Full text : Meyers Fach-Lexika; Lexikon der deutschen Geschichte.

Metz.

kunft  sowie  den  ersten  Pariser  Frieden.  Auf
dem  Wiener  Kongreß,  wo  er  den  Vorsitz
innehatte,  verschaffte  er  Osterreich  nicht
nur  eine  bedeutende  Vergrößerung,  sondern
  auchdie  Herrschaftllbördezerbäcele
Italien  und  das  übergewicht  im  neu  begründeten
  Deutschen  Bund.  Dabei  versäumte
  er  nicht,  seinen  Privatvorteil  wahrzunehmen,
  und  erhielt  von  fremden  Mächten
  reiche  Geschenke,  von  Rußland  eine
Pension  sowie  nach  der  zweiten  Vertreibung
  Napoleons  und  dem  Abschluß  des
zweiten  Pariser  Friedens,  den  M.  20.  Nov.
1815  unterzeichnete,  große  Belohnungen
von  den  wiedereingesetzten  Fürsten.  Der
König  beider  Sizilien  ernannte  M.  1818
zum  Herzog  von  Portella  und  überwies
ihm  eine  Dotation  von  60,000  Dukaten.

M.  wardie  Seeleder  Verhandlungen  auf
den  Kongressen  zu  Aachen  (1818),  Karlsbad
  (1819),  Troppau  (1820),  Laibach
(1821)  und  Verona  (1822)  und  brachte
sein  Sostem  der  Unterdrückung  jeder  freiitlichen

  Regung  in  ganz  Europa  zur
Geltung.  Schließlich  konnte  er  do  nuict
verhindern,  daß  Rußland  den  gei  ischen
Aufstand  unterstützte  und  die  Türkei  zur
Abtretung  Griechenlands  zwang,  daß  in
Frankreich  das  legitime  Königtum  gestürzt
und  das  neu  geschaffene  Königreich  der
Niederlande  wieder  zerrissen  wurde.  Auch
nachdem  Todedes  Kaisers  Franz  II.(1835),
der  ihn  1821  zum  Staatskanzler  ernannt
hatte,  blieb  er  an  der  Spitze  der  Verwaltung.
  Die  Revolution  von  1848  richtete
sich  vornehmlich  gegen  M.,  in  dem  das
österreichische  Volk  den  verhaßten  Vertreter
der  Reaktion  sah.  Er  ward  durch  den
Wiener  Aufstand  13.  März  gezwungen,
seine  Entlassung  zu  nehmen,  und  vermochte
  sich  kaum  vor  der  Erbitterung  des
Volks  zu  retten.  1849  siedelteer  nach  Brüssel
  über  undkehrte  erst  im  September  1851
nach  Wien  zurück.  Hier  starb  er  11.  Juni
1859.  Vgl.  Schmidt-Weißenfels,
Fürst  M.  (1860,  2  Bde.);  Springer,
Geschichte  Osterreichs  seit  dem  Wiener
Frieden  1809  (1863—65,  2  Bde.);  seine
Memoiren  gat  sein  Sohn  Richard  1880—
1881  in  4  Bänden  durch  Graf  Klinkowström
  herausgeben  lassen.  ·

2)  Richarb,  Fürstvon,  ältester  Sohn

297

des  vorigen  aus  seiner  zweiten  Ehe  mit  der
Freiin  v.  Leykam,  geb.  7.  Jan.  1829,  betrat
  ebenfalls  die  diplomatische  Laufbahn
wurde  1856  österreichischer  Gesandter  bel
den  sächfischen  Höfen  und  1859  Botschafter
in  *  Hier  spielten  er  und  seine  Gemahlin,
  geb.  Gräfin  Pauline  Saͤndor,  am
Hof  Napoleons  eine  hervorragende  Nolle.
Beim  Sturz  des  französischen  Kaiserreichs
889  gab  M.,  dessen  staatsmännische
Befähigung  übrigens  gering  ist,  seine  Entlassung
  und  lebt  selttenn  als  Privatmann
in  Se  4)  ehemals  reichsunmittelbares
"  10  ehemals  reichsunmittelbar
Bistum  im  oberrheinischen  Kreis,  dessen
Sprengel  den  mittlern  Teil  des  Herzogtums
  Lothringen  umfaßte  und  zum  Erzbistum
  Trier  gehörte.  Der  Büchof  war
deutscher  Nichefürst  und  besaß  ein  beträchtliches
  Gebiet  innerhalb  der  Greuzen
des  heutigen  Deutsch-Lothringen.  Die
Gründung  des  Bistums  fällt  wohl  noch
ins  4.  Jahrh.  Frankreich  nahm  1552  das
Bistum  in  Besitz  und  erwarb  es  dann  definitiv
  im  Westfälischen  Frieden.  Seit  1802
steht  es  unter  dem  Erzbistum  Besangon.
)  Hauptstadt  des  deutschen  Bezirks
Lothringen  und  Festung  ersten  Ranges,
am  Einfluß  der  Seille  in  die  Mosel  und
an  der  Eisenbahn  Forbach-M.-Novéa–nt,
von  der  hier  Zweige  abgehen  nach  Diedenhofen
  (Luremburg)  und  Amamwillers  (direkte
  Linie  nach  Paris),  berühmt  durch
die  Schlachten  von  M.  und  die  Belagerung
  im  deutsch-französischen  Krie
1870.  Nach  den  Niederlagen  bei  Wört
und  Speichern  wurde  die  französische
Rheinarmee  auf  dem  rechten  Moselufer
bei  M.  zusammengezogen,  da  man  daran
dachte,  an  der  Wan  5  ischen  Nied  (linker
Nebenfluß  der  Saar)  eine  Schlacht  anzunehmen.
  Da  es  jedoch  versäumt  wurde,
Mac  Mahon  mit  dem  1.  und  5.  Korps
keranzuziehen.  so  gab  Bazaine,  der  12.
Aug.  den  Oberbefehl  übernahm,  diese  Absicht
  auf  und  beschloß,  in  M.  nur  eine  starke
Besatzung  unter  dem  Kommandanten
General  Coffinières  de  Nordeck  zurückzulassen,
  mit  der  Hauptarmee  aber  über  Verdun
  nach  Chälons  abzumarschieren.  Jedoch
  die  drei  Schlachten  von  M.,  nämlich
44.  Aug.  bei  Colombey-Nouilly/((.  d.),