch in der bürgerlichen Beamtenwelt
so oft zeigt, wenn eine neue Stelle zu vergeben ist, und wodurch
endlich das heiligste Band — das der Kameradschaft untergraben werden
muß. Auf solchem Wege kann zuletzt selbst der ehrwürdige Gehorsam
des Offiziers zur Liebedienerei, die Charakterfestigkeit zur Charakterlosigkeit
herabsinken, wenn am Ende der Ehrgeiz das Ehrgefühl zum Schweigen
bringt.
Die größere Befähigung für den Krieg kann man im Frieden nicht
erkennen, wohl aber die Unfähigkeit. Wer den geringen Anforderungen
des Friedensdienstes nicht überall und vollständig zu entfprechen vermag,
ist gewiß im Kriege ein unbrauchbarer Offizier, und darum ist die
höchste Fürsorge nothwendig, ebensowohl nicht von vornherein die Unfähigkeit
in die Armee zu bringen, wie auch da, wo sie sich trotzdem findet,
sie ohne Gnade und sogenannte humane Rücksichten auszumerzen, weil
sie nirgends mehr als gerade im Kriege das größte Unheil anrichten kann.
Die Funktionen eines Lieutenants kann in der Regel ein guter Unteroffizier
ebenso gut, oft noch besser versehen. Deshalb ist eine Ueber-