Die Tätigkeit der im Deutschen Reiche errichteten staatlichen
Anstalten zur Gewinnung von Tierlymphe während des
Jahres 1902.
Nach den Jahresberichten der Vorstände zusammengestellt im Kaiserlichen Gesundheitsamte.
Im Berichtsjahre bestanden im Deutschen Reiche 22 staatliche Anstalten zur Gewinnung
von Tierlymphe.
1. Allgemeine Mitteilungen.
Das Personal.
In Cassel verstarb am 10. Februar 1902 an den Folgen eines Herzleidens der
erste und langjährige Vorsteher der Anstalt, Geheime Sanitätsrat Dr. Gießler. Von diesem
Zeitpunkt ab wurde die Leitung zunächst aushilfsweise und vom 1. Juli ab endgültig dem
seitherigen Hilfsarzt Dr. R. Meder übertragen. Zum Hilfsarzt der Anstalt wurde seit dem
15. September 1902 Dr. Wittich ernannt. In Dresden hat am 1. November der Amtstierarzt
Möbius die tierärztliche Aufsicht übernommen. In Stuttgart wurde an die
Stelle des Hilfsarztes Dr. Krauß der Medizinalrat Dr. Breit, Physikus im Landbezirk
Stuttgart, als Stellvertreter und Hilfsarzt des Zentral-Impfarztes berufen. In Weimar
trat gegen Ende des Jahres Dr. Ponndorf als Hilfsarzt ein. In Bernburg erfolgte ein
Wechsel in der Person des Aufsehers.
Die Räume der Anstalten.
In Königsberg i. Pr. erhielten die Innenräume der Anstalt einen neuen Anstrich,
die Fenster wurden gegen durchschlagenden Regen verdichtet, außerdem wurde das Dienstgerät
durch Anschaffung eines Instrumentenschrankes vervollständigt.
In Berlin kündigte im ersten Vierteljahre die städtische Verwaltung den Mietsvertrag,
weil der Gebäudeteil, in welchem die Anstaltsräume liegen, anderweitig verwendet
werden sollte. Die Räumung hätte im Anfange des Oktober stattfinden müssen, sollte
aber schon nach Ablauf der Hauptimpfzeit vorgenommen werden, weil der Verwaltung
anfangs daran lag, möglichst früh mit dem Umbau zu beginnen; indessen hat sich die ganze
Angelegenheit anderer Verhältnisse wegen verzögert, und wurden daher die bisherigen Räume
noch weiter zur Lymphegewinnung benutzt. Es schweben Verhandlungen über eine neu zu
errichtende Anstalt zwischen den staatlichen und städtischen Behörden, ein Plan zu derselben
ist schon von der Königlichen Ministerial= und Baukommission ausgearbeitet worden. Inzwischen
ist im Laufe des Dezembers die Herrichtung einer vorläufigen Anstalt auf dem
Viehhofe in Angriff genommen, und zu diesem Zwecke sind bereits Teile der alten Stalleinrichtung
verwendet worden.
In Stettin wurde der Fußboden des Kälberraumes mit einem neuen Asphaltüberstrich
versehen. Die in diesem Raume hergerichtete Dauerspülung des Fußbodens hat sich
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