Full text : Rosenheimer Anzeiger. 61. Jahrngang (61)

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  Verschärfung  des  Kriegs  gegen  England.

Mit  allen  zu  Gebote  uhenden  mutem  gegen  die  engitschen  Truppen-  und  Kricgsbedarfstransportc.  —  Warnung  an  die  neutrale  Schift
Iaprt.  —  die  Täugkelt  unferer  U  bootc.  —  französische  Klagen  über  dic  mis#tände  im  Decrc.  —  ein  Zuilschenfall  in  Portugiclilch-Angola
Glollitl  über  NMKallens  Paltung.  —  Serblscher  Einmarsch  in  Mbanlen:  —  Türktuche  Erfolge  gegen  Kuflen  u  engläader.  —  bewet  gei#tcskrank:

Mit  allen  Milkeln  gegen  England

WIB.  Berlin,  2.  Februar.  Der  Reichsanzeiger
  wird  heute  folgende  amtliche  Mitteilung
bringen:

Berlin,  1.  Teb  Belauntmachung.  Ergland
  ist  im  Beil  #blreiche  Truppen  und
9  n  Mengen  von  Kriegsbedarf  Qnach  Frankreich
  zu  verschiffen.

Gegen  diese  Transporte  wird  mit  allen  zu
Gelote  stehenden  Kriegemitteln  vorgegangen.

werden.

Die  friedlich::  Schöfabrt  wird  von  der  Annäherung

  an  die  frantösische  Nord-  und  Westlüsie

  dringend  gewarnt,  da  ihr  bei  Verwechslungen
  mit  Sckiffen,  welche  Kriegs  wecken  dienen,
  ernste  Gefahr  droht.

Der  Landelsschiffahrt  nach  der  Nordsee  wird
der  Weg  um  Schottland  anempfohlen.

Der  sliehvertretende  Chef  des  Admiralstabs:
v.  Behncke.
(Aus  der  gestrigen  Nummer  wiederholt.)
n  I  i

Der  Krieg  gegen  England  tritt  sichtlich  in
einen  neuen  Abschnitt.  Für  die  deutsche  Kriegfuhrung
  wäre  es  bequemer  und  aussichtsvoller
gewesen,  kein  Wort  über  ihre  Pläne  zu  verlauten.
  Wenn  der  Admiralstab  sich  dennoch
entschlossen  hat,  die  neutrale  Schiffahrt  oringend
  vor  der  Annäherung  an  die  französische
Nord=  und  Westküste  zu  warnen,  so  beweist
Deutschland  mit  dieser  offenen  Bekanntmachung
aufs  neue,  wie  sehr  es  ihm  am  Herzen  liegt,
die  Neutralen,  deren  Handel  ohnehin  durch  den
Krieg  aufs  empfindlichste  leidet,  nach  Möglichleit
  gegen  ernste  Gefahren  zu  schützen.  Franhösische
  Quellen  sprechen  von  700  000  Engländern,
  die  bis  Eude  Marz  an  der  Front  der
Verbündelen  in  Frankreich  eintreffen  sollen.
Mag  diese  Zahl  auch  übertrieben  sein,  so  sieht
sest,  daß  zahlreiche  Truppen  nach  Frankreich
demnächst  verschifft  werden.  Deutschland  wird,
nachdem  es  mit  den  Zurüsrungen  für  Unternehmungen
  großen  Stils  gegen  England  fertig
ist,  starke  Schläge  führen,  die  äußersten  Mittel
des  Krieges,  die  eine  weit  vorgeschrittene  Technik
  on  die  Hand  gibt,  anwenden,  um  Englands
Arm  zu  lähmen  und,  wenn  irgend  möglich,  es
ins  Herz  zu  treffen.

 

Der  Kriegszug  enserer  U—  Boo#
gegen  England.

London,  2.  Febr.  Die  „Linda  Blancha“
wurde  von  l  21“  um  12  Uhr  30  Min.  an
gehalten.  Der  Kapitan  mußte  sich  mit  den
Schiffspapieren  an  Vord  des  Unterseebodtes
begeben,  nach  deren  Einsicht  ihm  bedeutet  wurde.
daß  seine  Mannschaft  zehn  Minuten  Zeit  habe,
um  ihre  eigenen  Sachen  und  sich  selbst  in  Prote
zu  retten.  Als  der  Kapitän  zögerte,  sagte  man
ihm,  es  sei  kein  Grund  zum  Verzweifeln.  da
ein  Dutzend  anderer  Schiffe  am  gleichen  Tage
sein  Los  geteist  hätten.  Hierauf  stiegen  deulsche
Matrofen  an  Vord  de  Dampfers  und  legten
mit  Uhrmerk  versehene  Sprenggeschoise  unter
die  Kommandobrücke  und  unter  die  Kafüte  im
Vorderschiff.  Nach  fün:  Minuten  erfolgte  eine
furchtbare  Erplofion  und  das  r*2"=  wurde  in
Stücke  gerissen  und  sosort  versentt.  Die  Mannschaft
  wurde  von  der  „Niblid“  aufgenommen.
deren  Kapitän  erzählte,  daß  er  geselen  hale.
wie  fünf  Meilen  westlic  ron  Reachedepol  ein
großer  Dampfer  unterging.  Auf  dem  4  L
habe  er  danach  viele  Trümmer  treiben  jselen,
aber  keine  Spur  von  der  Mannschaft.  (1.).1

London,  2.  Febr.  „SErening  Stanar“
schreibt:  „England  muß  sich  auf  erbeblich  schrsere
  Folgen  des  Kricges  als  bislang  ge  s
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sehr  leistungefabige  neue  Unterseeboote  in  Bau,
und  die  Verwendbarleit  dieser  Waffe  wird  ge—
gen  uns,  da  Deutschland  zurzeit  leine  Sciif
fahrt  rreibt,  wir  aber  auj  die  Zufuhr  von  See
angewiesen  sind,  erherlid:  großer  sein,  als  ungekehrt.
  Die  Folge  w#rd  sein,  dag  die  Frachten
  und  die  Versicherungsprämien  für  die
Schifse  sie  eigen,  das  Rijilo  für  den  Handelsverkehr
  zur  See  erheb  lich  großer  wird  und  die
Lebensmittelteuerung  bisher  in  England  ungekannte
  Formen  annehmen  wird.  Es  ist  anzunehmen,
  dah  Deutsckland  den  Auobau  seiner
Unterseeflotte  mit  Hochdruck  belreibt  und  seine
großen  Unterseebot#  vielleicht  innerhalb  bis

6  Monaten  sertigsiellen  wird.  Ze  länger  der
Ass  dauert,  desro  größer  w#erd  die  Amzahl  dieser
  surchtbaren  Boote  sein  und  desio  fühlbarer
wird  das  Beschneiden  der  Lebensnerven  nglands
  jein.  Deshalb  wird  ein  langes  Hinziehen
des  Krieges  gerade  für  England  die  schlimmnen
Folgen  haben.  Diese  Frage  ist  sehr  verwickelt,
wünsck.  enswert  erscheint  uns  jedoch  die  baldige
Aufnahme  einer  lräftigen  Altion  zur  Beschleunigung
  der  Kriegsentwicklung.“

  
 

Pari,  2.  Febr.  Der  „Temps"“  gibt  zu,
daß  die  Fahrt  des.  deutschen  Unterseebootes
nach  der  Irischen  See  eine  Tat  von  grösßter
Bedeutung  sei,  weil  es  die  erste  Ausführung
des  von  Tirpitz  angelündigten  Krieges  gegen
den  englischen  Handel  darstellt.  Der  „Temps“
schaht  den  Altionsradius  des  unterseebo#tes
auf  25/0)  Seemeilen.  Da  die  Fahrt  um  England
  2000  Seemeilen  lang  isr,  so  bleiben  dem
Unterseeboot  500  Seemeilen  für  die  eigentlichen
  Kriegsoperationen.  Wenn  auch  nicht  alle
deutschen  Unterseeboote  so  großen  Aktionsradius
  haben,  so  verfügt  doch  die  deutsche  Flotte

über  etwa  18  große  Unterseeboote  mit  solchem
  Altionsradius,  und  zwar  dank  dem  Eiser.
womit  das  Reichosmarineamt  in  den  letzten  Jahren
  ihren  Bau  betrieb  und  insolge  der  Einziehung
  der  (Unterseekote,  die  für  fremde
Staaten  auf  deutichen  Werften  beim  Ausbruch
des  Krleges  im  Bau  waren.  (3.)

London,  2.  Febr.  „Daily  News“  schreiben:
  Die  Versenkung  dreier  englischer  Schiffe

an  der  Rüste  von  Lancathire  in  eine  Episode.
die  zum  Nachdenken  einlädt.  Die  Operationen
wurden  am  hellen  Tage  in  einer  der  Haupthandel-routen
  des  großen  Liverpooler  Hajens
ausgeführt.  Der  Aktionsradius  dieser  Boote
ist  bedeutend  größer,  als  er  vor  dem  Kriege  angenommen
  wurde.  Es  fragt  sich,  ob  Deutschland
  über  eine  genügende  Anzahl  von  Tauchbooten
  verfügt,  um  diese  riskante  Taktik,  die
mit  allerlei  Gesahren  verbunden  ist,  großzügig
durd-ufüuhren.  Wenn  die  Beutezuge  der  deutschen
  Unterseeb##eine  ernthaflere  Form  annehmen
  sollten,  so  mußte  das  Begleitiystem
eingejuhrt  werden.  Man  weiß  bereits,  das.
sch  nellsahrende  Nerörer  einen  gulen  Schun  gegen
  Taua-#le  bielen.  Das  letzte  Mi##tel  wärc,
die  britichen  Hande  eis  unter  eine  neutrale
Flagge  en  siellen.  (7:  Die  Blodade  durch  Tauchcote
  lönni:  im  nacknen  Kriege  verwirklicht
werden.  Sie  würde  für  uns  auf  der  Insel  viel
ernsthaftere  dimemionen  annelmen,  als  für
ein  Reich  mit  Verbindungen  zu  Lande.  (3.)

London.  2.  Febr.  Archibald  Hurd  schreibt
im  „Dailn  Telegrarh".  Tirpig  kann  der  großhen
  britiichen  Flotte  nichts  anhaben.  Er  schickt
jetzt  Mäuse  aus.  um  Englands  Brot  zu  benagen.
  Glault  der  ahef  der  deutichen  Flotte
wirklich,  daß  er  Grohbritannien  auf  die  Knie
zu  zwingen  vermag,  wenn  er  einige  Handels
schiffe  versenlt  Es  ist  einen  Monat  her,  seit
Tirpitz  die  Drohung  aussprach  und  seitdem  wurden
  nur  einige  kleine  Schifse  versentt.  Und  wenn
er  drei  Dughzend.  dreihundert  Schisfe  in  den

Grund  bohrt.  %  wird  jeine  Politil  doch  sfehlschlagen.

  (7)  Die  Jernorung  der  Handelsschifse
der  ersten  Seemacht  ist  das  Eingestandnis  der
eigenen  Schwache  (75)  und  bedeutet  nichts  #  aNn-=deres,
  als  daß  der  Feind  im  eigenilichen  Seekrieg
  leine  Fortschritte  (2)  macht.  Wenn  die
Deutschen  die  britischen  Kriegsschiffe  versenken
könnten,  jo  würden  sie  nicht  ihre  Zeit  auf  kleine
Handelsschiffe  verschwenden.  Deutschland  schadet
  sich  dadurch  selbst  (7),  denn  je  weniger  britische
  Schifse  versügbar  sein  werden,  desio  mehr
neutrale  Schiffe  werden  die  Verböndeten  benötigen.
  Deutsckland  wmird  dann  nicht  in  der
Lage  sein,  die  notwendigen  Schiffe  für  seinen
eberseehandel  aufzutreiben,  denn  England  hat
eine  längere  Börse  und  größeren  Kredit.  (8.)
Aus  diesen  Ausführungen,  in  denen  die  Ver
ärgerung  und  die  Wut  über  das  Gelingen
deutschen  Planes  aus  jeder  Silbe  zu  erkennen
ist,  sprickt  ganz  eiwas  anderes  als  die  Zuversicht,
  die  hier  vorgetäuscht  wird.

London,  2.  Febr.  Die  „Times“  empfiehlt
Rden  Handelsschiffen,  den  Kampf  mit  den  Unterseebvoten
  aufzunehmen,  indem  sie  versuchen,  in
voller  Fahrt  die  Boote  in  den  Grund  zu  bohren.
  Sie  mögen  den  Befehlen  der  Unferseeboote
  keine  Giee  geben,  sondern  mit  Schnel- 



ligkeit  dem  Kampfplatz  entfliehen.  (3.)

 

London,  2.  Febr.  Die  Vondoner  Presse
siellt  fest,  daß  es  mit  75  Prozent  wahrscheinlich
  sei,  daß  die  deutschen  Unterseeboote  um
Sch  otilend  herum  nach  dem  Georgslanal  fuhren.
  Diese  Fahrtleistung  von  mehr  als  2000
Seemeilen  wird  sogar  im  „Daily  Telegraph“
als  ein  Markstein  in  der  Geschichte  der  Unterseeboote
  bezeich  net.  (.3.)

London,  2.  Febr.  Die  Dampfer  „Atreus“
und  „Ava“  fielen  beinahe  einem  deutichen  Unterseeboot
  in  der  Irischen  See  zum  Opfer.  Es
war  jedoch  so  sehr  mit  einem  dritten  Schiff  beschäftigt,
  daß  die  beiten  Dampfer  unbehelligt
davonkamen.  (3Z.)

Parie,  2.  Febr.  Amtlich.  Den  letzten  Nachrichten
  zufoige  versentien  die  deutschen  Unterseebrcote,
  welcke  am  3.  Januar  englische  Handelsschiffe
  in  der  Jrischen  See  anhielten,  diese
erst,  nachdem  jie  von  den  Mannschaften  verlassen
  waren.  (ZJ.)  Die  franzofische  Regierung
  tritt  also  in  ihren“  Beschuldigungen  den
Rückzug  an.

Amsterdam,  2.  Febr.  „Nieuwe  von  den
Dag“  meldet  aus  London.  daß  infelge  der  Anwesenheir
  deutscher  Untersecboole  in  der  Irischen
  See  zwei  Damufschiff  Föhrdienste  eingesiellt
  worden  seien.  (3Z.)

Kopenhagen.  J.  Febr.  .,  Politiken“  sagt,
der  neue  Unterseekrieg  erwecke  in  den  neutralen
Ländern  Unbehagen.  da  Schwierigkeiten  für
die  neutrale  Schiffahrt  befürchtel  werden.  Selbstverstandlich
  kann  man  es  der  deutschen  Flotte
nicht  verdenken,  daß  sie  mit  allen  Mitteln  Englands
  Handel  zu  lahmen  versucht.  England
will  Deutichland  aushungern.  Deuschland  antwortet
  darauf.  (3.)

□

II  "-’
Allgemeines  vom  sirieg.
Der  Kaiser  in  Wilbelm-baven.

IB  Berlin,  2.  Febr.  Amtlich.  Der
Kaiser  begibt  sich  im  Lauf  des  morgigen  Tages
ur  Besichtigung  nach  Wilhelmshaven.

Einc  neutrale  Kriegsfstudic.

Rom.  2.  Febr.  Zn  einer  militärischen  Studie
  der  „Perseveranza“  wird  das  französische
Hcer  als  völlig  erschopft  und  zu  weiterer  Offensive
  unfähilg  bezeichnet.  Eine  Lösung  könne  nur
von  den  Engländern,  den  Rufsen  oder  #en  einer
starken  Verschiebung  der  —  sschen  Lage  kommen.
  Was  England  betrifft.  so  seien  die  Hoffnungen
  auf  sein  Millionenheer  nicht  ernst  zu
nehmen.  Nachdem  die  ersie  Begeisterung  verrauckt
  sei,  mache  die  Rekrutierung  nur  langsame
  Forückritte:  alsdann  fehlt  es  an  den  notwendigen
  Tausenden  von  hoben  und  niederen
Offiieren.  Ueberdies  kämpfe  England  nur  für
seinen  Geldsack.  Die  Wahrheit  sei,  daß  der
wicktigste  Kriegsschauplatz  im  Osten  sei.  Im
Onen  werde  auch  die  Lage  des  Westens  entschieden
  werden.  (.3.)

Die  Finanzen  des  Dreiverbandes.

Parie,  2.  Febr.  Der  ruffische  Finansminister
  und  der  englische  Schatzkonzler  sind
am  Montag  hier  eingetroffen  und  begannen
beute  ihre  Unterredungen  mit  dem  französischen
Finanzminister  und  anderen  Mitgliedern  der
Regierung.  (3.)