218
gänzlich germanische Gefühlsweise angenommen hatte, in den
Geist und Geschmack der Renaissance umgewandelt wurde.
Ja man geht nicht zu weit, wenn man behauptet, die
Hierarchie des Mittelalters selbst und die Macht des Papstthums
war das Werk der Deutschen. Der griechisch-römische Kaiser
würde niemals den Bischof von Rom in gleich berechtigter Neben—
ordnung, sondern nur in absoluter Unterordnung geduldet haben.
Nur der in der deutschen Natur liegende Idealismus konnte die
Idee der Theokratie fassen und im Doppelreich des christlich germanischen
Mittelalters, in dem Dioskurenpaar des Kaisers und
Papstes verwirklichen. Man hielt es noch unter den sächsischen
Kaisern für möglich, daß das Papstthum friedlich neben dem
Kaiserthum bestehen könne, daß keines von beiden aus der Art
schlagen würde. Man traute dem romanischen Süden noch so
viel Ehrlichkeit und Treue zu wie dem germgnischen Norden.
Aber schon unter den salischen und schwäbischen Kaisern offenbarte
sich, daß der Romanismus seine Nebenordnung nicht ertrug,
sondern sich den Germanismus um jeden Preis unterordnen wollte.
Ihm fehlte eben die ideale Auffassung, die Hingebung für eine
große Idee, die Opferfähigkeit, die waffenbrüderliche Treue im
Dienste der Theokratie. Er war zu egoistisch, verspottete die
Frömmigkeit der gutmüthigen Deutschen und betrog und übertölpelte
sie mit Schlangenklugheit. Die Päpste dienten mehr
dem romanischen Racenstolz und Raceninteresse, als dem Christenthum,
obgleich sie immer im Namen des Christenthums zu handeln
vorgaben. Sie schlossen sich daher an die französischen
Könige an, welche das gleiche Raceninteresse hegten, und beide
ruhten nicht, bis sie das edle schwäbische Kaiserhaus ruinirt
hatten. Als die von ihren eigenen Fürsten häufig verrathenen
Deutschen in ihrer frommen Leichtgläubigkeit sich fort und fort
alles von den Päpsten gefallen ließen, glaubten diese auch die
letzte Scham ablegen zu dürfen. Die röntische Kurie verwan-