Full text : Archiv für öffentliches Recht.Dritter Band. (3)

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dem  Ueberwuchern  antiquarischen  und  philosophischen  Beiwerks  einig
in  der  Grundüberzeugung,  dass  auch  auf  dem  Gebiete  des  öffentlichen
Rechts  „Jus  Jus  bleiben  müsse“,  d.  h.  nicht  in  Geschichte  oder  Politik
ausarten  dürfe.  Laband.

Dr.  L.  Goldschmidt,  Reichsoberhandelsgerichtsrath  a.  D.,  ordentl.
Professor  in  Berlin  etc.  Rechtsstudium  und  Prüfungsordnung.

  Ein  Beitrag  zur  preussischen  und  deutschen  Rechtsgeschichte.
  Stuttgart.  Ferd.  Enke.  1887.  8°.  451  8.

Unter  den  zahllosen  Schriften,  welche  in  den  letzten  Jahren  sich
mit  dem  juristischen  Bildungs-  und  Prüfungswesen  befasst  haben,
nimmt  die  vorliegende  durch  die  Art  und  Weise,  wie  der  Gegenstand
in  derselben  behandelt  worden  ist,  einen  hervorragenden  Platz  ein.
Der  Verf.  konnte  mit  Recht  sie  als  einen  Beitrag  zur  Preussischen
und  deutschen  Rechtsgeschichte  bezeichnen,  denn  der  grösste  Theil
des  Werkes  besteht  in  historischen  Untersuchungen  über  den  Entwicklungsgang
  des  juristischen  Bildungswesens  in  Preussen,  welche
durch  ihre  Gediegenheit,  Gründlichkeit  und  Gelehrsamkeit  für  sich
einen  selbständigen  und  bleibenden  wissenschaftlichen  Werth  haben,
auch  wenn  man  von  dem  Zusammenhang  derselben  mit  den  praktischen
  Reformvorschlägen  des  Verf.  ganz  absehen  wollte.

Das  Buch  zerfällt  in  vier  Abschnitte.  Der  erste,  mit  der  Ueberschrift
  „Der  Rechtszustand  und  die  Rechtshandhabung“  (S.  10—104)
hat  im  Wesentlichen  die  Aufgabe,  den  mangelhaften  Zustand  des
juristischen  Bildungswesens  in  Preussen  zu  constatiren.  An  der  Hand
des  in  der  Literatur,  in  Petitionen  der  juristischen  Facultäten,  in
Verhandlungen  des  Deutschen  Juristentages  und  in  Parlamentsreden
vorhandenen  Materials  veranstaltet  der  Verf.  eine  „Enquete“,  welche
theils  die  Thatsachen  zusammenstellt,  aus  welchen  sich  der  Verfall
der  juristischen  Bildung  in  Preussen  ergibt,  theils  die  Urtheile  und
Vorschläge  der  gründlichsten  und  unbefangensten  Kenner  der  einschlägigen
  Verhältnisse  resumirt.  Ihnen  gegenüber  stellt  der  Verf.
die  Preussische  Tradition  und  die  öffentliche  Meinung,  den  unheilvollen
Einfluss,  den  die  isolirte  Codification  des  Landrechts,  die  Erstarrung
der  Rechtswissenschaft  in  Preussen  bis  zur  Mitte  der  zwanziger  Jahre,
die  hervorragende  Unwissenschaftlichkeit  der  rheinpreussischen  Juristen
(namentlich  unter  dem  Justizministerium  Sımon’s)  ausgeübt  haben,  den