Metadaten : Deutsches Wörterbuch. Dritter Band R-Z. (3)

857  strauchicht  —  Strebe.

ebelt  Schiller  Fiesko  2,  19;  jetzt  er  ist  auf  dem
pfade  der  tugend  gestrauchelt;  —  bezogen  auf  das
Sprechen:  es  sei  besser  mit  den  fuszen,  als  mit  der
Zzungen  strauchelen  Zinkgref  1,  128.  —  strauchicht,
strauchig,  mit  Sträuchen  versehen,  bestanden:  strauchiehter
  ort  Stieler;  die  nahen,  strauchiebten  hugel
Er  Kleist  Frühl.  282;  strauchartig,  struppig:  der  bart
strauchig  Goethe  30,  136.

Strauß,  m.  1)  Kampf,  Streit,  Hader;  mhd.  straz.
zu  dem  Verbum  mhd.  strinzen,  sträuben,  spreizen,  Widerstand
  halten  gehörig:  (sie  hatten)  ain  grosren  strausz
und  stosz  mit  ainander  D.  Städtechr.  5,  47;  auch  ist
sein  maul  (Maultier)  in  diescm  strausz  nicht  faul
Wieland  Sommerm.  2,  128;  dasz  wir  uns  gutlich
püegen  nach  diesem  harten  strausz  Uhland  360;  vom
Wortstreit:  der  mit  ihm  ost  einen  literarischen  strausz
bestanden  Ranke  Werke  1,  212;  (der)  gegen  den  anmaszenden
  englischen  gesandten  manchen  strausz  tapler
bestand  Treitschke  4,  641;  vom  innern  Kampfe:  besänftiget
  des  herzens  grimmen  stransz  Goethe  Faust
11  1;  der  seltene  Plur.:  die  furnehmsten  sträusze
nnd  kriegsthaten  Wurstisen  bei  Adelung.  2)  anderes
  strausz,  Büschel,  mhd.  noch  nicht  bezeugt,  aber
als  strüz  aus  dem  collectiven  gestriuze  Buschwerk  zu
erschließen;  in  nächster  Beziehung  zu  altnord.  strürr,
Streisen,  flatternde  Binde;  im  16.  Ih.  vom  Federbusch
auf  dem  Helme,  oder  auf  dem  Kopse  von  Vögeln:  erista
das  zier  auf  dem  helm,  strusz,  federpuseh  Dief.;  straus,
aper,  so  der  widebopf  oder  andere  vögel  anf  dem
kopfe  haben  Schottel;  straus,  federbusch  auf  dem
hut,  pluma  ebd.;  vom  Schweife  der  Kometen:  ein
rötbtblicher  stern  mit  einem  weiszen  strausz  Wiedemann
  Gefangenschaften,  Febr.  86;  fpäter  gewöhnlich
nur  noch  von  zusammengebundenen  Blumen,  Plur.
sträusze,  in  W  Spr.  auch  sträuszer:  straus,
ssertum,  bundlein  blumen,  borquet  Schottel;  fluren,
wo  wir  manchen  strausz  gepfluckt  Günther  282;
ein  strausz  rosen,  leldblumen;  fur  einen  strausz  von
veilchen  Hv  Kleist  Amphitr.  1,  1;  ich  bot  ibr  einen
strausz  von  orangenbluten  Benedix  ein  Lustspiel  2,  8;
kleine  stränszehen  von  edelsteinen  Wieland  Sylo.
3,  9;  bildlich:  am  verwelkten  strausz  der  vergangenheit
riechen  Schiller  Kab.  3,4;  —  strausz  am  Wirtshaus,
  Zeichen  bereiten  Weines  oder  Bieres;  sprichwörtlich:
  niemand  steckt  einen  strausz  aus  um  Eines  gastcs
willen  Simrock  539.  3)  drittes  strausz,  Bezeichnung
der  größten  Vogelart,  Lehnwort  aus  griech.-lat.  struthio,
ahd.  mhd.  strüg,  mud.  stros;  urfprünglich  in  starker
Declination,  ahd.  Plur.  straza,  die  auch  bis  jetzt  danert:
eins  strüzes  ci  Haupts  Zeitschr.  7,  311;  dem  trotzigen
strausz  s:  aus)  Lichtwer  Fab.  1,  11;  vom  strausz  bis
zum  kolibri  Maler  Müller  1,  13;  afrikanische,  arabische
  strausze;  im  Mhd.  hat  sich  dazu  schwache  Declination
  eingestellt,  ebenfalls  bis  in  neuere  Spr.  lebend:
von  dem  strauzen  Megenberg  222,  24;  strauszen
werden  da  wonen  Jes.  13,  21;  die  strauszen  und  die
spatzen  Hagedorn  Fab.  1,6;  —  vielsach  vogel  strausz,
auch  strauszvogel  (Adelung)  genannt;  sprichwörtlich:
es  machen  vie  der  strausz,  den  kopf  in  den  sand
stecken,  um  niehts  zu  schen;  den  magen  eines  strauszcs,
einen  slrauszenmagen  haben,  alles  vertragen  können.
Dazu  strausrei,  strauszenei,  Ei  des  Straußes;  bildlich:
uber  der  dritten  (Epoche  Europas)  brutet  der  weltgeist
es  ist  aber  ein  gewaltiggroszes  strauszenei  Perder
Briefe  zur  Beförd.  der  Hum.  2,  16;  nach  einem  Märchen:
nur  der  krämer,  er  sucht  noch  rubelos  sein  goldenes
strauszenei  Strachwitz  Ged.  5;  —  Sstrauszkeder,
strauszenfeder,  Feder  elnes  Straußes,  besonders  die
als  Schmuck  getragene  Schwungseder.

Strebe,  k.  Handlung  des  Strebens,  Widerhaltens,
mbd.  #rebe  (in  not-,  widerstrebe):  sich  zur  strebe
sctzen,  sich  widersetzen,  siräuben,  eine  stutzo  zur  strebe

Strebebalken  853
sctzen,  nach  schiefer  Nichtung  gegen  einen  andern  Körper
Adelung  als  landschaftlich;  in  der  Spr.  der  Baugewerle
  seit  früherer  Zeit:  (sollen)  nuch  dahinder  gut
bleiler  in  die  streb  gesctzt  sein  Fronsperger  l,  132-;
daher  strebo  —  schräg  stehende  Stütze,  bei  Zimmerlenten
  und  im  Brückenbau  Jacobsson;  diesc  mit
so  starken  pfeilern  und  streben  unterstutzten  werke
Wieland  Agathodäm.  5,  5;  des  bogens  alte  pracbt,
der  keck  von  ciner  strebe  zur  andern  ubersprang
Freiligrath  2,  146;  in  der  Schifffahrt  —  lange
Stange  zur  Unterstützung  der  Beisegel  und  Abhalten
feindlicher  Schifse  beim  Entern;  im  Bergbau  schmaler
Raum,  der  an  der  einen  Seite  der  Strecke  gehauen
wird.  —  Zusammensetzungen:  Strebebalken,  m.  Ballen
als  Strebe  gelegt.  —  Strebeband,  n.  bei  Zimmerlenten
Strebe.  —  Strebebogen,  m.  Steinbogen  als  Strebe
gegen  das  Mauerwerk  geschlagen.  —  EStrebeholz,  n.
Strebeband.  —  Strebepkahl,  m.  Pfahl  als  Strebe  bei
einer  Zimmerung.  —  Strebepfeiler,  m.  Pfeiler  als
Strebe  gegen  eine  Mauer  gesebt:  diese  flanken,  diese
strebepfeiler  Schiller  Tell  1,  3.

Streben,  gegen  einen  Widerstand  vorwärts  dringen;
mhd.  streben,  auf  ein  ahd.  unbezeugtes  streben  zurückführend,
  dunller  Herkunst,  aber  mit  der  alten  Bed.  der
gewaltsamen  Gliederbewegung  (ouch  muosten  din  ros
.  ir  ungestuemez  streben  län  und  senfteclichen  mite
gün  Erec  3470),  aus  der  sich  der  Begriff  des  Wimmelus,
ferner  des  Ringens,  Mühens,  Widerstrebens,  Kämpfens
herausbildet:  die  cristen  strebeten  unz  an  die  naht,
Kaiserchron.  15611;  wider  die  gotes  rittere  streben  livl.
Chron.  6112,  der  sich  auch  im  älteren  Nhd.  noch  erhalten
  hat:  strebe  nicht  wider  den  strom  Sir.  4,  31;
gewöhnlich  aber  ist  der  Sinn  des  Vordringens  nach
einem  Ziele,  schon  in  der  alten  Spr.,  entstanden:  sträben,
underston,  sich  arbeiten  oder  underwinden  etwas  ze
thän,  niti,  eniti  Maaler;  wohin,  nach,  zu  etwss
streben,  von  Menschen  und  Tieren,  meist  in  gutem
Sinne:  sbnde  nieman  mac  vergeben  wan  got  eine:
dar  sule  wir  streben  Freidank  150,  21;  wider  sd  2e
lande  streben  g.  Gerh.  2688;  strebt  aber  nach  den
besten  gaben  I.  Cor.  12,  31;  immer  strede  zum  ganzen
Schiller  Votivtafeln  15;  strebend  fur  seine  scele  zugleich
  und  der  freunde  zuruckkunft  Voß  Odysfs.  1,  5;
nach  jenem  durehgang  binzustreben.  Goethe  Faustl:
crobernd  in  die  weite  streben  Freytag  Bild.  1,  14;
beimwürts  streben;  streben  vorwärts  zu  kommen,  etwas
ver  sich  zu  bringen,  u.  a.;  seltener  mit  dem  Nebensinn
schädlicher  Absicht:  sein  unruhvolles  streben  nach
unserm  thron  Gotter  2,  30;  (er)  strebte  unserm  recbtmüszigen
  könig  meuchelmörderisch  nach  dem  leben
Klinger  1,  357;  möge  doch  mein  sehn  jagadglueklich
  sein,  wenn  er  auf  tbiere  strebt  Goethe  16,  60;
—  resl.,  mit  Angabe  der  Wirkung:  stetes  ringen  (eines
Einsiedlers)  sich  vom  leibe  los  zu  streben  Wieland
Wasserkufe  256;  ohne  Zielbestimmung:  es  irrt  der  mensch
so  lang  er  strebt  Goethe  Faust,  Prolog  im  Himmel:
der  mann  musz  .  virken  und  streden  Schiller  Glocke
1t10;  —  von  Seelenkrästen:  uberall  wo  kraft  streht
Herder  bei  Adelung;  der  uder  die  alltäglichkeit
binweg  strebende  sehwung  der  seelo  Zimmermann
ebd.;  von  Dingen:  wo  hüuser  streben  in  die  höh  un.
weite  Goethe  Nachspiel  zu  d.  Hagestolzen  1;  sio  (die
Pflanze)  strebt  gen  himmel  Tasso  2,  2;  dosz  jedes  dieser
festlande  (von  Amerika)  wiederum  mehr  von  norden
nach  suden  sich  ansdchnt,  anstatt  wio  dic  ländermassen
in  der  alten  welt  von  west  nach  ost  zu  streben  P  eschel
Völkerkunde  139;  —  im  Part.  der  Gegenwart:  jungere
strebende  geister  Ranke  Werke  1,  175;  eine  strebende
poetisch  geeinnto  jugend  152;  die  zur  unabhüngigkeit
  empor  strebenden  fursten  262;  Inf.  als  Subst.:
das  verworreno  streben  Schiller  Br.  v.  Mests.  373;
beide  gedichte  drucken  ein  sanftes  ..  streben  austreken.