Full text : Geschichte des brandenburgisch-preußischen Staates.

Pommern.  —  Neumark.  —  Lebus.  37

größern  Abtretung  zugleich  die  Mitgift  seiner  Tochter  enthalten  war.

Zugleich  erkannte  er  die  Lehnsherrlichkeit  Brandenburgs  ausdrücklich

an,  wurde  aber  dafür  nebst  seinem  Vetter  Wartislaw  III.  zu  gesammter

  Hand  mit  Pommern  belehnt,  so  daß  die  frühere  Bestimmung  des

Vertrages  zu  Kremmen  aufgehoben  wurde.  Als  Wartislaw  1264

Hdrios,  starb,  vereinigte  er  deshalb  ganz  Pommern  zu  einer
errschaft.

Auch  auf  der  Ostseite  der  Oder  setzten  sich  die  Markgrafen  fest.
Die  zunächst  der  Warthe,  im  Norden  dieses  Flusses  gelegenen  Gebiete
sind  beständig  der  Zankapfel  zwischen  Polen  und  Pommern  gewesen,
und  dies  um  so  mehr,  als  hier  große  Sümpfe  und  Wälder  lagen,
welche  dieselben  schwer  zugänglich  machten.  Beide  suchten  die  Grenzen
dadurch  zu  sichern,  daß  sie  daselbst  nach  der  Sitte  der  Zeit  den  geistlichen
  Ritterorden  große  Schenkungen  machten.  So  übergab  Polen
1232  den  Tempelherren  das  Land  Küstrin,  während  ein  paar  Jahre
später  Pommern  demselben  Orden  das  Land  Bahn  u.  s.  w.  einräumte.
Diese  Streitigkeiten  veranlaßten  die  Markgrafen,  auf  Kosten  beider,
der  Pommern  wie  Polen,  ihre  Herrschaft  hierselbst  auszudehnen.  Dazu
kam  der  Umstand,  daß  Herzog  Barnim  seinem  Vetter  Swantepolk
von  Pomerellen  Beistand  gegen  den  deutschen  Orden  gewährte,  letzterer
aber  die  Markgrafen  gegen  Pommern  aufreizte.  So  geschah  es,  daß
Johann  und  Otto  sich  bis  zum  Jahre  1260  in  den  Besitz  der  Länder
Königsberg,  Bärwalde,  Küstrin,  Landsberg  und  Soldin
setzten;  daß  dieser  Besitz  ein  gesicherter  war,  dafür  zeugt  z.  B.,  daß
die  Stadt  Landsberg  a.  d.  W.  1257  gestiftet  wurde.

Etwa  gleichzeitig  mit  diesen  Erwerbungen  gelang  den  Markgrafen
auch  noch  eine  andere,  nämlich  die  des  Landes  Lebus  zu  beiden
Seiten  der  Oder,  den  jetzigen  Lebuser  und  Sternberger  Kreis  umfassend.
  Als  Kaiser  Heinrich  V.  im  Jahre  1110  einen  Kriegszug
gegen  den  Polenkönig  Boleslaw  III.  unternahm,  um  ihn  zu  seiner
Lehnspflicht  anzuhalten,  durchzog  er  diese  damals  polnischen  Gebiete
und  schenkte  Stadt  und  Land  Lebus  dem  ihn  begleitenden  Erzbischof
von  Magdeburg,  obgleich  dasselbe  noch  erst  zu  erobern  war.  Diese
Eroberung  scheint  damals  nicht  gelungen  zu  sein;  vielmehr  blieb  das
Land  polnisch  und  wurde  später  zu  Schlesien  gerechnet.  Die  Ansprüche
jedoch  auf  dies  Land  gab  Magdeburg  nicht  auf;  es  ließ  sich  1225
durch  Kaiser  Friedrich  II.  den  Besitz  desselben  bestätigen  und  zwar  zu
der  Zeit,  als  der  Landgraf  Ludwig  IV.  von  Thüringen,  vormundschaftlicher
  Regent  der  Markgrafschaft  Meißen,  in  einer  Fehde  mit  dem
damaligen  Besitzer  Mittel=  und  Nieder-Schlesiens,  Heinrich  dem  Bärtigen,
  1225  das  Schloß  Lebus  erobert  hatte.  Aber  obgleich  Ludwig
seine  Eroberung  an  Magdeburg  überließ,  so  vermochte  dies  doch  nicht
dieselbe  zu  behaupten.  So  vererbte  das  Land  auf  Herzog  Heinrich
den  Frommen,  der  im  Jahre  1241  in  der  Schlacht  bei  Liegnitz  gegen
die  Mongolen  fiel.  Von  seinen  Söhnen  führten  Boleslaw  von  Liegnitz
und  Heinrich  von  Breslau  um  die  Erbschaft  harte  Kriege  gegen  einander,
  in  welchen  Boleslaw  das  Land  Lebus  theils  verpfändete,  theils