30 Die einzelnen technischen Hochschulen.
Berlin berufenen Physikers Dr. Seebeck (gestorben 1849:, neben dem
aus der damaligen Lehrerschaft der Mincraloge und Geologe Hans
Bruno Geinitz, der mehr als 50 Jahre, und der Geodät August Nagel,
der mehr als 40 Jahre an gleicher Stelle wirksam sein sollte, weiterhin
der Mathematiker Oskar Schlömilch (1849 —74) und der Technologe
Julius Hülsse, 1850 —73 Direktor der Anstalt, als Männer von wissenschaftlichem
Rufe hervorzuheben sind.
In drci Sektionen (später Abteilungen genannt) gliederte sich
1851 die nunmehr als „Polytechnische Schule“ bezeichnete Anstalt:
in eine für Maschinenbauer, eine für Bauingenieure, eine
für Chemiker, zu denen 1855 eine vierte für zukünftige I.chrer der
Mathematik, Naturwissenschaften und Technik, die L.ehrerabteilung
trat. Diese Scktionen bildeten zusammen die obere im (regensatz
zur unteren, den Charakter ciner Vorschule tragenden Abteilung,
welche die Funktionen einer Realschule mit zu erfüllen hatte; denn
das sächsische Realschulwesen lag noch im Ärgen. Dieser Zwang
für die Polytechnische Schule, auch die Elemente der Mathematik
und der Naturwissenschaften in ihren I.ehrplan aufzunehmen und
schulmätßsige Disziplin zu üben, war ein lästiger Hemmschuh auf
ihrem Jontwicklungswege. Wenigstens einige seiner Stationen seien
hier angedeutet. Was Jahr 1852 brachte Maturitätsprüfungen für
jeden Schüler, der aus der unteren in die obere Abteilung übertreten,
und jeden, der die Anstalt als ausgebildet verlassen wollte; das
Jahr 1865 die Umwandlung der unteren Abteilung in einen „AIlsemeinen
Kursus“, der zu Ostern jedes Jahres begann und drei
Semester umfaßte, während in jeder der vier Fachschulen drei im
Oktober beginnende und bis Ende Juli dauernde Jahreskurse abgehalten
wurden. Für die Aufnahme in den allgemeinen Kursus war
jetzt das zurückgelegte sechszehnte Lebensjahr und für sächsische
Ländeskinder ein Reifezeugnis einer sächsischen Realschule nach dem
Regulativ vom 2. Juli 1860, ein Reifezeugnis eines Gymnasiums oder
ein Zeugnis der dritten Klasse der höheren Gewerbeschule in Chemnitz
erforderlich. Da aber eine solche Realschule — erst in den nächsten
zwei Jahrzehnten hat sic ihren Kurs auf sieben, dann auf acht Jahre
erweitert, um schließlich Realgymnasium mit neunjährigem Kurs zu
werden — mit einem Gymnasium sich nicht messen konnte, machte
sich zunächst noch der Übelstand einer ungleichmäßigen Vorbildung
der Hörerschaft des Allgemeinen Kursus geltend, und so waren es
auch 1870 zunächst nur die Studierenden der Fachabteilungen, denen
für die Zukunft die freie Wahl der Vorträge und Übungen zugestanden