Zum modernen Genossenschaftsrechte 2c. 159
wie ist da, wo diese dritte Rechtsquelle Anwendung
finden foll, somit da, wo Gesetz und Gewohnheit
noch keine bindenden Rechtssätze bieten, das geltende
Recht festzustellen? Hierauf gibt uns wohl Puchta,
Pand. § 16 die treffendste Antwort: Wir haben in
solchen Fällen zur Analogie und zur juristischen
Consequenz unsere Zuflucht zu nehmen. Dies
heißt, wir sind entweder „verpflichtet“, die Rechtssätze
verwandter Institute auf das noch ungeregelte
Institut der Genossenschaft analog zu übertragen.
Oder aber da, wo solche Analogieen sich entweder in einer
allzureichen, mehrfachen Auswahl — oder gar nicht —
bieten, ist aus dem vorhandenen Materiale oder bei
völligem Fehlen aus inneren Gründen (oder der
Natur der Sache) ein Prinzip zu ermitteln (zu abstrahiren);
von dem ermittelten Prinzipe aus sind
alödann mittels juristischer Consequenz die einzelnen
Anwendungen oder Rechtssätze für das noch ungeregelte
Institut zu folgern. Darin somit liegt wohl
die Aufgabe der Feststellung oder der Construktion
der einzelnen Rechtssätze solcher, durch Gewohnheitsrecht
an sich feststehender moderner Institute 14) überhaupt,
welche dieser einzelnen Rechtssätze zur Zeit
noch entbehren, wie der Genossenschaft.
S. 3. Feststellung der einzelnen Rechtssätze)).
. Mehbrfach findet sich die Anschauung, daß über
die moderne Genossenschaft nur deren Statut entscheide.
Indessen dürfte dies nicht als eine Lösung,
sondern nur als Umgehung einer solchen anzuerkennen
sein. Allerdings nämlich wird durch Verträge . 2c.
alles dispositive Recht geändert; so kann auch durch
ein Statut, welches durch Vertrag, Privatautonomie,
14) Ueber diese Fragen vgl. schon meine Untersuchungen
über die heutige Schmerzensgeldklage, Erlangen 1860.
1) Vgl. v. Sicherer 1. c. S. 502 ff. Stobbe, d. Pr.
2. Aufl. I K. 61.