294 Heinrich Becker Die Türkei
Diese Darstellung eines führenden türkischen Staatsmanncs klingt
anders als das englische Blaubuch. Daß in dieser Stunde und nach solchen
Erfahrungen die Türkei nicht mehr dem Garantieversprechen der
Entente traute, wird ihr kein Mensch verübeln. Hatte doch die gleiche
Territorialgarantie sogar sämtlicher Mächte vor dem Balkankriege es
nicht verhindert, daß sie ihre curopäischen Provinzen verlor; konnte
sie sich da jetzt auf die trügerischen Versprechungen ihrer natürlichen Gegner
verlassen, die sich verschworen hatten, um ihren einzigen natürlichen
Beschützer zu vernichten und dann im Hrient freie Hand zu haben? Für
Rußland war ja dieser Krieg cingestandenermaßen ein Kampf um
Konstantinopel, und für England spielte die Bagdadbahn-Frage
keine untergeordnete Rolle. So grifs denn der Sultan in der äußersten
Notwehr zur Fahne des Propheten, und wenn er die Muslime der ganzen
Welt zum heiligen Hriege aufrief, so geschah es aus dem Bewußtsein
heraus, das oben geschildert wurde. Er trat entschlossen auf die Seite
des Deutschen Reiches; denn nur von Deutschland, das ein Interesse
an ihrem Bestand hat, kann die Türkei Hilfe erwarten.