Full text : Regierungs-Blatt für das Großherzogthum Sachsen-Weimar-Eisenach auf das Jahr 1894. (78)

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Rechtsquellen  vorangestellt.  Als  „Besondere  Rechtsgeschichte“  schliessen
sich  hieran  Abschnitte,  welche  das  Staats-,  Prozess-,  Straf-  und  Privatrecht
behandeln.  Bei  der  Aufstellung  eines  Systems  der  deutschen  Rechtsgeschichte
ist  die  Verwerthung  einer  germanischen  und  einer  fränkischen  Periode  die
gewohnte  und  unbedingt  richtige.  Auch  darin  stimmt  Referent  dem  Verf.
bei,  dass  das  Mittelalter  nicht  als  eine  grosse  geschlossene  Masse  zusammenzufassen
  sei.  Jedenfalls  erscheint  ihm  beim  mündlichen  Vortrag  eine  Theilung
  im  Interesse  der  leichteren  Uebersicht  und  der  Präzision  der  Darstellung
  empfehlenswerth.  Fasst  Referent  hierbei  die  den  beiden  Büchern
vorausgeschickte  Uebersicht  über  die  politische  Geschichte  in’s  Auge,  so  berührt
  er  sich  im  Wesentlichen  mit  dem  Verf.  in  den  Zeitgrenzen,  welche  er
jenen  Unterabtheilungen  des  Mittelalters  beim  mündlichen  Vortrag  giebt.
Minder  bereitwillig  kann  den  vom  Verf.  gewählten  Benennungen  des  111.
und  IV.  Buches  das  Wort  geredet  werden.  FRoMMHOLD  empfindet  es  selbst,
dass  in  seinem  dritten  Buche  nicht  wenige  Fragen  zur  Behandlung  kommen,
für  welche  jede  Verbindung  mit  dem  Lehnrecht  fehlt.  Auch  gegen  die  Benennung
  des  IV.  Buches  möchten  sich  Einwendungen  erheben  lassen.  Unbedingte
  Zustimmung  wieder  verdient  Verf.,  wenn  er  bei  Aufstellung  seines
Systems  wirthschaftsgeschichtliche  Fragen  eingehender  berücksichtigt.
Die  Ansiedlungsverhältnisse,  die  Rechtsverhältnisse  von  Grund  und  Boden
u.  a.  m.  müssen  behandelt  werden,  wenn  der  Studirende  wichtige,  darauf
basirende  Fragen  (des  Verfassungsrechts,  wie  des  Familien-  und  Erbrechts),
verstehen  soll.  Des  Geld-  und  Münzwesens  muss  gedacht  werden,  um  der
Darstellung  des  Finanzwesens,  oder  —  beispielsweise  in  fränkischer  Zeit  —,
dem  Verständnisse  des  Bussensystems  vorzuarbeiten.  Eine  andere  Frage  ist
es  dagegen,  in  wieweit  sitten-  und  religionsgeschichtliches  Material  heranzuziehen
  ist.  Geht  der  Verf.  an  einzelnen  Stellen  hierin  nicht  zu  weit,  —
beispielsweise  wenn  er  unter  die  „Allgemeine  Rechtsgeschichte“  der  germanischen
  Zeit  einen  Paragraphen  über  „Charakter,  Lebensweise  und  Religion
der  Germanen“  stellt?  Nach  den  Stichworten  zu  urtheilen,  will  FROMMHOLD
in  diesem  Paragraphen  „die  nationalen  Tugenden  und  Fehler“,  „die  Kleidung,
  Wohnung,  Speise  und  Trank;  Beschäftigung,  Gewerbe,  Künste,  Todtenbestattung“,
  „die  nord-  und  südgermanische  Mythologie,  einzelne  Kulte,  die
Götterwelt  der  Naturkräfte,  Priesterthum“  berücksichtigt  wissen.  Sicherlich
ist  die  Darstellung  dieser  Fragen  nicht  Aufgabe  der  Vorlesung  über  deutsche
Rechtsgeschichte.  Die  traditionelle  Zahl  von  vier  oder  fünf  Vorlesungsstunden
würde  hierfür  keinesfalls  ausreichen.  Das  gleiche  Bedenken  hegt  Referent
hinsichtlich  des  Umfangs  der  vom  Verf.  herangezogenen  politischen  Geschichte.
Gewiss  macht  der  Dozent  rücksichtlich  der  geschichtlichen  Vorkenntnisse
seiner  Zuhörer  nicht  selten  die  Erfahrung,  dass  das  Wort  ne  Panats  „Is
nont  rien  appris,  ni  rien  oublie“  in  seinem  letzten  Theile  wenigstens  nicht
zutrifft.  Gewisa  muss  er,  um  ein  historisches  Ereigniss  seiner  rechtsgeschichtlichen
  Seite  nach  verwerthen  zu  können,  Manches,  was  bekannt  sein  sollte,