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Rechtsquellen vorangestellt. Als „Besondere Rechtsgeschichte“ schliessen
sich hieran Abschnitte, welche das Staats-, Prozess-, Straf- und Privatrecht
behandeln. Bei der Aufstellung eines Systems der deutschen Rechtsgeschichte
ist die Verwerthung einer germanischen und einer fränkischen Periode die
gewohnte und unbedingt richtige. Auch darin stimmt Referent dem Verf.
bei, dass das Mittelalter nicht als eine grosse geschlossene Masse zusammenzufassen
sei. Jedenfalls erscheint ihm beim mündlichen Vortrag eine Theilung
im Interesse der leichteren Uebersicht und der Präzision der Darstellung
empfehlenswerth. Fasst Referent hierbei die den beiden Büchern
vorausgeschickte Uebersicht über die politische Geschichte in’s Auge, so berührt
er sich im Wesentlichen mit dem Verf. in den Zeitgrenzen, welche er
jenen Unterabtheilungen des Mittelalters beim mündlichen Vortrag giebt.
Minder bereitwillig kann den vom Verf. gewählten Benennungen des 111.
und IV. Buches das Wort geredet werden. FRoMMHOLD empfindet es selbst,
dass in seinem dritten Buche nicht wenige Fragen zur Behandlung kommen,
für welche jede Verbindung mit dem Lehnrecht fehlt. Auch gegen die Benennung
des IV. Buches möchten sich Einwendungen erheben lassen. Unbedingte
Zustimmung wieder verdient Verf., wenn er bei Aufstellung seines
Systems wirthschaftsgeschichtliche Fragen eingehender berücksichtigt.
Die Ansiedlungsverhältnisse, die Rechtsverhältnisse von Grund und Boden
u. a. m. müssen behandelt werden, wenn der Studirende wichtige, darauf
basirende Fragen (des Verfassungsrechts, wie des Familien- und Erbrechts),
verstehen soll. Des Geld- und Münzwesens muss gedacht werden, um der
Darstellung des Finanzwesens, oder — beispielsweise in fränkischer Zeit —,
dem Verständnisse des Bussensystems vorzuarbeiten. Eine andere Frage ist
es dagegen, in wieweit sitten- und religionsgeschichtliches Material heranzuziehen
ist. Geht der Verf. an einzelnen Stellen hierin nicht zu weit, —
beispielsweise wenn er unter die „Allgemeine Rechtsgeschichte“ der germanischen
Zeit einen Paragraphen über „Charakter, Lebensweise und Religion
der Germanen“ stellt? Nach den Stichworten zu urtheilen, will FROMMHOLD
in diesem Paragraphen „die nationalen Tugenden und Fehler“, „die Kleidung,
Wohnung, Speise und Trank; Beschäftigung, Gewerbe, Künste, Todtenbestattung“,
„die nord- und südgermanische Mythologie, einzelne Kulte, die
Götterwelt der Naturkräfte, Priesterthum“ berücksichtigt wissen. Sicherlich
ist die Darstellung dieser Fragen nicht Aufgabe der Vorlesung über deutsche
Rechtsgeschichte. Die traditionelle Zahl von vier oder fünf Vorlesungsstunden
würde hierfür keinesfalls ausreichen. Das gleiche Bedenken hegt Referent
hinsichtlich des Umfangs der vom Verf. herangezogenen politischen Geschichte.
Gewiss macht der Dozent rücksichtlich der geschichtlichen Vorkenntnisse
seiner Zuhörer nicht selten die Erfahrung, dass das Wort ne Panats „Is
nont rien appris, ni rien oublie“ in seinem letzten Theile wenigstens nicht
zutrifft. Gewisa muss er, um ein historisches Ereigniss seiner rechtsgeschichtlichen
Seite nach verwerthen zu können, Manches, was bekannt sein sollte,