Full text : Spittler’s sämmtliche Werke. Vierzehnter Band. (14)

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Schon  schickte  sie  auch  vorläufig,  noch  ehe  sie  aber  dem  franzdsischen
  Hofe  die  geringste  Eröffnung  ihrer  Absichten  gethan,
ihren  Liebling,  ihren  Stallmeilier  Daubigny,  nach  Frankreich,
und  ließ  durch  ihn  bei  Amboise  unweit  Tours  einen  Platz
kaufen,  um  daselbst  für  ihren  künfligen  Aufenthalt  einen
prächtigen  Palast  zu  bauen.

Es  machte  nicht  nur  in  der  Nachbarschaft,  sondern  auch  in
der  ganzen  Probinz  und  selbst  auch  bei  Hofe  ein  sehr  großes  Aufsehen,
  wie  Daubigny  den  prächtigsien  Palast  auf  einen  Platz  zu
bauen  anfing,  der  gar  nicht  för  eine  solche  Anlage  geschickt  zu
seyn  schien,  wie  er  die  größten  und  prächtigsten  Gärten  anlegte,
  Alles  auf'e  herrlichste  menblirte,  Alles  so  zurüsten  ließ,
als  ob  nächstens  hier  ein  Souverain  seine  Residenz  nehmen
werde.  Aller  Welt  war  unbegreiflich,  wie  man  auf  einem
Matz,  zu  dem  keine  Herrschaft,  keine  großen  Güter  gehdrten,
einen  solchen  Palast  hinbauen  könne;  Niemand  konnte  nämlich
  auf  den  Einfall  gerathen,  daß  dieses  der  künftige  Residenz-Palast
  einer  Landesherrschaft  seyn  solle.  Fuͤr  Daubigny  selbst
war  Chanteloup  —  so  bieß  dieses  neuerbaute  Residenz-Schloß
  —  viel  zu  groß  und  viel  zu  praͤchtig;  und  wie  man
endlich  auch  argwohnte,  daß  sich  die  Prinzessin  bloß  seines
Namens  bediene,  so  verstand  man  doch  wieder  nicht,  wie  sich
je  die  Prinzessin,  wenn  sie  auch  Spaniens  überdrüssig  geworden,
  an  einen  solchen  Ort  hin,  mit  dessen  Besitze  nicht  einmal
  eine  Herrschaft  verbunden  zu  seyn  schien,  retiriren  möge.

Erst  da  die  Prinzessin  bei  Schließung  des  Urrechter  Friedens
  auf  Beibehaltung  ihrer  niederländischen  souverainen  Freiherrschaft
  so  sehr  bestand,  erst  da  sie  hier  schon  ihren  Eigensinn
  so  weit  trieb,  daß  beinahe  der  ganze  Frieden  darüber
scheirerte,  und  daß  Ludwig  XIV.  seinen  Enkel,  den  Koͤnig,  nur
durch  die  stärksten  Drohungen  zur  Nachgiebigkeit  brachte,  erst  da
fing  man  am  französischen  Hofe  an,  allmählich  die  Emdeckung