24 Reichsgerichtliche Entscheidungen.
abgelehnt, so muß der Gerichtsbeschluß erkennbar
machen, ob die Ablehnung aus rechtlichen oder aus
thatfächlichen Gründen erfolgt ist. S. II 99/80.
Urth. v. 6. Februar 1880. (St PO. g. 243 Abs. 2.)
Wurde bei der Hauptverhandlung wegen eines
zwar vorgeladenen, aber nicht erschienenen Zeugen
ein Beweißantrag nicht weiter gestellt oder der desfallsige
Beweisantrag durch Gerichtsbeschluß abgelehnt,
so konnte die Beweisßaufnahme auf diesen vorgeladenen
Zeugen sich nicht erstrecken, und kann
darauf, daß der vorgeladene Zeuge nicht vernommen
wurde, die Revision nicht gestützt werden.
Unter den „sämmtlichen vorgeladenen Zeugen
und Sachverständigen“ sind nur die auch wirklich
herbeigeschafften oder erschienenen Zeugen und
Sachverständigen zu verstehen. S. I 83/80. Urth.
vom 29. Januar 1880. (St PO. g. 243 Abs. 2,
8. 244 Abs. 1.)
Die Protokolle über die sich widersprechenden
Aussagen eines in einer Civilprozeßsache vernommenen
Zeugen sind, sofern sie nicht Wahrnehmungen
über den Gegenstand der Untersuchung oder über die
Person des Angeklagten betreffen, als Urkunden zu
betrachten, welche zum Beweise der Unglaubwürdigkeit
derselben in der Hauptverhandlung als Zeuge
vernommenen Personen verlesen werden dürfen. S. I
2612/80. Urth. v. 14. Oktober 1880. (St PO.
8. 68 Abs. 1, 8. 248.) «
Nur Protokolle über richterliche, nicht polizeiliche
Vernehmungen dürfen bei Versterben, Geisteskrankheit,
Unauffindbarkeit eines Zeugen verlesen
werden; das Gesetz gestattet auch, wenn ein Zeuge
(Polizeibeamter) sich der Aussage einer von ihm zu
Protokoll vernommenen Person nicht mehr erinnert,