Full text : Zeitschrift für die gesammte Staatswissenschaft. Neunter Band. Jahrgang 1853. (9)

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Kabinetts,  einer  Kamarilla,  und  die  Entlassung  des  Ministers  Beyme
verlangt.

Er  führte  zu  Steins  Entlassung,  deren  Kunde  bei  allen  Vaterlandsfreunden
  einen  tiefen  und  schmerzlichen  Eindruck  hervorrief.  Stein  zieht
sich  auf  sein  Schloß  in  Nassau  zurück.  Dies  und  die  weitere  Entwickelung
  der  Dinge  ist  schon  oben  (S.  47)  kurz  gestreift.

Zur  Ergänzung  des  dort  Gesagten  noch  folgendes:  Im  Sommer-1808
  spitzten  sich  die  Ereignisse  zu,  die  zu  seinem  zweiten  Abgange
führten.  Mitte  August  war  infolge  französischer  Spionage  ein  Brief
Steins,  der  sehr  offenherzige  Bemerkungen  über  die  allgemeine  Lage
enthielt,  aufgefangen  worden  und  zur  Kenntnis  Napoleons  gekommen.
Schon  jetzt  wurde  Steins  Stellung  unhaltbar.  Er  bat  um  seinen  Abschied,
  aber  der  König  wollte  seinen  Minister  nicht  verlieren  und  verweigerte
ihn.  Da  erschienen  Ende  Oktober  und  Anfang  November  in  der  Königsberger
  Zeitung  zwei  Gedichte;  das  erste  lautete:

„An  den,  dem  es  gilt.

Fest,  Edler,  steh!  ein  Fels,  an  dem  in  grausen  Wettern
Des  Sturmes  Grimm  vertobt,  der  Wogen  Drang  sich  bricht.
Empörtes  Element  umschlag'’  ihn  rings;  zerschmettern  —
Verrücken  mag  es  ihn,  den  Ur-Granit-Stein  nicht!

Bleib'  unser  Hort!  Geführt  von  Dir,  mit  Dir  verbündet,
Hofft  noch  der  Biedermann,  hegt  unverzagten  Mut!
Und  unerschüttert  steht,  unwandelbar  gegründet
Der  Bau,  der  fest  auf  Dir,  dem  starken  Grundstein  ruht!
Wer  Dich  besitzt,  ist  reich,  ist  sicher  in  Gefahren;
Ein  Schatz  von  Geist  und  Kraft,  vereint  in  Dir,  ist  Sein.
O  mög  er  sorgsam  Dich,  dem  Volk  zum  Heil,  bewahren,
Dich,  seines  Diadems  kostbarsten  Edelstein.“

Es  ist  hierin  schon  der  Spruch  enthalten,  den  das  Volk  später  seinem
Stein  oft  gegeben  hat:

„Des  Guten  Grundstein,
Des  Bösen  Eckstein,
Des  Deutschen  Edelstein.“

Freilich  jetzt  wurde  die  Lage  hierdurch  nur  verschärft.  Die  Verse
erregten  die  Wut  der  Franzosen,  die  hierin  einen  unerlaubten  Trotz  gegen
Napoleon  sahen.

Stein  bittet  am  7.  November  zum  zweiten  Male  um  seine  Entlassung.
  Noch  immer  nicht  kann  sich  der  König  entschließen.  Doch  die
Entlassung  wird  schließlich  zur  Notwendigkeit.  Aus  Spanien  kommen
Nachrichten  von  dem  zunehmenden  Zorn  Napoleons,  weil  Stein  noch
immer  im  Amte  ist.  Der  Bestand  ganz  Preußens  ist  deshalb  bedroht.
So  legt  Stein  sein  Amt  nieder.  Durch  die  oben  (S.  48)  erwähnte
Kabinettsorder  vom  24.  November  1808  wird  ihm  seine  Entlassung  erteilt.
  Stein  begibt  sich  zunächst  nach  Berlin  und  trifft  dort  nach  langer

Petersilie,  Preußische  Städteordnung.