572 Schulversäumnisse.
Zahlungsunvermögens, in eine Gefängnißstrafe bis zu 14 Tagen. (Siehe die
Verordn. d. einzelnen Regierungen, insbesondere die der Regierung z. Mersebur
vom 26. April 1866, A.-Bl., S. 147, und Minist.-Reskr. vom 10. April 1847
Minist.-Bl., S. 118.) T
8 2. Die Strafbarkeit wird nur durch von der Schulbehörde für ausreichend
erachteten häuslichen oder Privat-Unterricht, durch erweisliche Behinderung des
Kindes, oder durch vor oder nach der Versäumniß beizubringende Dispensation
vom Unterricht aufgehoben. (Nr. 2 d. Verordn. vom 26. April 1866.)
8 3. Wegen der Schulversäumniß ist den Schulbehörden folgende Instruktion
ertheilt worden:
1) Jedes Schulkind bedarf zu einer Schulversäumniß der Schule auch auf die
kürzeste Zeit einer Erlaubniß, sofern es nicht durch eigne Krankheit an
dem Besuche derselben gehindert wird, für welchen Fall eine Entschuldigung
beizubringen ist.
2) Die Erlaubniß ist vor eintretender Versäumuiß entweder schriftlich
unter bestimmter Angabe der Gründe, oder persönlich durch die Eltern oder
Pfleger des betreffenden Kindes bei dem Lokalinspektor der Schule nachzusuchen,
welcher, sofern die vorgebrachten Gründe genügend befunden werden,
die Erlaubniß auf eine bestimmte Zeit ertheilt und darauf den Lehrer
sogleich durch einen schriftlichen Vermerk davon in Kenntniß setzt, für sich
selbst aber einen Nachweis über die ertheilte Erlaubniß führt.
3) Wenn der Geistliche nicht im Schulorte wohnt, so ist in dringenden Fällen
die Erlaubniß für einen Tag zu ertheilen; für mehrere kann dieselbe
aber nur von dem Lokalinspektor ertheilt werden. Letzterm übergiebt der
Lehrer wöchentlich einen schriftlichen Nachweis über die von ihm ertheilten
Erlaubnisse.
4) Für die Versäumnisse in denjenigen städtischen Schulen, welche unter der
Leikung von Rektoren, resp. Direktoren stehen, denen die von dem Königlichen
Ministerium bestätigte Dienstinstruktion zugefertigt ist, bewendet es bei
den Bestimmungen des § 12 derselben, wonach nicht den Lokalinspektoren,
sondern den genannten Rektoren und Direktoren die Ertheilung jener Erlaubniß
zusteht. Versäumnißgesuche auf längere Zeit als 14 Tage sind
jedoch bei den Schulvorständen resp. den Schulkommissionen anzubringen.
5) Bei dringenden Versäumnissen, für welche vorher die Erlaubniß nicht hat
nachgesucht werden können, ist die Entschuldigung sobald als möglich nachzubringen,
und sind die Gründe für die Versäumniß in eben derselben Weise
zu prüfen, wie in den oben erwähnten Fällen.
Die von dem Lehrer nach dem vorgeschriebenen Formular zu führenden
Schulversäumnißlisten sind monatlich von dem Lokalinspektor resp. Rektor der Schule
zu revidiren und mit einem Revisiensvermerk zu versehen, wodurch die Richtigkeit
der als erlaubt oder entschuldigt nachgewiesenen oder als strafbar bezeichneten Versäumnisse
bescheinigt wird.
Den am Schlusse eines jeden Monats oder nach Bedürfniß auch öfter von
dem Lehrer anzufertigenden Extrakt aus der Versäumnißliste überreicht derselbe
dem Schulvorstande, welcher die Eltern oder Pfleger der schulpflichtigen Kinder,
deren Schulversäumnisse entweder gar nicht entschuldigt oder nicht zureichend gerechtfertigt
sind, zur Anhörung der Entschuldigungsgründe unter der Verwarnurg
vorladet, daß, falls sie der Vorladung nicht folgen sollten, bei der nächsten un-