15 Vorgeschiehte der Akadenie.
und die deutsche »Libertät« in den trübsten Tagen, seine Verdienste
um die deutsche Sprache brauchen leute nicht mehr ans Licht gestellt
zu werden'. An dieser Stelle mag es genügen, aus dem Entwurf
des Dreissigjährigen vom Jahre 1676 zur Gründung einer deutschen
Gesellschaft der Wissenschaften die von edlem patriotischen
Stolz und von heisser Sorge für Jas Vaterland zeugenden Worte
mitzutheilen?:
»Accedit patriae amor. «quae praestantissimorum ingeniorum et pulcherrimorumn
inventormm ferax. nescio quo tamen torpore gloriam snam non satis tuetur,
dum exteri, nostra novo habitu produeentes, nobis ipsis imponunt et labore alieno
sacpe eallide fruuntur. Nos vero interea non nisi ipsos [istos?] eitamus laudamusque.
p-425 ff.). die mit den berühmten Worten schliesst: »Le faux zele est un tyran
qui depeuple les provinces. La tolerance est une tendre mere qui les rend florissantes«.
rühmt er (p.439) Leissız und Tuomasıus als die beiden verdientesten Gelehrten
Deutschlands: »1ls enseignerent les routes par lesquelles la raison doit se
eonduire pour parvenir A la verite. Ils combattirent les pr&juges de toute espece.
ils en appelerent dans tous leurs ouvrages a l’analogie et & l'experience. qui sont
les denx bequilles avee lesquelles nous nous traimons dans la carriere du raisomement«.
Vergl. hierzu Hist. de mon temps ((Euvr. T. II) p. 38: »T1l n’y eut que
deux hommes qui se distinguerent a cause de leur genie. et qui firent honnenur
a la nation: Tun. c’est le grand Lriesiz, et l’autre. le docte Tuomasırs. Je ne
fais point mention de Worrr. qui ruminait le systeme de Lriesız, et rabächait longuement
ce que l’autre avait Ecrit avec feu«.
I Diesen Verdiensten thut der Nachweis nicht den geringsten Eintrag. dass
die zuerst von Ecxnarr nach Leisniz’ Tode im Jahre 1717 veröffentlichten, berühımten
»Unvorgreiflichen Gedanken betreffend die Ausübung ımd Verbesserung
der teutschen Sprache« (s. GUnrAUVER. LeisxıTz’s deutsche Schriften 1. Bd. 1838
S.440 ff. und sonst öfters gedruckt) in allen wesentlichen Punkten anf den hoclıverdienten
Germanisten ScuorteLius zurückzuführen sind (s. Schmarsow, Justus
(1FoRGıVs ScHorreELıus. I: Leipsız und SchortTeELivs. Strassburger Dissert. 1877).
Leienız hat sie. wie so vieles Andere, sich angeeignet und erst wirksam gemacht.
Dass die Deutschen sich später als andere Nationen von dem scholastischen Betrieb
der Wissenschaften befreit haben, erklärt Leiewiz aus ihrem Festhalten au der
lateinisehen Sprache und aus der mangelnden Sorge für die eigene herrliche Sprache.
Jene »Unvorgreiflichen Gedanken« sind in der Geschichte der Preussischen Akademie
aın Ende des 18. Jahrhunderts epochemachend geworden. als sie sich von der
französischen Spraehe befreite. Der Curator und Minister v. IlERTZRERG griff auf
die Abhandlıng von Leienız zurück in einer akademischen Vorlesung am 26. Jannar
1792 ıınd setzte einen eigenen Aussehuss ein, um die Gedanken des Patrioten auszuführen:
» Wir dürfen ihm nmr pünktlieh folgen und die letzte Lland daran legen,
indem wir die Veränderungen hinzufügen, die durch die Fortschritte der Wissenschaften
ımd selbst in der deutschen Sprache während dieses langen Zeitraums
von beinahe einem Jahrhundert nothwendig gemacht werden... Die Akademie zu
Berlin. die unter ihren Mitgliedern mehrere anschnliche deutsche Gelelirte zälılt. glaubt
sich zur Ausführung dieses grossen Plans berufen«.
? Krorr, a.2.0. 3.Bd. S.312 fl.: »Consultatio de natınrrae eognitione ad
vitae usus promovenda instituendaqne in ea rem Societate Germanica. 4quae scientias
artesque maxime utiles vitae nostra lingnua deseribat patriaeque honorem vindieet«.