»0 Vorgeschichte der Akademie.
Sie war seine furchtbare Gegnerin geworden, weil der Minister, wie
sie der Mutter schreibt, ilır vorgeworfen, dass sie mehr für das
Haus, aus dem sie stamınte, eingenommen sei, als für das, dem
sie selbst angehöre. »Ich galt als beeinflusst durch Vorurtheile. «
Die Mutter feierte den Sturz DasckeLmanns als einen Triumph der
Frauen: »Gefalle es Gott, dass Alle, welche den Frauen etwas in
den Weg legen, also gestraft werden mögen«.
Während Sorine CHARLOTTE an dem Sturz DANCKELMARNN Ss ihren
gckränkten Stolz befriedigte, ihre Mutter ausserdem in dem Ereigniss
einen Sieg der welfischen Politik feierte, begrüsste es auelı
Leiwsız, aber aus anderen Gründen. Der eben abgeschlossene Friede
von Ryswjjk hatte in ihm mit Recht die schwersten Sorgen und
Befürchtungen in Bezug auf die stets wachsende Macht Frankreichs
Deutschland gegenüber und für die Zukunft des deutschen Protestantismus
erweckt'. Er sah keine andere Rettung für diesen als in
einem sofort zu schliessenden, engsten Bündnisse zwischen Brandenburg
und Hannover; gemeinsam müssten diese beiden Staaten alle
Kräfte anspannen, um militärisch, wirtbschaftlich und intellectuell
dem Katholieismus zu begegnen; Voraussetzung dafür sei die Union
in der Kirchenfrage. DanckeLnmann, dessen specifisch brandenburgische
Politik Leissız nicht verstand, schien ihm ein Gegner einer
universalen protestantischen Staatskunst; in diesem Sinn erfüllte ihn
sein Sturz mit Genugthuung”, und er war bereit, sich der Politik
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der Kurfürstinnen im Hinblick auf das hohe Ziel — Schutz des
Protestantismus und Union der Lutheraner und Reformirten — zu
Dienst zu stellen. Sein dritter idealer Zweck, die Aufrichtung einer
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! Ausserhall» Deutschlands erlitt der Protestantisnus auf dem Continent in
dem Alenschenalter zwischen 1680 und 1710 überall die schwersten Einbussen, aber
auch für Deutschland bedeutete der Friede von Ryswijk eine Schwächung und
brachte einen empfindlichen Verlust (die Pfalz).
® Damals, als Lemnız sieh zuerst über DaxekELnanv's Sturz geäussert hat,
war noch nichts anderes erfolgt als eine sehr ehrenvolle Entlassung. Die schmähliche
Behandlung. die der Minister wenige Wochen später erfahren hat, hat Leisxız
als ein schweres Unrecht beurtheilt (s. seinen Brief an die Kurfürstin Sorme naclı
Friepricn Wırnern's I. Thronbesteigung bei Krorr, Werke, 9.Bd. 5.392). Aber
dieses Urtheil stellte sielı nicht sofort ein. Als beim Ausbruch des Krieges der Kurfürst
sich seines kundigen Staatsınannes beranbt salı und daher dem im Gefängniss
Schmachtenden aufgab, das schriftlich aufzuzeichnen. was ilun von den Affairen bekannt
sei, schrieb Leiwsız aus Lützenburg (3. August 1700) an die Kurfürstin Sorin«
(Krorr. Werke. 8.Bd. 5.204): »Je ne erois pas pourtant que ce soit pour cela la
narque de quelque retour favorable. Cependant cela lui servira d’amusement dans
sa prison, et le fera employer son temps utileinent. et lui peut donner occasion
d’obliger V’Eleeteur son majitre et disciple«.