Contents : Zwei Reden des Königs Friedrich Wilhelm IV.

*  Hen  Eindruck  zu  beschreiben,  welchen  am  15.  Oktober  der  Anblick
eines  vor  den  Stufen  des  Thrones  versammelten  Volkes  machte,  versammelt,
  um  seinem  geliebten  König  und  Herrn  die  Gelübde  der  Treue
darzubringen,  dies  würde  der  Schilderung  einen  großen  und  dankbaren
Stoff  darbieten  —  wenn  heute  überhaupt  davon  die  Rede  seyn  könnte.
Alles,  was  sinnlich  in  das  Auge  fiel,  der  ganze  festliche  Prunk  auf
einem  der  schönsten  Plätze  Europa's,  die  Aufzüge,  Fahnen,  der  Kanonendonner,
  Alles  verschwindet  gegen  den  Inhalt  der  Worte,  welche,  aus
dem  Munde  Sr.  Majestät  gesprochen,  nunmehr  in  den  Herzen  Aller
fortleben,  welche  sie  vernahmen,  und  rasch  nach  allen  Gränzen  des
Landes,  und  darüber  hinaus,  forttönen  werden.  Bevor  wir  aber  diese
mittheilen  können,  müssen  wir  den  Verlauf  der  auf  einander  folgenden
Akte  noch  ein  Mal  wiederholen.  Se.  Majestät  hatten  sich,  unter  den
Augen  der  harrenden  Menge,  in  feierlichem  Zuge  die  große  Freitreppe
hinunter  über  den  Platz  nach  der  Kirche  begeben,  woselbst  an  Sie  die
Huldigungs-Anrede  der  evangelischen  Geistlichkeit  von  dem  ersten  evangelischen
  Bischof,  Dr.  Eylert,  gehalten  und  mit  dem  von  allen  anwesenden
  Geistlichen  wiederholten  Amen  geschlossen  worden  war.  Sie  hatten
sich  in  demselben  Zuge  und  auf  demselben  Wege  in  das  Schloß  zurückbegeben.
  In  dem  Rittersaale  hatten  Se.  Majestät  zunächst  die  Abgeordneten
  der  katholischen  Geistlichkeit  vor  sich  gelassen,  den  Bischof  von
Paderborn,  Freiherrn  von  Ledebur,  an  ihrer  Spitze.  Nachdem  die  Huldigungs-Anrede

  gehalten  war,  hatten  die  ehemals  reichsständischen  Fürsten
*