Die strategische Sonnenwende 43
schon die Donner neuer gewaltiger Durchbruchsschlachten. Der Russe griff
in Galizien an, Engländer und Franzosen schritten an der Somme zum
Sturm. Deutsche und Österreicher sahen sich das Gesetz des Handelns
entrissen und von einem Tag auf den anderen in die Abwehr gedrängt.
Die strategische Sonnenwende kündigte sich an.
Wohl hatten die Briten am 29. April in Kuc. el-Amara vor der 6. türkischen
Armee die Waffen gestreckt, aber das englische Unterhaus nahm am
3. Mai das Geseth über die allgemeine Dienstpflicht an. Wohl hatte am
31. Mai die deutsche Flotte in einer großen Begegnungsschlacht vor dem
Skaggerrak den britischen Geschwadern schwerere Verluste beigebracht als
sie selbst erlitt, aber die Blockade Mitteleuropas blieb ungebrochen. Wohl
war Conrad bei Asiago und Asiero tief in Cadornas linke Flanke gelangt,
aber der Angriff, den Brussilow am 4. Juni mit vier Armeen zwischen
Stochod und Pruth ausführte, durchbrach schon am ersten Tage die Front
der k. und k. 4. Armee und drohte die ganze Ostfronk bis zum Karpaehenwali
einzureißen. Wohl war in der Schlacht bei Verdun die ganze französische
Armee zum Bluten gebracht worden, aber als am 1. Juli Engländer
und Franzosen an der Somme in einer Breite von 40 Kilomelern zum
Angriff schritten, zeigte sich, daß sie stärlere lebendige und materielle Kräfee
ins Feld fübren konnten, als der vor Verdun gebundene und von Osterreich
um Hilfe angegangene Deutsche. Die strategische „Abkürzung", durch die
Falkenhayn und Conrad v. Hötendorf, jeder für sich, den Krieg zu entscheiden
gehofft hatten, war der Kriegführung der Mittelmächte verhängnis.
voll geworden. Sie waren getrennt marschiert, hatten getrennt geschlagen
und darüber die Handlungsfreiheit verloren. Der Gegner griff an.