Metadata : Meyers Fach-Lexika; Lexikon der deutschen Geschichte.

Karl  (Karolinger).

burg  (d.)  ein  und  zerstörte  die  Irminsul,
  nach  sächsisch  -heidnischem  Glauben
die  das  Weltall  tragende  Säule  (unweit
Altenbeken).  Die  Engern  unterwarfen
sich  zunächst,  empörten  sich  aber  schon  774,
fielen  in  Hessen  ein  und  zerstörten  Fritzlar.
K  überwältigte  sie  775  wieder,  dazu  noch
die  Ostfalen  und  Westfalen,  die  andern
Stämme  der  Sachsen.  Unter  den  Empörungen
  der  Sachsen  in  den  folgenden.
ahren  war  der  Aufstand  von  782  am  geährlichsten.
  Widukind,  ein  westfälischer
Fürst,  kehrte  damals  aus  Dänemark,  wo
er  bisher  eine  Zuflucht  gefunden  hatte,  zurück,
  reizte  die  Sachsen,  welche  gerade  auf
einem  Zuge  7  en  die  feindlichen  Sorben
Heeresfolge  98  sollten,  auf,  und  sie
vernichteten  ein  fränkisches  Heer  am  Süntelgebirge.
  K.  erschien  alsbald  und  ließ
zum  warnenden  Beispiel  4500  Sachsen
zu  Verden  an  der  Aller  enthaupten.  Als
darauf  ein  allgemeiner  Aufstand  der  Sachsen
  ausbrach,  schlug  sie  K.  783  bei  Detmold
  und  entscheidender  an  der  Hase.  Damit
  war  der  sächsische  Krieg  eigentlich  beendet,
  besonders  da  sich  785  Widukind  und
Abbio,  ein  andrer  Häuptling,  unterwarfen
  und  taufen  ließen.  Die  Nordalbingier
(Sachsen  nördlich  der  Elbe)  wurden  erst
804  unterworfen  und  damals  10,000  von
ihnen  als  Geiseln  für  die  Treue  ihrer
Landsleute  ins  innere  Deutschland  geführt.
  Massentaufen  der  Sachsen  hatten
wiederholt  stattgefunden,  und  nach  und
nach  wurden  folgende  Bistümer  begründet:
  Halberstadt,  Paderborn,  Minden,
Verden,  Bremen,  Münster  und  Osnabrück,
von  Klöstern  Korvei  und  Herford.  nuwischen
  hatte  K.  die  Unterwerfung  der
lawen  begonnen.  788  unterjochte  er  die
Wilzen  auf  dem  rechten  Elbufer,  806  die
Sorben  und  selbst  einen  Teil  der  Böhmen;
schon  vorher  hatten  die  Obotriten  mit  K.
ein  Bündnis  geschlossen  und  ihm  im  Sachsenkrieg
  Beistand  geleistet.  Im  Norden
dehnte  er  sein  Reich  bis  zur  Eider  aus,
im  Osten  bis  zur  Raab,  wo  er  und  sein
Sohn  Pirpin  die  räuberischen  Avaren
791  —796  zur  Unterwerfung  brachten.
Süden  machte  er  801  den  Ebro  zur
renze,  nachdem  er  schon  778  einen  Zug
über  die  Pyrenäen  gegen  die  Araber  unter-229



nemmen  hatte,  der  allerdings  unglücklich
endete.

An  den  Grenzen  seines  Reichs  richtete
K.  Marken  ein,  so  gegen  die  Araber  die
spanische  zwischen  den  Pyrenäen  und  dem
Ebro,  gegen  die  südlichen  Slawen  die
Marken  von  Friaul  und  Kärnten,  gegen
die  Avaren  die  avarische  Mark  (das  spätere
  Osterreich),  gegen  die  Böhmen  die
fränkische  am  obern  Main,  gegen  die  Sorben
  die  thüringische  an  der  Saale,  gegen
die  Dänen  die  Mark  an  der  Eider.
seinem  weiten  Reich  beseitigte  er  alle
selbständigen  Gewalten;  so  setzte  er  788
den  unbotmäßigen  Herzog  Thassilo  von
Bayern  ab  und  hob  hier  die  herzogliche
Würde  auf.  K.  betrachtete  sich  nicht  nur
als  weltlichen  Herrscher,  sondern  auch  als
Haupt  der  Kirche,  welcher  alle  Reichsgenossen
  angehörten.  Wie  sein  Vater,  führte
er  den  Titel  eines  Patricius  von  Rom,
besaß  die  Schlüssel  zum  Grab  des  heil.
Petrus  und  hatte  das  Gelöbnis  der  Treue
vom  Papst  empfangen.  Am  Weihnachtstag
  799  wurde  er  rimischer  Kaiser,  indem
  ihm  Papst  Leo  III.  in  der  Peterskirche
  zu  Rom  die  goldne  Krone  aufs
Haupt  Feter  Der  oströmische  Kaiser  erkannte
  812  diese  neue  Würde  an,  und
damit  war  das  römische  Kaisertum  dem
Volk  der  Germanen  gesichert.  K.  legte
solchen  Wert  auf  diese  Rangerhöhung,  daß
er  sich  802  von  seinen  Untertanen  einen
neuen  Eid  der  Treue  leisten  ließ.  An
seinem  Hofe  versammelte  K.  einen  Kreis
von  Gelehrten,  wie  den  gelehrten  Angelsachsen
  Alkuin,  Paulus  Diaconus,  den
Geschichtschreiber  der  Langobarden,  und
den  Grammatiker  Peter  von  Pisa.  Sie
wurden  die  vornehmsten  Lehrer  der  Hochschule,
  welche  K.  hier  errichtete,  und  in  der
er  selbst,  seine  Kinder  und  viele  edle  Jünglinge
  aus  dem  Reich  Unterricht  in  der
Dichtkunst,  Rhetorik,  Dialektik  und  Astronomie
  empfingen.  Außerdem  begründete
K.  gelehrte  Zweigschulen  in  Tours  und
Pavia,  doch  eine  allgemeine  Volksbildung
anzubahnen  hat  er  nicht  versucht.  Die
Handschriften  der  Bibel  und  der  angelebensten
  römischen  Schriftsteller  ließ  er

urch  geschickte  Mönche  abschreiben,  um
eine  leichtere  Beuutzung  dieser  Werke  zu