Full text : Bei den Fahnen des III. Armeekorps von Metz bis le Mans.

—  141  —

Der  Feind  hatte  sich,  nachdem  er  nach  dem  mißglückten  An—
griffe  am  31.  Dezember  wieder  hinter  den  Azay-Abschnitt  zurückgegangen
  war,  am  5.  Januar  wieder  vor  der  Front  des  Generals
von  Kraatz-Koschlau  verstärkt  und  den  Wald  von  Vendôme
besetzt.  Am  6.  trat  die  10te  Division  der  Disposition  gemäß
aus  ihrer  Stellung  bei  Vendoôme  den  Marsch  auf  Montoire
an,  während  ihre  Vorposten  bis  zu  unserm,  des  III.  Korps
Eintreffen,  stehen  geblieben  waren,  durch  leichte  Angriffe  des
Feindes  belästigt,  ohne  jedoch  dadurch  zum  Aufgeben  ihrer  Stellung
  gezwungen  zu  werden.  Gegen  3  Uhr  wurde  die  Brigade
zum  Angriff  befohlen  und  das  52ste  Regiment  vorgezogen,  während
  wir  als  2tes  Treffen  zu  folgen  hatten.  Das  Wetter  war
inzwischen  mild  geworden,  was  bei  dem  Vormarsch  und  besonders
  beim  Ersteigen  des  steil  ansteigenden  Plateaus,  da  der
fette  Erdboden  in  seiner  oberen  Schicht  gethaut  und  dadurch
sehr  schlüpfrig  geworden  war,  keineswegs  die  Annehnmlichkeit
erhöhte.  Diese  Bodenbeschaffenheit  brachte  beim  Antreten  unsern
Regiments-Adjutanten,  Premierleutnant  W.,  zu  Fall,  sein
Pferd  glitt  aus  und  stürzte  mit  seinem  Reiter  den  steilen
Hang  hinunter.  Den  braven  Offizier  hatte  jedoch  auch  diesmal
  sein  altes  Glück,  er  war  nämlich  während  des  Feldzugs
schon  dreimal  ohne  Schaden  zu  nehmen,  mit  dem  Pferde  gestürzt,
  nicht  verlassen,  er  erholte  sich  nach  kurzer  Zeit  wieder
von  seinem  Sturz  und  stieg  wieder  zu  Pferde.  Sein  Geschick
sollte  sich  leider  nach  wenigen  Tagen  erfüllen,  auf  dem  blutigen
Felde  von  Changé  starb  er  nach  5  Tagen  den  Soldatentod.

Nach  Besteigen  des  Plateaus  ließ  der  Regimentskommandeur,
  Oberstleutnant  von  K.,  die  Bataillone  Kolonne  nach  der
Mitte  formieren,  auf  ganze  Distanze  auseinanderziehen  und
gegen  Azay  avanzieren,  um  welches  heftig  gekämpft  wurde.  Es
war  uns  jedoch  diesmal  nicht  beschieden,  eine  thätige  Rolle  in
der  Schlacht  zu  spielen,  wir  waren  vielmehr  dazu  verurteilt,
den  Kugelfang  für  die  über  das  Iste  Treffen  hinweggehenden
Geschosse  zu  bilden,  eine  ebenso  unfruchtbare  wie  langweilige
Aufgabe.  Die  Franzosen  entwickelten  viel  Artillerie,  doch  erreichten
  uns  ihre  Granaten  nicht,  oder  schlugen  in  die  Intervalle
  der  Bataillone.  Das  Terrain  war  für  die  Verteidigung
sehr  günstig,  der  tief  eingeschnittene  Azaygrund  wurde  in  seiner