terstützungen für so klägliche Resultate verwendet werden, indem
bei den meisten Prüfungen der letzten Jahre für das Einjährig-Freiwilligen-Examen
die größere Zahl der Examinanden duck
siel. Ein schlagenderes Zeugniß für den Mangel an Strebsamkeit
und Bildungstrieb der Bourgeoisie kann es nicht geben,
denn die Ansprüche sind nicht zu hoch gestellt. Das Bestehen
der Einjährig-Freiwilligen-Prüfung ist das Maximum, das „Ideal“
der Bourgeoisbildung und dieses niedrig gestellte Maximum erreichen
so Wenige.
In Leipzig wird für Unterhaltung der höheren Schulen aus
der Gemeindekasse das Drei-, Vier= und Mehrfache des Satzes
ezahlt, welcher für die Besucher der Bürgerschulen und der
Götssulen (Armenschulen) per Kopf gezahlt wird; in Zwickau
zahlte 1874 die Stadt auf einen Schüler in den Volksschulen
16 ½ Mark, auf einen Schüler der Realschule 94 M.; in Mittweida,
mit einer meist sehr armen Bevölkerung, zahlt die Stadt
für jeden Volksschüler 18½ M., Staat und Stadt zusammen
für den Realschüler 191 M.
Nach dem sächsischen Staatsbudget von 1875 zahlte der
Staat Zuschuß für die Landesuniversität in Leipzig 646,287 M.,
für die übrigen höheren Schulen wie Gymnasien, Nealschulen,
Polytechnikum u. s. w. 3,075,000 M., für die gesammten Volksschulen
nur 1,141,425 M. Für die Schüler der höheren Bil.
dungsanstalten zahlte der Staat pro Kopf 261½ M., für die
Schüler der Volksschulen pro Kopf etwas über 2½ M.; für
die ersteren also das Hundertfache.
Der Staat zahlt für die circa 4 pCt. der Bevölkerung,
deren Kinder die höheren Bildungsanstalten besuchen, 2,579,862
Mark mehr, als für die 96 pCt. der übrigen Bevölkerung. Und
doch sind es die Massen, welche vorzugsweise die Steuersummen
aufbringen. Das nenunt sich „Gerechtigkeit“.
Aber diese Art „Gerechtigkeit“ zeigt sich auch nach einer
anderen Seite. 1875 gab es in Sachsen für die 14,222 Zöglinge
der höheren Bildungsanstalten 1222 Lehrer, für die
441,393 Schüler der Volksschulen nur 5,015 Lehrer. In den
höheren Bildungsanstalten kam durchschnittlich 1 Lehrer auf
12 Schüler, in den Volksschulen 1 Lehrer auf 88 Schüler.
In manchen Orten giebt es Lehrer, die 120 und selbst 140
Schüler unter sich haben, wie kann da von lehren die Rede sein?
Und trotz solcher Zustände zählt Sachsen zu denjenigen deutshen
Staaten, wo das Schulwesen durchschnittlich noch am
„besten“ bestellt ist. Traurig.
Wie die Volksschule in Bezug auf die Zahl der Lehrkräfte
in schandbarer Weise vernachlässigt ist, so sind es die Lehrkräfte
in Bezug auf ihre materielle Stellung, und die Folge ist, daß